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Kinderbücher kommen bei Lesenden gut an.

Junge Leser

Dem Kinderbuch geht es gut

  • Florian Leclerc
    vonFlorian Leclerc
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Das Kinder- und Jugendbuch ist ein Gewinner der Coronakrise. Live erlebt man die Autoren und Autorinnen beim kuratierten Lesungsprogramm von Open Books Kids.

Jeden Abend, vor dem Einschlafen, verwandeln sich die Betten in Kinderzimmern in kleine Bühnen, auf in denen die jungen Menschen und ihre Eltern in die Welt der Fantasie eintauchen, wenn Mütter und Väter zu Büchern greifen, um mit der schönsten Stimme daraus vorzulesen.

Die Zweisamkeit beim Vorlesen ist eines der schönsten Erlebnisse in der Beziehung von Eltern und Kind. Umso erfreulicher ist es, dass das Kinderbuch, das dieses Erlebnis ermöglicht, gut durch die Corona-Krise gekommen ist. Es ist ein Krisengewinner.

In den ersten sechs Monaten dieses Jahres hatten Kinder- und Jugendbücher schon 3,6 Prozent mehr Umsatz eingebracht als im Vorjahr, wie der Börsenverein des Deutschen Buchhandels mitteilte.

Knapp 8000 Kinder- und Jugendbücher sind im vergangenen Jahr erschienen. Sie sind das zweitwichtigste Segment des deutschen Buchhandels, nach der Erwachsenenbelletristik.

Der Erfolg hängt nach Angaben des Börsenvereins damit zusammen, dass seit dem Ausbruch der Pandemie die jungen Menschen bis zu einem Drittel häufiger zum Buch gegriffen haben. Als die Schulen geschlossen waren, hatten sie Zeit.

Das Umsatzplus liegt auch daran, dass Eltern für gut gestaltete Kinderbücher wie „Die großen Flüsse der Welt“ von Volker Mehnert und Martin Haake bereit sind, viel Geld auszugeben. 25 Euro für ein Exemplar.

Vorlesen und Lesen stärkt sprachliche Kompetenz

Vorlesen und Lesen stärkt bekanntlich die sprachliche Kompetenz. Es vermittelt Wissen, im Falle von „Die großen Flüsse der Welt“ über Kulturen und Geografie. Es schafft aber auch soziale Nähe, die wichtig ist für die Entwicklung der jungen Menschen.

Um die Autorinnen und Autoren, unter anderem Volker Mehnert, kennenzulernen, hat das Kulturamt der Stadt in diesem Jahr wieder die Lesereihe „Open Books Kids“ stattfinden lassen. Anders als in den Vorjahren drängten sich die Kinder nicht auf Sitzkissen vor der Bühne, sondern saßen diszipliniert und teilweise Maske tragend im Saal der Deutschen Nationalbibliothek.

Der Eintritt war, wie immer, umsonst, was die Hemmschwelle, eine Lesung zu besuchen, für Erwachsene mit wenig Geld erheblich senkte. Die meisten Lesungen waren laut Veranstalter gut bis sehr gut besucht. Bis zu 80 Menschen fanden in der Nationalbibliothek Platz, wo unter anderem Constanze Klaue („Ausgerechnet Mops“), Charlotte Habersack („Bitte nicht öffnen 5 – Magic!“), Martin Baltscheit „Die Geschichte vom Löwen, der nicht schlafen konnte“) auftraten.

Einen Rat, welches Buch in welcher Altersgruppe besonders gut ankommt, gaben die Buchhändlerinnen der Buchhandlung Eselsohr aus Bockenheim am Bücherstand, wo Kinder und Eltern nach der jeweiligen Lesung oft ein Exemplar erwarben und von den Autorinnen und Autoren am Signiertisch widmen ließen.

„Acht- bis Zehnjährigen sind besonders tolle Zielgruppe“

„Die Acht- bis Zehnjährigen sind eine besonders tolle Zielgruppe“, sagte die Bestsellerautorin Margit Auer auf der ARD-Buchmessenbühne. Auer wurde mit „Die Schule der magischen Tiere“ berühmt. In zwei Wochen kommt der elfte Band der Reihe heraus („Wilder, wilder Wald!“), in dem die Schulklasse von Miss Cornfield ins Wildniscamp aufbricht. Wie in den Bänden zuvor bekommt ein Kind ein magisches Tier, das sprechen kann und dem jungen Menschen ein guter Freund wird. Demnächst kommt auch ein Kinofilm heraus.

Wie Margit Auer hat auch der Schauspieler, Musiker und Kinderbuchautor Max von Thun die Corona-Zeit produktiv genutzt. Er hat das Hörbuch „Der Sternenmann und das große Abenteuer“ produziert, gemeinsam mit seinem Sohn, wie er auf der Buchmessenbühne erzählt. Sein Sohn habe Sounds im kleinen Tonstudio der Familie eingesprochen und die Story angereichert. „Er ist mein Ko-Autor“, meint Max von Thun, bevor er mit seiner schönsten Vorlesestimme vorliest und die Zuhörenden in seinen Bann zieht.

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