Beschlüsse

„Das lassen wir uns nicht gefallen“

  • Claus-Jürgen Göpfert
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Frankfurter Reaktionen aus Wirtschaft und Kultur auf die neuen Corona-Beschränkungen. Oberbürgermeister Peter Feldmann: An einem Strang ziehen.

Strengere Kontaktbeschränkungen, kein Vereinssport, für vier Wochen geschlossene Restaurants, Bars, Kneipen und Theater: Das hat die Bundeskanzlerin gestern gemeinsam mit den Ministerpräsident:innen beschlossen. In Frankfurt ist das Entsetzen groß.

„Das ist der Todesstoß für die Gastronomie“, sagt Madjid Djamegari, Vorsitzender der Initiative Gastronomie Frankfurt und Geschäftsführer des „Gibson Clubs“. Der Branche gehe es schon jetzt schlecht. Man merke, dass die Menschen wieder Angst hätten, viele wieder im Homeoffice seien. „Wir verzeichnen wieder ein Minus von 50 Prozent.“

Djamegari ist anzuhören, wie sauer er ist. „Das ist Aktionismus pur und ergibt überhaupt keinen Sinn“, sagt er. Die Gastronomen hätten viel Geld in ihre Läden gesteckt, in Luftfiltergeräte investiert und die Hygieneregeln umgesetzt. „Restaurant, Bar und Co. sind sichere Orte“, sagt der Gastronom. Den Politikern wirft er vor, viel zu spät zu reagieren. „Dieses undemokratische Vorgehen werden wir uns auf gar keinen Fall gefallen lassen“, sagt Djamegari. „Wir werden dagegen nicht nur juristisch, sondern auch lautstark vorgehen.“

Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) appellierte: „Wenn wir jetzt alle an einem Strang ziehen, können wir das Virus eindämmen.“ Der OB mahnte eindringlich: „Machen Sie mit, schützen Sie durch Ihren Verzicht die Schwächsten unserer Gesellschaft, die Alten und Kranken, für die Corona eine tödliche Bedrohung ist.“ Das Signal der Stadt sei schon in den zurückliegenden Wochen eindeutig gewesen: „Die Party ist vorbei, wir müssen die Infektionsketten durchbrechen.“

„Das ist bitter“, sagt Michael Quast, Intendant der Frankfurter Volksbühne. Gerade erst habe man wieder angefangen zu spielen, vor immerhin 100 Zuschauen. Jetzt soll das schon wieder vorbei sein. „Das ist unfair“, sagt Quast. „Theater sind sicherer als andere Orte, an denen viele Menschen aufeinandertreffen.“ Man habe gute Erfahrungen mit den getroffenen Hygienekonzepten gemacht. „Aber es nutzt ja nichts zu jammern. Wir können es eh nicht ändern“, sagt Quast. „Wir schauen nach vorne.“

Betroffen ist auch der Einzelhandel, es gelten strengere Beschränkungen der Kundenzahl. „Das wird kritisch“, sagt Joachim Stoll, Vorsitzender des Frankfurter Einzelhandelsverbands, der schon seit Montag beobachtet, dass immer weniger Menschen in die Stadt kommen. „Die Leute haben wieder Angst“, sagt Stoll. Er rechnet damit, dass sich vor den Lebensmittelgeschäften wieder lange Schlangen bilden werden.

Roland Frischkorn, der Vorsitzende des Sportkreises Frankfurt, sieht das Verbot des Vereinssports als fatal an: „Den Breitensport runterzufahren, ist das Falscheste, was man machen kann.“ Besonders ältere Menschen müssten darunter leiden, weil sich ihre Muskeln und ihre Widerstandskraft abbauten.

Die wichtige Sieben-Tage-Inzidenz, die anzeigt, wie viele Menschen pro 100 000 Einwohner sich binnen einer Woche mit dem Coronavirus infiziert haben, lag gestern bei 216,8. Insgesamt wurden seit Ausbruch der Pandemie 7105 Frankfurter positiv auf Sars-CoV-2 getestet. 94 Menschen sind an den Folgen der Lungenerkrankung gestorben. 4896 Frankfurter gelten bereits wieder als genesen. 2115 Menschen haben noch mit den Symptomen zu kämpfen und gelten noch als infektiös.

Eine erneute Schließung der Theater in Frankfurt „wird die Existenz vieler freier Künstler massiv gefährden“: Das erwartet Winfried Becker, der Leiter des Gallus-Theaters an der Kleyerstraße. „Wir wollen nicht zumachen, wir wollen weiter spielen.“ Das Gallus-Theater sei ein „total sicherer Ort“, sagt er und fügt hinzu: „Wir sind supervorsichtig.“ Das Publikum sei „süchtig nach Live-Performance“.

Die Fastnachtssaison, die am 11. November beginnt, wird in Frankfurt stark reduziert. Der Corona-Krisenstab der Stadt geht davon aus, dass der Umzug ausfallen muss, ebenso die Saalfastnacht in geschlossenen Räumen.

Die Städtischen Bühnen rechnen damit, dass sie wieder schließen müssen. „Wenn es zu einem erneuten Lockdown kommt, hoffen wir, dass er auf den November beschränkt bleibt“, sagt Schauspiel-Sprecherin Sandra Strahonja. Wichtig sei außerdem, dass der Probenbetrieb weiterlaufen könne. Im November stehen eigentlich drei Premieren im Schauspiel an.

„Für die Branche ist das ein Schlag“, sagt Christopher Bausch, der Betreiber der Programmkinos „Cinema“ und „Harmonie“ in Frankfurt. Gerade jetzt gebe es im Bereich der Arthouse-Filme eine „große Vielfalt“ im Angebot. „Die Filme sind da“, sagt Bausch. Und auch die Menschen kämen und nutzten die geringe Zahl von Sitzplätzen, die die Kinos bieten könnten. Eine erneute Schließung der Kinos zerstöre auch noch diesen kleinen Erfolg.

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