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Kämpferische Stimmung herrschte bei der Frauendemo in der Frankfurter City.

8. März

Demo gegen Übergriffe: Frauen fordern die Nacht zurück

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Bei der „Reclaim the Night“-Demo in Frankfurt zogen rund 300 Frauen durch die Innenstadt. Sie erobern sich Räume zurück, in denen sie sich nicht sicher fühlen.

Sie haben keinen Bock mehr. Nicht auf Normalisierung. Oder Stigmatisierung von Gewalt. Sowohl gegenüber Frauen als auch gegenüber ‚Queers‘. Und vor allem haben sie keinen Bock auf das Patriarchat. „Wir stellen uns dem Sexismus, der uns tagtäglich wiederfährt, kämpferisch entgegen“, sagt eine Organisatorin der „Reclaim the Night“-Frauen-Nachtdemonstration, die am Samstag, am Vorabend des Internationalen Frauentages, durch die Frankfurter Innenstadt zieht.

Der Himmel über dem Alfred-Brehm-Platz am Zoo hat sich in ein sattes Dunkelblau verwandelt, als sich die rund 300 Teilnehmerinnen der Demonstration dort treffen. Mit dem Demonstrationszug wollen sie Räume einnehmen, die sonst eher männerdominiert seien. Räume, „in denen Frauen unsichtbar sind“, sagt Mitorganisatorin Rosa Riot. „Sexismus und Bedrohung gibt es die ganze Zeit“, sagt sie. Aber insbesondere nachts würden sich Übergriffe häufen.

Demo am 8. März - Internationaler Frauenkampftag

Wenn sie abends noch unterwegs ist, macht sie es schon unterbewusst, dass sie sich die Kapuze abzieht und ihre Kopfhörer rausnimmt, sich immer wieder umdreht und sich überlegt, wer könnte eine Gefahr sein. Sie fragt sich: „Könnte ich in Gefahr sein?“, sagt eine Teilnehmerin. Die Studentin sitzt mit ihren beiden Freundinnen auf den Stufen am Rand des Platzes, wo sie darauf warten, dass es endlich losgeht. Sie haben sich vor allem darüber gefreut, „dass es mal eine Demo gibt, bei der nur Flint-Personen erlaubt sind“, sagt eine der drei Studentinnen. Die Abkürzung „Flint“ steht für Frauen, Lesben, Intersexuelle und nichtbinäre Personen. „Menschen, die sich als Cis-Männer identifizieren“, (in der Geburtsurkunde als „männlich“ eingetragen und eindeutig sich als Mann bezeichnend), wären hier unerwünscht.

Als die Dunkelheit hereinbricht, steuert der Zug sein erstes Ziel an: die Konstablerwache. Begleitet von lauten Kampfparolen ziehen die Demonstrantinnen über die Zeil. Der Zug hat sich keine 400 Meter bewegt, als ein Passant versucht, durch die Absperrung zu gelangen und die Demonstrantinnen zu fotografieren. Mit lauten Pfiffen und Rufen zeigten sie ihm, dass er auf dieser Frauendemo nicht willkommen ist. Die Stimmung wird jetzt noch kämpferischer, als sie weiterziehen.

Frauen blockieren am 8. März die Kreuzung

Abgeschirmt durch ihre Plakate, stehen die Demonstrantinnen eng zusammen und blockieren eine halbe Stunde lang die Kreuzung an der Konstablerwache, während sie sich die Redebeiträge verschiedener Gruppen anhören. Von hier aus zieht die Demonstration über die Kurt-Schumacher-Straße zur Alten Brücke bis hin zur „Partymeile“ in Alt-Sachsenhausen. „Dort ist keine ‚Aware‘-Zone“, sagt Rosa Riot. Kneipen würden Frauen nicht ernst nehmen, wenn sie sich über Übergriffe beschwerten. „Oder sie sollen es beweisen“, sagt sie. Aber wie sollen sie das, sie hätten ja keinen Abdruck am Po, wenn sie angefasst würden. Deswegen brauche es Strukturen, die dafür ein Bewusstsein schaffen. „Damit die Kneipen endlich reagieren“, sagt Rosa Riot.

Auf der zwei Kilometer langen Route zwischen Zoo und der Elisabethenstraße sprayen Teilnehmerinnen Slogans wie „Queerfeministisch kämpfen“ und markieren Bars und Clubs – die bekanntermaßen sexualisierte Gewalt decken würden – mit Farbbomben.

Ein abschließender Redebeitrag auf der „Partymeile“ widmet sich der Selbstermächtigung von Frauen und dem radikalen Feminismus. Ob sexualisierte Gewalt oder die strukturellen Benachteiligungen in vielen Bereichen: Die Teilnehmerinnen machen deutlich, dass es kein Tabu sein dürfe, Missstände zu benennen. „Es gibt einfach noch keine Gleichberechtigung“, sagt Rosa Riot. „Und deswegen müssen wir kämpfen, und deswegen müssen wir manchmal auch radikal sein, weil wir sonst nicht gehört werden.“

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