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Die Demonstrierenden zogen vom Hauptbahnhof an den Paulsplatz. Rolf Oeser

Frankfurt

Demo in Frankfurt: Geflüchtete aus Moria aufnehmen

  • Clemens Dörrenberg
    vonClemens Dörrenberg
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Hunderte demonstrieren am Sonntag in der Innenstadt dafür, die Lager aufzulösen - nicht nur auf der griechischen Insel.

Mit lauten Sprechchören ziehen sie die Blicke von Schaulustigen auf sich. Unter dem Motto „Evacuate all camps“ demonstrieren am Sonntagnachmittag laut Polizeiangaben 450 Menschen für eine Auflösung aller Flüchtlingslager. Vom Kaisersack am Hauptbahnhof ziehen die Demonstrierenden über den Willy-Brandt-Platz und die Friedensstraße zum Platz an der Paulskirche. Am Kopf der Demo werden zwei Banner mit der Aufschrift „Zelte sind für Ferien – nicht zum Leben“ und „Refugees welcome – die EU tötet“ getragen.

Ein Bündnis aus der Sozialistischen Jugend, Seebrücke Frankfurt, Migrantifa, Project Shelter und BeHeard hatte nach dem Brand des Flüchtlingslagers Moria auf der griechischen Insel Lesbos zu der Demonstration in der Innenstadt aufgerufen.

In der Weißadlergasse laufen die Demonstrierenden links und rechts an Cafés vorüber. An den zahlreichen Tischen, die draußen stehen, zücken einige Gäste Handys zum Filmen oder Fotografieren. Andere gucken weg. Auf Deutsch, Englisch und Italienisch skandieren die Teilnehmenden ihre Parolen, wie „Say it loud, say it clear: Refugees are welcome here“, „Hoch, die internationale Solidarität“ oder „Siamo tutti antifascisti“. Teilweise wird rhythmisch dazu geklatscht.

Barbara Lueken hält ihr Pappschild mit der Aufschrift „Jetzt Menschen aus den Lagern und See evakuieren“, bei dem sie die Buchstaben mit Textmarker umrandet hat. Die Worte „Moria und anderswo“, hat die 58-Jährige nachträglich eingefügt. Das Schild bringe sie „schon ewig“ zu Demos mit, berichtet die Sachsenhäuserin. „Man mahnt und mahnt und es passiert nichts“, sagt Lueken. „Wir sollten alle Leute herholen, wenn kein anderes Land etwas tut.“ In der Migrationspolitik gehe es jedoch, wie seit Jahrzehnten, lediglich um Abschottung statt Lösungssuche.

Weitere Demonstrierende zeigen Schilder mit Parolen wie: „Privilegien verpflichten“, „Wir haben Platz“ sowie „Rassismus tötet von Hanau bis Moria“. Auf einem anderen steht: „Moria, mein Herz weint und blutet“.

Auch Maurizio Segura hält ein Schild in die Höhe. Darauf steht: „Leave no one to die“. Der 37-Jährige aus dem Nordend sagt: „Ich bin absolut wütend und würde diesen Menschen gerne helfen, von denen manche schon mehrere Jahre in den Lagern leben.“ Er habe ausreichend Platz daheim und würde gerne Geflüchtete aufnehmen, fügt er hinzu. An die Politik gerichtet, sagt er: „Sie geben uns aber nicht die Erlaubnis zu helfen.“

Kurz danach ruft eine Radlerin auf der Kaiserstraße im Vorbeifahren: „Nehmt ihr sie doch zu Hause auf.“

Als der Protestzug vor der Paulskirche ankommt, stehen dort bereits drei Zelte neben einem Info-Stand – zwei größere und ein kleines Iglu-Zelt, in Anlehnung an die Zeltlager für Geflüchtete auf den griechischen Inseln. Vom Band werden Berichte von Augenzeugen vor Ort eingespielt.

Eine Frauenstimme vom Band sagt: „Mittlerweile wird ein neues Camp errichtet, das genauso wie Moria geschlossen sein soll und auf chemisch verseuchtem Boden entsteht.“ Dies sei jedoch „weder ein sicherer Ort noch ein Zuhause“.

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