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Demo in Frankfurt: „Ich wünsche mir eine Gesellschaft, die niemanden zwingt, eine graue Taube sein zu müssen.“

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Von: Kathrin Rosendorff

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Nicht nur eine bunte Parade, sondern ein Zeichen gegen Homo-und Transphobie.
Nicht nur eine bunte Parade, sondern ein Zeichen gegen Homo-und Transphobie. © christoph boeckheler*

Am Internationalen Tag gegen Homo-, Bi-, Inter-, Trans- & Asexuellenfeindlichkeit – kurz IDAHOBITA sind auch in Frankfurt Menschen auf die Straße gegangen. Und in Frankfurt hat der 17. Mai diesmal eine besondere Bedeutung. Denn die Dragqueen Electra Pain war im März an der Konstablerwache mit Pfefferspray attackiert worden.

Martin (31) trägt Regenbogen-Schirm zu Regenbogen-Sneakern und hält ein Schild in Herzchen-Form am Römerberg hoch: „Es ist okay verschieden zu sein.“ Unweit von ihm dröhnt Gloria Gaynors „I Will Survive“ aus Lautsprecherboxen. Der Gießener sagt: „Ich wünsche mir eine Gesellschaft, die niemanden zwingt, eine graue Taube sein zu müssen.“ Aber nicht nur aus diesem Grund ist er am frühen Dienstagabend zur Demo gekommen. Der 17. Mai ist der Internationale Tag gegen Homo-, Bi-, Inter-, Trans- & Asexuellenfeindlichkeit – kurz IDAHOBITA. Erst 1990 hatte die Weltgesundheitsorganisation beschlossen, Homosexualität von der Liste der psychischen Krankheiten zu streichen.

Und in Frankfurt hat der 17. Mai diesmal eine besondere Bedeutung. Denn die Dragqueen Electra Pain war im März an der Konstablerwache mit Pfefferspray attackiert worden. Wenige Wochen später kam es zu weiteren homo- und transphoben Gewalttaten. Keine Einzelfälle. Deshalb steht die Demo, die von der Aidshilfe und der Regenbogen-Crew veranstaltet wird, diesmal unter dem Motto „Mehr Schutz für queere Menschen.“ Durch die Innenstadt laufen laut Polizei 100 Menschen. Am „Frankfurter Engel“ hält auch Bürgermeisterin Nargess Eskandari-Grünberg (Grüne) später eine Rede. Es ist das Mahnmal, das an die Homosexuellenverfolgung der Nazis erinnern soll.

Bereits am Mittag hatten Eskandari-Grünberg und Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) am Römer die Regenbogenfahne gehisst. Es ist das erste Mal am IDAHOBITA, betont sie, Frankfurt müsse ein sicherer Ort für alle Menschen werden.

Martin sagt: „Ich selbst habe noch keine Gewalterfahrung machen müssen, aber seitdem es jetzt vermehrt diese Übergriffe auf der Zeil gab, überlege ich mir genau, ob ich, wenn ich feiern gehe, einen Regenbogen-Schirm in der S-Bahn überhaupt mitnehmen kann oder das zu gefährlich ist.“ Katharina (22) sagt, sie falle im Alltag nicht auf - niemand würde auf den ersten Blick sehen, dass sie asexuell ist. „Ich selbst habe es bis vor zwei Jahren nicht gewusst, Ich dachte, ich habe den richtigen Menschen noch nicht getroffen. Bis ich merkte, egal wie nett die Person ist, ich spüre keinerlei Anziehung.“ Asexualität sei in der sexualisierten Gesellschaft kaum Thema, deswegen habe sie lange selbst nicht gewusst, was mit ihr los sei. „Ich würde mir wünschen, dass Asexualität mehr Sichtbarkeit bekommt.“

Als der Demozug mit Songs wie Lady Gaga’s „I was born this Way“ durch die Innenstadt zieht, filmen immer wieder Passantinnen und Passanten. „Das ist okay, aber ich fände es schöner, wenn es eben nicht nur als lustige, bunte Parade irgendwo auf Instagram geteilt wird, sondern, dass die Leute auch über das Thema reflektieren. Und eben auch eingreifen und nicht nur filmen, wenn es zu einem homophoben Angriff kommt“, sagt ein Teilnehmer.

Carsten Gehring von der Aidshilfe betont, dass es mehr Polizeipräsenz unweit der queeren Bars geben müsse. Auch liest er die Rede seines Kollegen Christian Setzepfandt vor: „Homophobie geht nicht von selbst weg.“ Ein Positiv-Beispiel ist die Oma von René (35). Als er sich outete, sagte sie ihm: „Das ist doch egal: Lieblingsenkel bleibt Lieblingsenkel.“

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