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Auf der Bühne von links: Moderatorin Bascha Mika, Schriftsteller Matthias Politycki, Verlegerin Antje Kunstmann und Autorin Jagoda Marinic.
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Auf der Bühne von links: Moderatorin Bascha Mika, Schriftsteller Matthias Politycki, Verlegerin Antje Kunstmann und Autorin Jagoda Marinic.

Frankfurter Buchmesse

Debatte über „Cancel Culture“: Gendern und die (un)freie Sprache

  • Stefan Simon
    VonStefan Simon
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In der Festhalle wird diskutiert, welche Auswirkungen identitätspolitische Ansprüche auf die Sprache und Literatur haben.

Frankfurt - Cancel Culture. Immer wieder taucht der Begriff in Debatten auf. Ein Begriff, der den Versuch bezeichnet, ein vermeintliches Fehlverhalten, beleidigende oder diskriminierende Aussagen oder Handlungen – häufig von Prominenten – öffentlich zu ächten.

Ein Begriff, der zur diesjährigen Frankfurter Buchmesse passt sowie zur Kritik einiger darüber, dass rechtsextreme Verlage ausstellen dürfen. Aus dem Grund haben Autorinnen und Autoren ihren Auftritt abgesagt und in den sozialen Medien, allen voran auf Twitter, wird wild diskutiert.

Diskussion über Cancel Culture: „Gelte ich als rechts, wenn ich nicht gendere?“

Cancel Culture war auch das Thema auf der ARD-Buchmessenbühne in der Festhalle. Auf dem Podium zur Diskussion „Schreiben und Cancel Culture - Ist die Kunstfreiheit in Gefahr? Welche Auswirkungen haben identitätspolitische Ansprüche auf die Sprache und Literatur?“, saßen die Autorin Jagoda Marinic, der Schriftsteller Matthias Politycki und die Verlegerin Antje Kunstmann.

Zu Beginn der Diskussion las Moderatorin Bascha Mika aus der Rede von Antje Rávik Strubel, der Gewinnerin des diesjährigen Deutschen Buchpreises, vor. „Sobald ich anfange, über Sprache als ästhetischen Spielplatz nachzudenken, übertönt mich Gezerre und Gezeter, und ich lande mitten in einem furchtbaren Krieg, dem Krieg, der heute verbissen um Benennungen und Bezeichnungen geführt wird.“ Gelte ich als rechts, wenn ich nicht gendere? Darf ich denn noch Bücher über Indianer schreiben? Ist es in Ordnung, wenn Weiße Gedichte von Schwarzen übersetzen?

Gendern als gesellschaftliche Bewegung

Matthias Politycki kann sich den Worten von Strubel nur anschließen und sagte, dass „diese Art von Sprachpolizei“ nicht länger einen Platz in der Debatte einnehmen dürfe. Für ihn sei politische Korrektheit als Linker wichtig, dennoch müsste es weiter in Ordnung sein, wenn in Büchern das Wort Indianer vorkomme. „Ich habe diese Bücher als Kind verschlungen und sie weckten bei mir den Durst, andere Kulturen kennenzulernen.“ Politycki positioniert sich auch gegen das Gendern. „Gendersensible Sprache ist inkorrektes Deutsch. Ich frage mich, welcher Schriftsteller inkorrektes Deutsch abliefern kann.“ Auch auf welchem Niveau heutzutage über dieses Thema diskutiert werde, sei dem intellektuellen Niveau unwürdig. Wer nicht gendern wolle, werde schnell in die rechte Ecke gesteckt. „Wir müssen das vernünftige Gespräch wieder lernen“, sagt er.

Marinic zeigt sich hierzu etwas verständnisvoller. „Ich gendere auch nicht, weil ich es unschön finde“, sagte sie. Auch sie habe auf Twitter Diskussionen darüber geführt. Wer nicht gendere, bekomme schnell den Stempel aufgedrückt, nicht liberal zu sein. „Gendern ist kein natürlicher Wandel, sondern dahinter steckt eine gesellschaftliche Bewegung, die sich für Veränderungen einsetzt. Es ist auch ihre Freiheit“, sagte Marinic.

Darauf erwiderte Kunstmann, dass es in der Sprache Regeln gebe und Veränderungen der Grammatik durch die Rechtschreibreform durchgezogen wurden. „Der Empörungssturm durch die neuen Medien, Aufrufe zu Boykott - das ist nicht gut, deswegen sitzen wir hier und reden.“

Cancel Culture und die Bedrohung der Kunstfreiheit

Zum Ende der Diskussion stellt Bascha Mika eine letzte Frage. „Wann ist die Kunstfreiheit bedroht?“ Politycki, der nochmals betont, dass er aus der gleichen linken Ecke käme, erkennt durch die linke identitätspolitische Debatte einen Tendenz zum Autoritären. „Für mich ist die Kunstfreiheit bedroht. Zur Meinungsfreiheit gehört auch, die Meinung anderer zu akzeptieren.“

Kunstmann hält sich kurz und knapp: „Die Kunstfreiheit könnte bedroht sein.“ Marinic dagegen sieht keine Bedrohung. „Widerspruch und Kritik sind kein Verbot, sondern der Beginn einer Auseinandersetzung. Wir sind in der Debatte übersensibel geworden.“ (Stefan Simon)

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