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Den Bäumen geht es schlecht – der Borkenkäfer macht ihnen auch im milden Winter zu schaffen. 

Klimakrise

„Definitiv noch zu wenig Regen für die Frankfurter Bäume“

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Die neue Grünflächenamtsleiterin Heike Appel über den Wasserstand im Boden und ihre Ziele. Die Landschaftslücke im Osten zu schließen, ist eines ihrer drei Traumprojekte.

Frau Appel, gefühlt regnet es seit Monaten – wann ist es genug für die dürregeplagte Stadtnatur?

Wir haben gerade von unseren Förstern mal nachgraben lassen: Im Dezember war in der Bodenschicht bis 1,80 Meter Feuchtigkeit zu messen. Das heißt: Was in diesem Bereich ist, bekommt Wasser – was tiefer ist, nicht.

Reicht das für den Moment?

Wir setzen an ausgewählten Stellen Tensiometer ein, die reichen aber nur bis 90 Zentimeter Tiefe. Unsere Daten decken sich mit jenen des Deutschen Wetterdienstes: Die Wassersättigung ist bis etwa 60 Zentimeter wieder normal. Von dort bis 1,80 Meter ist es definitiv noch zu wenig. Das kann noch Monate dauern, bis genug Niederschlag dorthin sickert. Und wir wissen: Der Boden wird schnell wieder von oben nach unten durchtrocknen.

Das Grundwasser in fünf, sechs Metern ist also noch lange nicht erreicht vom Regen?

Nein. Aber das ist für die allermeisten Bäume ohnehin zu tief. Was ihnen hilft, muss von oben kommen.

Was machen Bäume und Sträucher im Winter? Ist es wichtig, dass sie jetzt Wasser bekommen oder erst im Frühjahr?

Jetzt halten die Laubbäume Ruhe. Nur die Nadelbäume, bräuchten auch im Winter eine Versorgung. Erholung für einen Laubbaum greift erst im Frühjahr, weil er jetzt noch keine Nährstoffe aufnimmt. Entscheidend ist die Wasserversorgung im Austrieb.

Haben die Bäume jetzt wenigstens Ruhe vor den Schädlingen?

Dafür ist es zu warm. Die Käfer sterben nicht vor Kälte, sondern leben lustig weiter. Schädlinge, die das Holz angreifen, belasten die Bäume jetzt in der Ruhephase besonders. Deshalb haben wir alles gefällt, was von Borkenkäfern befallen war, um die Population zu begrenzen.

Die nächste Hitze kommt sicher, dann werden Sie wieder Jungbäume wässern. Wie weit sind Sie bei der Brauchwassernutzung?

Heike Appel.

Wir nehmen an Forschungsprogrammen teil und lassen ermitteln, wie Frankfurt Brauchwasser am besten verwenden kann. Außerdem achten wir darauf, Wasser nicht mehr in die Kanalisation, sondern in Brauchwasseranlagen zu leiten. Da hat ein Umdenken eingesetzt. Wir listen gerade die 20 bis 25 Brauchwasserentnahmestellen in der Stadt auf und klären mit Mainova und Hessenwasser, ob sie noch nutzbar sind. Manche sind schon zurückgebaut.

Wo liegen solche Entnahmestellen? An den Flüssen?

Das sind oft Brunnen. Oder geklärtes Abwasser aus den Kläranlagen. Und wir müssen auch den Zisternenbau verstärkt angehen.

Sind Sie auf eine weitere Dürrephase vorbereitet?

ZUR PERSON

Heike Appel, 56, leitet seit dem 1. Januar das Frankfurter Grünflächenamt. Sie studierte Landespflege in Wiesbaden, arbeitete in Landschaftsarchitekturbüros im Rhein-Main-Gebiet und kam 1996 zum Grünflächenamt. Seit 2004 war sie stellvertretende Amtsleiterin.

Wir haben uns mit Fahrzeugen und Personal neu aufgestellt. Im Februar werden wir 18 zusätzliche Stellen für Baumkontrolle, -pflege und -bewässerung ausschreiben. Das ist sehr ordentlich und ich bin froh, dass in der Politik dieser Bedarf gesehen wird.

Frau Appel, Sie übernehmen das Amt in einer schwierigen Phase …

… die Zeiten sind immer schwer. (lacht)

Aber macht Ihnen das alles keine Sorgen – Klimawandel, Dürre?

Das sind Themen, mit denen beschäftige ich mich seit den 80er Jahren. Wir haben vieles schon im Studium kommen sehen, auf Dach- und Fassadenbegrünung gepocht, Wasserrückhaltung angemahnt – die Leute wollten es damals nicht ernst nehmen. Da hat sich der Wind inzwischen gedreht. Jetzt hört man uns zu.

Was ändern Sie im Amt?

Wissen Sie, ich habe 15 Jahre stellvertretende Amtsleitung gemacht und ich habe immer gesagt, mit mir wird es keinen krassen Richtungswechsel geben. Herr Heldmann ( Appels Vorgänger, der im Dezember in den Ruhestand trat. Anm. d. Red.) und ich haben ja alles sehr eng abgestimmt im Team und so werde ich das auch weiterführen.

Welche Ziele haben Sie als Chefin an der Amtsspitze?

Was mir schon lange vorschwebt: Ich möchte gern die Grünflächen stärker vernetzen. Die Stadt fußgängerfreundlicher machen, allen in der Stadt einen Zugang zu öffentlichem Grün ermöglichen. Und ich wünsche mir, die Wallanlagen um die Innenstadt zu erneuern, weil ich sehr von ihrer Historie fasziniert bin. Wir mehren dort die Grünflächen. Für das Mainufer habe ich das Ziel: Durchgängigkeit im Süden und Norden von Ost nach West. Und da sind wir schon relativ weit.

Fehlt nur der Lückenschluss des Grüngürtels am Osthafen.

Die Landschaftslücke! Eines meiner drei Traumprojekte! Und eine Brücke zum Sommerhoffpark. Und ein Steg vom Theodor-Stern-Kai zum Niederräder Ufer, den hätte ich auch noch gern.

Den Baum der Zukunft, der dem Klimawandel trotzt – den wollen Sie aber auch entdecken, oder?

Was liest man da nicht alles über Wunderbäume … das sind alles Sorten, die pflanzen wir schon seit Jahrzehnten. Es wird diesen Baum der Zukunft nicht geben. Die Lösung heißt einfach: Artenvielfalt. Man muss ständig dranbleiben und sehen, was das für die heimische Tierwelt bedeutet, wie sie damit zurechtkommt.

Wie wird es 2050 aussehen im gewachsenen Frankfurt? Wie geht es dann dem Stadtgrün?

Ich glaube, wir werden uns weiterentwickeln müssen mit der Begrünung der Gebäude. Was ich mir erhoffe, ist, dass wir Straßen zurückbauen und Flächen bekommen, die wir begrünen können. Und dass wir auch landwirtschaftliche Flächen erhalten können, die wichtig fürs Klima und für die Versorgung sind. Die autofreie Innenstadt – das kann funktionieren, da können wir etwas gewinnen für die Grünflächenvernetzung. Ich bin eine bekennende, begeisterte Freundin der Mainkai-Sperrung und auch der Urban-Gardening-Projekte. Das unterstützen wir, das hilft uns sehr. Ich bin sicher: Die Wertigkeit der Grünflächen wird sich in Zukunft noch erhöhen.

Interview: Thomas Stillbauer

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