Die Demonstrierenden versammeln sich mit Rädern am Mainkai.
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Die Demonstrierenden versammeln sich mit Rädern am Mainkai.

Sperrung

Demo: Mainkai in Frankfurt soll autofrei bleiben

  • vonJanis Berling
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Der Mainkai in Frankfurt soll autofrei bleiben, wenn es nach den Teilnehmern der Demonstration am Samstag geht. Die Corona-Krise habe gezeigt, wie sehr die Frankfurter den Platz brauchen.

An einem sonnigen Samstag wie diesem braucht sich wirklich niemand Sorgen zu machen, dass der gesperrte Mainkai von der Bevölkerung nicht genutzt wird. Viele Menschen sind unterwegs und genießen die Sonne auf dem breiten Streifen zwischen Innenstadt und Mainufer. Sie gehen spazieren, laufen und fahren Fahrrad oder sitzen einfach auf den Wiesen am Ufer in der Sonne.

Es hat sich in diesem Jahr bereits einiges geändert am Mainkai, stellt Andreas Bürger, Sprecher und Koordinator der Bürgerinitiative „Mainkai für alle“, fest. „Die Corona-Krise hat gezeigt, dass die Stadt gar nicht genug Platz bietet für alle Menschen.“ Viele hätten in dieser Zeit das Mainufer für sich entdeckt. „Die Stimmung in der Stadt dreht sich“, so Bürger. Er selbst hat mit seiner Initiative einen nicht ganz unwichtigen Anteil daran. Die Mainkai-Initiative organisiert jedes Wochenende Veranstaltungen wie etwa einen Kinder-Fahrradparcours, um zu zeigen, wie viel Lebensqualität ein autofreier Mainkai für die Stadt bieten kann. Über hundert Kinder nehmen jeden Sonntag laut Bürger daran teil.

An diesem Samstag findet die erste Aktionsdemo der Initiative nach der Corona-Pause statt. Nachdem alle Teilnehmer eine Runde gemeinsam mit dem Rad über den Mainkai gefahren sind, findet eine kurze Kundgebung westlich des Eisernen Stegs statt. Dort spricht auch Oliver Strank, Ortsvorsteher des Ortsbeirates 1. Der SPD-Politiker mahnt, dass die Stadt und der Magistrat eine große Chance zu verpassen drohen, wenn ab dem 1. September 2020 hier wieder Autos rollen. „Es ist entscheidend, jetzt Unterstützer zu mobilisieren und den Mainkai zu beleben.“ Dafür hat der Ortsvorsteher gemeinsam mit der Initiative eine Online-Petition ins Leben gerufen, bei der Unterstützer unterschreiben können. Über 8600 Menschen haben dies bis jetzt getan.

Hannelore Böhm lebt selbst seit Jahren an der Straße. „Die Autos haben hier immer solche Aggression ausgelöst“, meint Böhm. Es wäre oft zu Unfällen gekommen, und nachts hätten Raser auf der Straße ihr Unwesen getrieben. Die Seniorin hofft nun, dass die Straße autofrei bleibt. „Es ist jetzt so viel entspannter hier. Viele kleine Kinder spielen jetzt hier, fahren Fahrrad oder spielen Fußball. Es würde mich freuen, wenn das so bleibt und man das weiter fördert.“

Doch nicht alle Teilnehmer an der Demo sind Anwohner. Walter Zoubek etwa kommt aus dem Nordend, ist aber trotzdem regelmäßig am Mainufer. An der Kundgebung nimmt er mit seiner Frau und seiner Schwester teil. Alle drei gehen oft am Kai spazieren. Wenn es dann am Ufer selbst zu voll ist, weichen sie auf die ehemalige Straße aus. „Wir hoffen, dass das Mainufer autofrei bleibt. Dann könnte man hier auch noch einiges verbessern.“

Andreas Bürger ist sich jedenfalls sicher: „Wenn die Frankfurter selbst entscheiden dürften, würden sie sich für einen autofreien Mainkai entscheiden.“ Er erhofft sich von der Stadt, dass sie die jetzige Phase als Versuch ansehe, Daten erhebe und am Ende auswerte und auf Basis dessen entscheide, anstatt eine überhastete Entscheidung zu fällen. „Es geht uns nicht darum, einen Weg für das Mainufer vorzugeben“, betont Bürger. Stattdessen wolle man aufzeigen, wie viele Möglichkeiten es für das Mainufer gebe. „Es gibt so viele verschiedene Entwürfe und Ideen von verschiedenen Bewegungen aus der Stadt, wie ein neues Mainufer aussehen könnte. Wir wollen den Menschen mitgeben, dass sie selbst das Ufer gestalten können.“

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