Der Demokratiewagen parkt am Mittwoch vor der Paulskirche, dort soll er aber nicht bleiben.
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Der Demokratiewagen parkt am Mittwoch vor der Paulskirche, dort soll er aber nicht bleiben.

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Ein Bus für die Debatte

  • Judith Köneke
    vonJudith Köneke
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Der DemokratieWagen soll in der ganzen Stadt eine Plattform zum Austauschen und Diskutieren bieten. Aus Politik und Gesellschaft bekommt die Idee viel Zuspruch.

Der schwarz-weiße Bus ist 20 Meter lang und steht am Mittwoch vor der Paulskirche. Doch hier soll der „DemokratieWagen“ nicht bleiben. Das Ziel ist, dass er ab 2021 zu den Bürgerinnen und Bürgern in die Stadtteile kommt. Und Vereinen und Initiativen zur Verfügung steht, die sich für Demokratie und Beteiligung engagieren, erklärt Yannik Roscher von den Initiatoren, dem Verein Mehr als Wählen. Denn Politik werde nicht nur im Römer oder der Paulskirche gemacht, sondern passiere überall.

Nicole Deitelhoff, Co-Sprecherin des Forschungsinstituts Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ), das an dem Projekt beteiligt ist, sieht darin viel Potenzial. Streit bilde Grundlagen der Demokratie. Der Bus ermögliche es, Konflikte zuzulassen und auszutragen, um zu schauen, wo die Lösungen liegen.

Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) ist ebenfalls von der Idee überzeugt. Der „DemokratieWagen“ schaffe Möglichkeiten zur Begegnungen und ermutige, die Meinung zu sagen. Das passe zu den Zielen, die auch der Stadtraum Frankfurt des Amts für multikulturelle Angelegenheiten (Amka) verfolge. Die Plattform biete Raum für Beteiligung derer, die sich im Politikbetrieb noch nicht wiederfänden und das Gefühl hätten, ihr Standpunkt werde nicht gehört, so Weber. Die Stadt fördert das mit 50 000 Euro.

„Gerade in diesen Zeiten müssen wir um den Begriff Demokratie kämpfen“, sagt Meron Mendel, Direktor der Bildungsstätte Anne Frank, die ebenfalls Projekt-Partnerin ist. Der „DemokratieWagen“ sei die richtige Antwort auf solche Angriffe. Der Bus sollte auch außerhalb Frankfurts unterwegs sein, genauso wie in migrantischen Communities.

Heutige Veranstaltung

Der Bus steht heute, am 22 Oktober, von 10 bis 18 Uhr vor dem Stadtraum Frankfurt im Amt für Multikulturelle Angelegenheiten (Amka), Mainzer Landstraße 293.

Eine Podiumsdiskussion geht drinnen von 18.30 bis 21. 30 Uhr der Frage nach „Wie viel Rassismus steckt in unserem Alltag?“, anmelden unter anmeldung.amka@stadt-frankfurt.de

Konflikte zu lösen, etwa durch Abstimmungen, hätten in Frankfurt schon immer Streit und Kriege verhindert, erläutert Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD). Er lobt das Konzept und findet es entscheidend, dass alle erreicht werden müssen, wenn man das demokratische Verständnis schützen will – vor allem die nächste Generation. Denn Demokratie sei so viel mehr, als wählen zu gehen.

Das Innere wird noch umgebaut.

Hinter dem Verein Mehr als wählen stecken rund 20 Frankfurterinnen und Frankfurter, erklärt Ben Christian, einer der Gründer. Vier Studierende der Politikwissenschaft an der Goethe-Uni riefen die Initiative 2017 ins Leben. „Wir hatten das Gefühl, nur Texte lesen reicht nicht, sondern wir müssen etwas machen.“ Sie organisierten etwa das Bürgerforum Demokratiekonvent. Und der Wagen ist eine Idee, der daraus entstanden ist.

Der Bus soll innen noch eine Lounge bekommen und zu einem Ort werden, in dem man sich wohlfühlt und ungezwungen Gespräche führen kann, so Christian. Neben Diskussionen könnten auch Lesungen, Workshops oder Filmvorführungen hier stattfinden. Man sei sehr offen für Ideen und Formate.

Informationen zum Bus gibt es unter www.mehralswaehlen.de

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