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Die Bühnen im historischen Gewand (Bildmitte): nur eine Simulation.

Städtische Bühnen

Kritik an Hartwig: „Bastelbude Bühnen“

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Aktionsgemeinschaft Schauspielhaus fürchtet drangvolle Enge und zu hohe Kosten durch Pläne der Frankfurter Kulturdezernentin.

Mit scharfer Kritik reagiert die Aktionsgemeinschaft Schauspielhaus auf das jüngste Hintergrundgespräch von Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) zur Zukunft der Städtischen Bühnen. Frankfurt drohe „eine dauerhafte Bastelbude mit eingebauter Kostenfalle“. Hartwig hatte erklärt, die Bühnen von Oper und Schauspiel samt der Zuschauerräume und der Obermaschinerie der Oper könnten erhalten bleiben – um sie herum solle ein Neubau am Willy-Brandt-Platz entstehen.

Die Aktionsgemeinschaft, die für einen Wiederaufbau des alten Schauspielhauses von 1902 am Brandt-Platz eintritt, argumentiert, die nötige Bruttogeschossfläche für ein modernes Opernhaus und ein modernes Schauspiel ließen sich auf dem heutigen Grundstück am Brandt-Platz nicht darstellen.

Wenn die Stadt daran festhalte, Oper und Schauspiel auch künftig dort unterzubringen, drohe „erneut eine drangvolle Enge“.

Zweifel an Hartwigs Zahlen 

Die Bürgerinitiative bezweifelt auch, dass sich die Baukosten mit der von Hartwig skizzierten Lösung tatsächlich auf 500 Millionen Euro drücken ließen. Zu der halben Milliarde kämen mindestens noch 100 Millionen Euro für ein Logistikzentrum hinzu, in dem Probebühnen und Werkstätten zusammengefasst werden sollen.

Weitere Kosten entstünden durch die notwendigen Interimslösungen für beide Bühnen während der Bauarbeiten. Sie müssten mit 80 Millionen Euro kalkuliert werden.

Eine temporäre Spielstätte an der Peripherie der Stadt könne dazu führen, dass dauerhaft Besucher abwanderten. Außerdem bedeuteten ausgelagerte Werkstätten nur einen Mehraufwand an Logistik, der wiederum Geld koste.

Aktionsgemeinschaft will mitreden 

Die Aktionsgemeinschaft fordert von der Stadt, dass sie gemeinsam mit der Stiftung für ein privates Opernhaus jetzt endlich in ein Beratergremium der Kommune aufgenommen wird. Es gelte, Bürgerengagement endlich zu respektieren und anzunehmen.

Geschehe das nicht, werde „die Kluft zwischen Kommunalpolitik und Bürgern“ weiter wachsen. Die Initiatve führt als Beleg die „desaströsen Ergebnisse“ der Volksparteien bei den jüngsten Europawahlen an.

Harte Worte gegen die Kulturdezernentin  

Das Hintergrundgespräch von Kulturdezernentin Hartwig hatte zu scharfem Widerspruch bei CDU und Grünen im Römer geführt. Beide bemängelten, dass die Sozialdemokratin sich nicht mit ihnen abgesprochen habe. Auch habe Hartwig vor der CDU-Fraktion im Römer etwas völlig anderes berichtet als vor den Journalisten.

In der Lenkungsgruppe der Stabsstelle Städtische Bühnen, der neben Hartwig auch Bürgermeister Uwe Becker (CDU), Baudezernent Jan Schneider (CDU) und Personaldezernent Stefan Majer (Grüne) angehören, sollen bei der jüngsten Sitzung harte Worte gefallen sein. Wegen der verheerenden Außenwirkung kamen die Fraktionen der Römer-Koalition aber überein, den Streit nicht öffentlich fortzusetzen. 

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