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Demo für Fechenheimer Wald: „Wenn wir den Wald zerstören, zerstören wir uns“

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Von: Kathrin Rosendorff

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Der Waldspaziergang geht auch am nächsten Sonntag weiter. Auch wenn viele Bäume schon wegen des Autobahnausbaus gefällt wurden.
Der Waldspaziergang geht auch am nächsten Sonntag weiter. Auch wenn viele Bäume schon wegen des Autobahnausbaus gefällt wurden. © Monika Müller

Auch nach der Räumung des Protestcamps wird weiter gegen die Rodung und den Autobahnausbau gekämpft.

Ich hätte den Ort wirklich nicht wiedererkannt. Das sieht hier einfach komplett anders aus.“ Mehrmals wiederholt die junge Frau den Satz. Sie ist immer noch geschockt, als sie am Sonntagnachmittag auf dem matschigen Trampelpfad entlangläuft. Rechts blickt sie auf das etwas entfernte Parkhaus an der Borsigallee, links auf das mit Zäunen und Stacheldraht abgesperrte Stück Fechenheimer Wald. Zwei Tage nach der Räumung des Protestcamps und den abgeschlossenen Baumfällarbeiten sieht alles ziemlich traurig und kahl aus. Eine der wenigen Eichen, die stehen gelassen wurden, ist mit einem roten K gezeichnet. Denn Eichen, die mehr als 60 Zentimeter Durchmesser haben, und in denen der streng geschützte Heldbockkäfer und dessen Larven leben könnten, sind zumindest jetzt noch verschont. Reste eines Baumhaus-Sitzes sind zu sehen.

22 Aktivist:innen hatte die Polizei am Freitag aus den Baumhäusern geholt. Einige lebten dort 16 Monate. Doch weder die ehemaligen Waldbesetzer:innen noch andere Protestierende wie die AG Waldspaziergang oder das Aktionsbündnis Unmenschliche Autobahn geben auf. Und so gibt es auch an diesem Sonntag wie schon seit Herbst 2021 einen Aufruf zum Waldspaziergang. Es ist der 69. Laut Polizei sind 130 Menschen an diesem kalten Wintertag gekommen. Polizist:innen sind vor Ort. Eine Rednerin ruft: „Ich sag‘ Fecher. Ihr sagt bleibt.“ Die Demonstrierenden, zwischen 17 und 70 Jahre alt, rufen laut und entschlossen: „Fecher, Fecher, Fecher bleibt.“ Auch singen sie eine umgetextete Version des Protestliedes Bella Ciao: „Wir müssen kämpfen für unsere Zukunft, denn die wird auch hier zerstört.“

Der Grund für die Rodung ist, dass die A66 an die A661 angeschlossen werden soll. Die Baumfällarbeiten wurden am Freitag abgeschlossen. Die Rodung der drei Fußballfelder (2,2 Hektar) großen Waldfläche, bei der die Wurzeln der Bäume aus der Erde geholt werden, soll zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen. Ein weiterer halber Hektar Wald soll nach Prüfung auf den Heldbock im Sommer gefällt werden.

Die Rodung wollen die Demonstrierende unbedingt verhindern. Christine Börstler vom Aktionsbündnis Unmenschliche Autobahn drückt als erstes ihre Emotionen nach Räumung und Fällung aus: „Ich bin traurig, fühle mich ohnmächtig, aber ich bin auch total glücklich, dass so viele heute hier sind.“ .Immer wieder ruft sie: „Ihr seid nicht allein. Und Klimaschutz ist kein Verbrechen.“

Auch einer der ehemaligen Waldbesetzer spricht kurz, betont, dass sie auch nach der Räumung nicht aufgeben und eigentlich schon gewonnen haben. Sie seien mit anderen Klimaschützern weltweit vernetzt, sie hätten gelernt, wie man Baumhäuser baut. „Für jeden Wald, der geräumt wird, besetzen wir zwei neue Wälder.“

Wenn sie wieder neue Kräfte gesammelt hätten, denn die letzten Monate auf den Bäumen hätten sie schon ziemlich erschöpft, dann würden sie auch über weitere Aktionen gegen den Autobahnausbau nachdenken. Traurig macht ihn, dass „ein Mann noch nicht frei ist und noch in der JVA Preungesheim sitzt“. Ein ehemaliger Waldbesetzer, der sich bislang weigert, Angaben zu seiner Identität zu machen, saß laut Staatsanwaltschaft am Sonntag noch in Untersuchungshaft.

Am Freitag waren acht Männer und Frauen dem Haftrichter vorgeführt worden, am Samstag weitere fünf, weil ihre Personalien zunächst nicht festgestellt werden konnten. Sie waren wegen des Tatvorwurfs des Hausfriedensbruches sowie in einigen Fällen zusätzlich wegen Widerstands gegen Polizeikräfte vorläufig festgenommen worden. Bis auf den einen Mann sind alle wieder auf freiem Fuß.

Eine Demonstrierende aus Mainz sagt, sie sei von der Politik enttäuscht: „Die Rodung des Waldes ist ein Sinnbild für die Profitorientierung in Richtung Autoindustrie.“ Helen (17) sagt; „Was die Politik nicht versteht, der Wald ist unsere Zukunft, Wenn wir den Wald zerstören, zerstören wir uns.“ Die Mahnwachen an der Borsigallee gehen weiter.

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