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Präsident Volker Mosbrugger will Aufklärungsarbeit betreiben.

Volker Mosbrugger

Debatte über Staat und Religion

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Volker Mosbrugger will als Präsident der Polytechnischen Gesellschaft Diskussionen fördern.

In Frankfurt ist Volker Mosbrugger längst kein Unbekannter mehr. Seit 2005 ist er bei der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung tätig und übernahm 2009 sogar die dortige Generaldirektion. Seit November ist er darüber hinaus der Präsident der Polytechnischen Gesellschaft. Dass er an beiden Institutionen gleichzeitig tätig ist, stellt für ihn keinen Widerspruch dar. „Ich bin ein erfahrener Manager, der gut delegieren kann“, sagt der 65-Jährige. In zwei Jahren wird er bei der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung ausscheiden.

In seiner Rolle als Präsident der Polytechnischen Gesellschaft sieht er vor allem drei große Herausforderungen: die Globalisierung, die fortschreitende Zerstörung der Erde und die Wissenschaft. Alle drei Themen beschäftigen die Menschen, aber überfordern auf der anderen Seite auch. „Die Wissenschaft ist mittlerweile so komplex geworden, dass die Menschen außerhalb der Fachgebiete vieles nicht mehr verstehen.“ Genau da möchte Mosbrugger mit der Polytechnischen Gesellschaft ansetzen. Denn seit jeher klären die Polytechniker auf.

„Die Aufklärung wird uns stark beschäftigen“, sagt der Präsident. Man wolle selbst gestalten und mit den Menschen über Vortragsreihen kommunizieren. Bei der im Februar startenden Reihe wird es erstmals ein übergeordnetes, einheitliches Thema geben: „Religion, Staat, Aufklärung“. Ein Thema, das durchaus für Kontroversen sorgen könnte. „Es gibt unterschiedliche Vorstellungen wie ein Staat mit Religion umgehen soll“, sagt Mosbrugger. Scheuen wolle die Polytechnische Gesellschaft das konfliktreiche Thema aber nicht – ganz im Gegenteil. „Ich hoffe, dass intensiv diskutiert und auch vernünftig gestritten wird“, hofft der neue Präsident.

In gewisser Weise sei das Ganze aber auch ein Experiment, ob eine vernünftige Diskussion ohne emotionale Befindlichkeiten zu einem solchen Thema möglich ist. „Am Ende wollen wir diesmal auch gerne ein Fazit zu dem Thema ziehen.“ Trotz aller Konfliktzonen wolle man nach Lösungen für eine zukunftsorientierte und einträchtige Gesellschaft suchen.

Die Vortragsreihe soll aus zehn Diskursen im Zeitraum von Februar bis Mai bestehen. Der Auftakt ist am 5. Februar um 19 Uhr im Vortragssaal der Frankfurter Sparkasse, Neue Mainzer Straße 49. Dann spricht Rudolf Steinberg über den Weg zu einem deutschen Islam. Der ehemalige Präsident der Goethe-Uni wird darauf eingehen, wo Muslime in der deutschen Rechtsordnung verortet sind. Eine Woche später setzt Mouhanad Khorchide die Diskussion fort und thematisiert eine zeitgenössische islamische Theologie sowie ein notwendiges Bestreben zur Barmherzigkeit.

An den darauffolgenden acht Terminen widmen sich die Referenten beispielsweise der Frage, ob Wissenschaft die neue Religion ist, ob man über Religion spotten darf oder ob es Religion heute überhaupt noch braucht. Bei der letzten Frage werden zwei Zweier-Teams mit Pro und Contra argumentieren. Am Ende der Debatte soll das Duo gekürt werden, welches das Publikum am meisten überzeugen konnte. 

Abgerundet werden die Abende mit Vorträgen über den Israel-Palästina-Konflikt, über James Cook und über die Evolution der Religion. Der Eintritt zu allen Vorträgen ist frei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Unterstützt wird die Reihe von der Frankfurter Sparkasse, dem HR, der Goethe-Uni sowie dem Kuratorium Kulturelles Frankfurt und dem Kunstgewerbeverein. Informationen zum Programm gibt es im Internet unter www.polytechnische.de

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