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Der Gorilla trommelt sich im Paragrafen-Dschungel auf die Brust. Martin Glomm
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Der Gorilla trommelt sich im Paragrafen-Dschungel auf die Brust. Martin Glomm

Frankfurt

Das Tier im Paragrafen-Dschungel

  • Meike Kolodziejczyk
    VonMeike Kolodziejczyk
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Roland Schimmel hat ein Buch über „Juristendeutsch“ geschrieben, Martin Glomm hat es illustriert. Am Mittwoch halten sie einen Vortrag an der Frankfurt University of Applied Sciences.

Regeln und Gesetze stehen geschrieben, Urteile werden gesprochen, um Recht und Gerechtigkeit wird gestritten. Die Juristerei ist ein wahrer Hort der Wortgewalt. Gewaltig auch deswegen, weil ihre Worte zuweilen unverständlich sind. Verschwurbelte Phrasen, lange Schachtelsätze, dazu „Substantivitis, Juristenlatein und eine gehörige Portion an Ausdrücken aus dem 19. Jahrhundert“, attestiert Roland Schimmel der Sprache, die seine Zunft der Menschheit zumutet. Und „diese Disziplinlosigkeit“ stört ihn schon lange.

Deswegen hat der Professor, der an der Frankfurt University of Applied Sciences (UAS) Wirtschaftsprivatrecht und Bürgerliches Recht lehrt, ein Buch zum Problem verfasst. „Juristendeutsch?“ behandelt die mitunter wundersamen Auswüchse des juristischen Fachjargons und will helfen, sie zu bändigen und zu entwirren. Es ist eigentlich ein Übungswerk für Studierende, eigne sich aber auch „für Laien, die an den Kuriositäten der Rechtsprechung und des Behördendeutschs interessiert sind“. Und wer musste noch nicht über deren Formulierungen staunen?

Vortrag über „Juristendeutsch“

„Verständlichkeit ist keine Schande“ ist der Titel der Veranstaltung von Roland Schimmel und Martin Glomm am Mittwoch, 6. Oktober, in der Frankfurt UAS, Nibelungenplatz 1. Für Studierende geht es los um 18 Uhr in Raum 4-410, für Gäste um 18.30 Uhr auf der Empore in Gebäude 4.

Gäste sollten sich anmelden unter: schimmel@fb3.fra-uas.de myk

Tatsächlich ist über die Stilblüten der „Juristenprosa“ schon viel geschrieben, geklagt und gelacht worden. Doch Roland Schimmel will, dass sich auch etwas ändert, dass wenigstens der Jura-Nachwuchs es einmal besser macht. Es gehe um Verständlichkeit, nicht darum, mit „killer-komplizierten Satzkonstruktionen einen auf dicke Hose zu machen“. Man ahnt es längst: Das Buch soll „bei aller Belehrung auch ein bisschen lustig sein“. Das war es schon in seiner ersten Auflage, in der zweiten hat Schimmel noch eine Schippe draufgelegt: Er hat „Juristendeutsch?“ illustrieren lassen, von Martin Glomm, grafischer Redakteur der Frankfurter Neuen Presse. Als solcher sei er „immer auf dem Grat zwischen Sprache und Bild unterwegs“, sagt Glomm. Er arbeite gern mit anderen Disziplinen zusammen und habe sich sehr über das Projekt mit Schimmel gefreut. Beim munteren Ideen-Pingpong hätten sie beide „tierischen Spaß“ gehabt, ganz im Sinne des Wortes.

Fast 250 verbale Entgleisungen aus Gesetzestexten, Gerichtsurteilen, Fachzeitschriften, Aufsätzen und Verwaltungsakten hat Schimmel in „Juristendeutsch?“ gesammelt. Inmitten der Beispiele und Textpassagen taucht nun allerhand Getier auf, immer kombiniert mit Paragrafenzeichen in unterschiedlichen Typografien. „Menschliches Verhalten wird gern in Tiermetaphern ausgedrückt“, begründet Glomm die Motive. Und da waren zunächst die „Angeber-Tiere“ am Zug. Der Gorilla, der sich im Paragrafen-Dschungel auf die Brust trommelt; der Löwe, der mit dem Gesetz spielt wie die Katze mit dem Wollknäuel; der Pfau, der eitel gockelt, allzeit bereit, die Schwanzfedern zu spreizen: Ein Schelm, wer dabei an das Gebaren einiger Anwälte und Richter denkt.

Doch das Buch dreht sich freilich nicht nur um „dicke Hosen“, sondern vor allem um das Dickicht des juristischen Fachsprechs. Da stelzt der Storch im Paragrafensumpf, da flutscht der Fisch durch Gesetzeslücken, dass manch einer zum Hirsch wird. Glomm hat sich für die Illustration außerdem an Wappentieren orientiert, weil diese oft in behördlichen Schreiben verwendet werden, „etwa auf Strafzetteln“. Diese Darstellung von „Macht und Autoritätspräsentation“ mache die Sache zusätzlich „spannend“, sagt Schimmel.

„Unverständliche Sprache ist darauf angelegt, Widerspruch zu ersticken“, sagt Glomm. Und sie sei „für den Staat an sich gefährlich, denn die Akzeptanz von Justiz hat auch damit zu tun, dass sie nachvollziehbar bleibt“. Unter dem Titel „Verständlichkeit ist keine Schande“ halten er und Schimmel am Mittwoch einen Vortrag anhand des Buches, das insofern besonders ist, weil „Juristen ihre Bücher nicht illustrieren“, sagt Schimmel. „Das sind alles Bleiwüsten.“ Der UTB-Verlag zeigte sich aufgeschlossen für das Projekt, das ursprünglich nur fünf Grafiken vorsah. Nun zieren zwei Dutzend Schwarz-Weiß-Bilder die Seiten, vom Umschlag bis zum Stichwortverzeichnis. „Wir hätten das ja gern farbig gemacht“, sagt Schimmel. Aber das war anderen dann doch zu bunt.

Der Pfau ist allzeit bereit, eitel sein Gewand zu sprteizen. Martin Glomm
Es stelzt der Storch im Parapgreafen-Sumpf. Martin Glomm

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