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Wenn der Hund Gassi muss, kann es zu Komplikationen kommen. (Symbolbild)
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Wenn der Hund Gassi muss, kann es zu Komplikationen kommen. (Symbolbild)

Frankfurt

Prozess in Frankfurt: „Hure und so“ - Multikulti-Geschichten aus dem Treppenhaus

  • Stefan Behr
    VonStefan Behr
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Das Amtsgericht in Frankfurt versucht redlich, ein multikulturelles Tohuwabohu zu entwirren.

Frankfurt am Main - Alle Menschen sind Ausländer. Fast überall. Besonders aber in einem Mehrparteienhaus in Frankfurt Rödelheim, in dem auch eine Arztpraxis untergebracht ist. Am 7. Dezember 2020, so formuliert es der Amtsrichter am Montagnachmittag, „rasseln dort verschiedene Kulturen aneinander“.

Gegen 16.15 Uhr, so die Anklage, will die 60 Jahre alte Frau L. dort mit ihrem Hund aus Gassi-Gründen die Treppe hinab, findet diese aber von Frau R. und Frau A., die vor der Praxis warten, versperrt. Sie fordert die beiden auf, gefälligst draußen zu warten, diese verweigern das Ansinnen mit Hinweis auf die Dezemberkälte. L. zeigt ihnen daraufhin den Mittelfinger, züchtigt sie mit der Hundeleine und brüllt „Ausländer raus! Ausländer sind dumm!“ R. und A. fühlen sich durch die Worte beleidigt.

Prozess vor dem Frankfurter Amtsgericht: Das Treppenhaus zu Babel

Wenn dem so war, grenzt das an ein Pfingstwunder, denn sämtliche Beteiligten sprechen und verstehen fast kein bis gar kein Deutsch. Die Kasachin L. macht dieses Manko durch Lautstärke mehr als wett. Zudem hat ihr das Gericht einen Dolmetscher besorgt, der übersetzt, dass Frau L. alle Vorwürfe leugnet.

Die 43-jährige Portugiesin R. spricht noch weniger Deutsch, hat aber keinen Dolmetscher zur Seite. Nachdem der Richter mehrmals gefragt hat, mit welchen Worten sie beleidigt worden sei, antwortet R. „Hure und so“. „Sie wurden als Hurensohn beleidigt?“, fragt der Richter nach. „Uhren?“, kontert R. mit einer Gegenfrage. Der Amtsrichter wirkt plötzlich sehr müde. Aber an Schlaf ist nicht zu denken: Frau L. fängt aus unerfindlichen Gründen an, laut zu feixen, im Zuschauersaal klingelt das Handy ihres Mannes, und zudem meldet sich eine Begleiterin R.s zu Wort, die des Deutschen mächtig ist und auch gerne etwas zur Sache sagen würde, es aber nicht darf.

Prozess vor dem Frankfurter Amtsgericht: Sprachenwirrwarr trotz Dolmetscher

Frau A., 41 Jahre alt und aus Pakistan, spricht am wenigsten Deutsch. Das teilt ihre Freundin mit, die sie begleitet und sich selbst als Dolmetscherin anbietet, was aber so nicht geht. Das Gericht versucht es erst einmal ohne Übersetzung und bittet A., so gut es gehe zusammenzufassen, was an jenem Tag geschehen sei. „Diese Tag viele kalt, viele rach, viele blibli und dann Rabidala und Polizia“, erinnert sich A., worauf das Gericht beschließt, dass ein Dolmetscher doch hilfreich sein könnte. Nach einer Dreiviertelstunde kommt dann auch einer, aber viel verständlicher werden die Aussagen nicht.

„Gott wird sie für ihre Lügen strafen!“, prophezeit L. mit Blick auf R. und A. in ihrem gedolmetschten letzten Wort. Der Amtsrichter straft L. wegen Beleidigung und Körperverletzung mit 90 Tagessätzen à 30 Euro. Die Verbalinjurien sind vom Tisch, denn „umfassende sprachliche Barrieren“ machten die Beweisführung unmöglich. Aber Mittelfinger und Hundeleine sprächen für sich, würden weltweit bestens verstanden. Was immer sich im Treppenhaus abgespielt habe, urteilt der Richter beachtlich salomonisch, es sei zumindest seitens der Angeklagten „nicht die feine englische Art“ gewesen. (Stefan Behr)

Unlängst kam es dem Amtsgericht Frankfurt zum Prozess gegen den Mann, der den Direktor des Architekturmuseums abwatschte: Gelogen, gebissen und zugeschlagen

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