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Die Demonstranten ziehen durchs Nordend.

Günthersburgpark

Demo für Grüne Lunge

  • Sandra Busch
    vonSandra Busch
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Hunderte Menschen demonstrieren auf dem Fahrrad und zu Fuß am Samstag für den Erhalt der Grünen Lunge und gegen Neubauten.

Die einen protestieren auf dem Rad, die anderen zu Fuß. Doch das Ziel beider Demonstrationen am Samstagnachmittag durch die Stadt ist dasselbe: für diesen Nachmittag die Friedberger Landstraße auf Höhe des Wasserparks zur Abschlusskundgebung – für die Zukunft der Erhalt der „Grünen Lunge“ im Nordend. Auf der Fläche der „Grünen Lunge“ oberhalb des Günthersburgparks, auf der sich derzeit vor allem Gärten befinden, sollen einmal bis zu 1500 Wohnungen entstehen.

Nach Angaben der Veranstalter radelten 350 und liefen 550 Menschen dazu durch die Stadt. Die Radler starteten am Mainkai, die Fußgänger am Friedberger Platz. 18 Initiativen und Organisationen hatten zur Doppeldemo aufgerufen. Darunter die Bürgerinitiative (BI) „Grüne Lunge“, die gegen den Bau des Quartiers kämpft. „Als wir vor fünf Jahren von der Bebauung erfahren haben, gab es schon gute Argumente dagegen“, rief Miriam Desjardins von der BI auf dem Friedberger Platz den Demonstranten zu. Nun, fünf Jahre später, seien diese noch drastischer geworden. Luftverschmutzung, Klimaerwärmung – Frankfurt sei im vergangenen Jahr die heißeste Stadt Deutschlands gewesen, die Bäume erkrankten wegen der Trockenheit. „Die Stadt muss Tausende kranke Bäume in diesem Jahr fällen“, sagte Desjardins. „Lasst uns die erhalten, die wir haben.“

Flächen wie die „Grüne Lunge“ wirkten der zunehmenden Erwärmung entgegen, sagte Desjardins. „Aber das Stadtparlament hält an der Bebauung fest, die Grünen tragen das Projekt mit.“ Es sei auch nicht erkennbar, dass es zur „Grünen Lunge“ ein Wort im Programm für die Kommunalwahl im nächsten Frühjahr von den Grünen geben werde. „Die stehen voll dahinter – und das kann nicht sein.“

Für Alexis Passadakis von der Kampagne „Grüne Lunge bleibt – Instone stoppen“ ist klar: „CDU, SPD und Grüne wollen weiterhin Stadtpolitik mit der Kettensäge machen, sie wollen keinen Diversitätskollaps verhindern.“ Aber nicht nur schwindende Biodiversität und ein voranschreitender Klimawandel sprechen für die Demonstranten gegen das Bauprojekt am Günthersburgpark. Wilfried Michel von der Nachbarschaftsinitiative Bornheim, Nordend, Ostend sagte, die Menschen in diesen Stadtteilen seien „massiv von Vertreibung bedroht, weil die Mieten stark steigen“. Die Menschen müssten deswegen ausziehen, in der „Grünen Lunge“ seien zwar auch Sozialwohnungen, aber vor allem Luxuswohnungen geplant. „Wir brauchen aber bezahlbaren Wohnraum.“ Die Menschen sollten vor Investoren wie Instone, die am Günthersburgpark bauen sollen, geschützt werden. Diese seien nur auf Profit aus.

Das alles ärgert auch eine 39-jährige Demonstrantin: „Nur ein kleiner privilegierter Anteil an Menschen profitiert überhaupt von dieser Bebauung.“ Auch Peter Beckmann von der Bürgerinitiative zum Erhalt der „Grünen Lunge“ sagte: „Wir brauchen eine moderne Stadtplanung, Rückzugsflächen in Zeiten von Pandemien.“ Es könne nicht die Lösung sein, für den Bau der Wohnungen Naturraum zu zerstören. „Die Lösung ist die Anbindung des ländlichen Raums, dort gibt es Wohnungen.“

Die Aktivistinnen Sabine und Miriam werden deutlich. Für die Rettung der „Grünen Lunge“ würden sie nicht vor radikalen Methoden zurückschrecken, sagten sie. Sie würden nicht zulassen, dass eine der letzten Naturflächen zerstört werde. Und wenn dazu „Besetzungen und Barrikaden“ nötig seien.

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