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Demo für Fasnacht und gegen Querdenker

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Von: Pia Henderkes-Loeckle

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Der Demozug glich wegen des Krieges in der Ukraine eher einem Schweigemarsch.
Der Demozug glich wegen des Krieges in der Ukraine eher einem Schweigemarsch. © ROLF OESER

200 Menschen protestieren am Fasnachtsdienstag in Heddernheim.

Unter dem Motto „Lasst uns bunt und solidarisch sein, damit wir im nächsten Jahr wieder wie gewohnt Fasnacht feiern können“ ziehen laut Polizeiangaben knapp über 200 Menschen am Fasnachtsdienstag durch Heddernheim. „Damit wollen wir ein Zeichen für eine starke Gesellschaft und eine solidarische Krisenlösung setzen“ betont Arash Vahedipour, einer der Organisatoren. „Und gegen die Querdenken-Demos Widerspruch leisten“, fügt er an.

Der große Fastnachtsumzug durch „Klaa Paris“ musste zum zweiten Mal wegen der Corona-Pandemie abgesagt werden. Um den Querdenken-Demos, die seit Wochen dienstags durch Heddernheim laufen, die Straße an diesem besonderen Tag nicht zu überlassen, hat die Heddernheimer Nachbarschaftsinitiative einen Demonstrationszug organisiert. Vom Karl-Perott-Platz zieht der Zug über die Heddernheimer Landstraße. „Am windigen Eck“ schließt sich der Demonstrationszug aus Eschersheim mit 30 Leuten und großer Begrüßung an. Hier erzählt Christiane Weindl (SPD) aus dem Ortsbeirat 9 von dem einsamen Tod ihres an Corona erkrankten Vaters im Frühjahr 2020, als es noch keine Impfung gab.

Weiter geht es zur Gemaa-Bump in der Straße Alt-Heddernheim, ohne die es den Heddernheimer Fasnachtsumzug nicht gäbe. Eigentlich wollte Jo, wie er sich nennt, seine erste – und wie er sagt, einzige – selbst geschriebene Büttenrede halten: „Weil ich befürchtete, dass die Heddernheimer Fasnachtsvereine den Hintern nicht hochkriegen“, sagt er. Aufgrund des Krieges in der Ukraine ist ihm aber nicht nach Spaß, weshalb er seine gereimten Zeilen über den querdenkenden Narr Herr Bieder mit tiefer Stimme wie ein Gedicht rezitiert. Überhaupt ist die Stimmung gedrückt, der Demonstrationszug gleicht eher einem Schweigemarsch. „Wir denken an die Menschen in der Ukraine“ sagt Mitorganisator Nathanael (24). Arash Vahedipour hätte sich einerseits mehr mitlaufende Heddernheimer gewünscht, andererseits hat er Verständnis, dass aufgrund der Kriegssituation sie entweder nicht mitlaufen wollten oder lieber zur Mahnwache gegen den Krieg auf den Riedberg gegangen sind.

Zurück am Karl-Perott-Platz zollen Turgut Yüksel (SPD) und Martina Feldmayer (Bündnis 90/Grüne, beide im Landtag, den Demonstrierenden in ihren Redebeiträgen ihren Respekt vor dem Widerspruch, der hier auf die Beine gestellt worden sei.

Während die Heddernheimer Initiative den Reden lauscht und Beifall klatscht, kommt ein Ehepaar vorbei, hört kurz zu und meint „Ach, das sind die Falschen“. Die Querdenker:innen waren an diesem Fastnachtsdienstag Richtung Niederursel unterwegs.

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