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Der Protest in Frankfurt gegen die "Demo für alle" wird ähnlich bunt werden wie der im vergangenen Jahr in Wiesbaden. (Archivbild)
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Der Protest in Frankfurt gegen die "Demo für alle" wird ähnlich bunt werden wie der im vergangenen Jahr in Wiesbaden. (Archivbild)

Protest gegen "Demo für alle"

"Das hat mit Demokratie nichts zu tun"

  • Hanning Voigts
    VonHanning Voigts
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Oliver Henrich und Christian Gaa von der Aids-Hilfe Frankfurt organisieren die "Demo der Vielfalt und Liebe" gegen das Symposium der rechten "Demo für alle". Im FR-Interview sprechen sie über den Protest.

Herr Henrich, Herr Gaa, Sie organisieren die „Demo der Vielfalt und Liebe“, die am Samstag gegen das Symposium der rechten „Demo für alle“ protestiert. Dahinter steht ein neues „Bündnis Akzeptanz und Vielfalt Frankfurt“. Wie konnte das so kurzfristig entstehen?
Oliver Henrich: Die Idee zu dem Bündnis gab es schon vorher. Am 17. Mai ist jedes Jahr der Internationale Tag gegen Homo- und Transphobie, und in Frankfurt sind da im letzten Jahr viele Aktionen von verschiedenen Organisationen parallel gelaufen. Das Amt für multikulturelle Angelegenheiten hatte die Idee, diese Aktionen besser zu koordinieren. Und dann haben wir uns mit verschiedenen Gruppen aus dem LGBTIQ*-Bereich zusammengesetzt, um den Tag für 2018 zu planen. Jetzt kam plötzlich die Nachricht, dass diese „Demo für alle“ versucht, in Frankfurt ihre Ideologie zu verbreiten. Da haben wir sofort alles Nötige für eine Gegenkundgebung in die Wege geleitet.

Christian Gaa: Ein Grundgedanke bei dem Bündnis war: Da wir in Deutschland und ganz Europa gerade einen politischen Rechtsruck erleben, müssen wir aus dem LGBTIQ*-Bereich uns definitiv stärker zusammenschließen. Und jetzt sind die Rechten halt etwas früher in unserer Stadt als gedacht, daher kommt die Gründung jetzt auch etwas schneller als geplant.

Warum finden Sie es wichtig, gegen die Veranstaltung der „Demo für alle“ zu protestieren?
Henrich: Allein wenn man sich mit der ausgrenzenden Sprache beschäftigt, der sich diese Menschen bedienen, merkt man: Das hatten wir alles schon mal, und das darf nicht wieder sein. Ich finde es daher erschreckend, dass es selbst in unserer eigenen Community Leute gibt, die sagen, das sei doch alles nicht so schlimm, und bei der „Demo für alle“ seien doch nur ganz wenige Leute. Wenn so eine Gruppierung Präsenz zeigt, dann muss ich dagegen aufstehen. Die stehen für krude Ansichten, Diskriminierung und ein Gesellschaftsbild aus den 60er Jahren.

Gaa: Die Leute von der „Demo für alle“ diskutieren zwar hinter verschlossenen Türen, aber letztlich wollen sie raus und die Gesellschaft dominieren. Jegliche Existenz außerhalb ihrer eigenen konservativen Familienvorstellung wollen sie unterdrücken. Und das widerspricht der Natur des Menschen, denn die ist nun mal divers. Die glauben aber, dass es nur eine Richtung gibt, in die Menschen sich entwickeln sollen. Das ist eine antimenschliche Haltung, dagegen muss sich eine Gesellschaft deutlich wehren.

Beim geplanten Symposium der „Demo für alle“ geht es primär um die Öffnung der Ehe für homosexuelle Paare. Sind das nicht letztlich hilflose Rückzugsgefechte? Die Ehe für alle ist ja beschlossene Sache ...
Gaa: Sie diskutieren ja nicht nur über die Ehe für alle, sondern sagen, als Nächstes könnte die Vielehe eingeführt werden. Die „Demo für alle“ mobilisiert Ängste, ähnlich wie die AfD oder Pegida, um ihre Macht zu stärken. Und das Problem ist: Mit ihrer Macht möchten sie andere Menschen unterdrücken. Im Umfeld der „Demo für alle“ wird auch argumentiert, Homosexualität sei „heilbar“. Tut mir leid, aber das hat mit Demokratie nichts mehr zu tun. Das ist Hetze.

Ihre Kundgebung heißt „Demo der Vielfalt und Liebe“. Um welche Botschaft geht es?
Henrich: Das steckt eigentlich schon in den Wörtern Vielfalt und Liebe. Liebe ist vielfältig und kann ganz unterschiedlich aussehen. Schon wenn ich mir fünf heterosexuelle Beziehungen ansehe, stelle ich fest, dass nicht alle gleich funktionieren. Wenn jemand gegen die Art und Weise, wie Menschen leben und lieben, hetzt, ist es wichtig, dass er deutlichen Widerspruch erfährt.

Offenbar wollen Sie ja auch auf der Straße zeigen, dass die Frankfurter politisch eher auf Ihrer Seite stehen als auf der der „Demo für alle“.
Gaa: Bezogen auf Frankfurt bin ich da ziemlich optimistisch, ja. Wir haben in dieser Stadt Menschen aus allen Ländern. Wir akzeptieren Diversität auch in Bezug auf Sexualität und Geschlecht nicht nur, wir feiern sie, wir lieben sie. Daher: Frankfurt ist nicht Deutschland, wo es zum Teil etwas anders ausschaut und auch antidemokratische Minderheiten zunehmend ihre Stimme erheben. Wir haben hier ein breites Bündnis hinter uns,    die Stadt, das Land, die queere Community und auch die beiden großen christlichen Kirchen.

Henrich: Ich denke auch, dass wir die Mehrheit der Frankfurter Bevölkerung auf unserer Seite haben. Das Interesse etwa auf Facebook ist enorm; viele Menschen aus Vereinen und Unternehmen sind auf uns zugekommen. Außerdem LGBTIQ*-Gruppen aus ganz Deutschland, die zu unserer Demo mobilisieren und auch teilnehmen wollen. Und wir haben in Frankfurt überhaupt eine starke Community, die für ihre Rechte kämpft und eintritt.

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