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„Das ist um Welten besser“

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Menschen aus Frankfurt erzählen, was sich mit einem höherenMindestlohn für sie verändert / Gewerkschaften sehen Luft nach oben

Die Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns auf zwölf Euro pro Stunde zum kommenden Oktober sehen die Menschen, die davon betroffen sind, als überfällig an. Das berichtet eine Verkäuferin aus einem Frankfurter Modegeschäft, die anonym bleiben möchte: „Es ist schon hart, der Mindestlohn gerade, das ist schon wenig dafür, dass man viel arbeitet.“ Sie findet den derzeitigen Mindestlohn viel zu gering, „gerade für Deutschland und gerade mit der Inflation von vier, fünf Prozent. Das sieht man ja auch an den Preisen beim Essen oder im Supermarkt, die momentan steigen.“ Auf die geplante Erhöhung auf zwölf Euro freue sie sich deshalb, dann könne sie nämlich „endlich mehr beiseite legen“.

„Ich kann dann mehr für meine Zukunft machen, endlich den Führerschein zum Beispiel“, sagt der Verkäufer einer Bäckerei am Hauptbahnhof zu seinen Plänen bei einer Gehaltserhöhung. Den Mindestlohn, den er gerade erhält, sieht er ebenfalls als zu gering an: „Ich komme damit nicht gut zurecht, es ist einfach zu wenig. Aber zwölf Euro – das ist um Welten besser.“

Die geplante Erhöhung soll zwar erst im Oktober vonstatten gehen, doch was sie bewirken kann, macht die Geschichte des Frankfurter Fahrers einer großen Lieferkette deutlich, der ebenfalls nicht genannt werden möchte: „Bis letztes Jahr habe ich Vollzeit für den Mindestlohn gearbeitet, jetzt habe ich meinen Job gewechselt und verdiene zwölf Euro die Stunde.“ Dieser Gehaltsunterschied habe sein Leben verändert, sagt er: „Mittlerweile arbeite ich nur noch halbtags, da ich ja mehr verdiene als vorher. Deswegen kann ich jetzt sogar weiterstudieren.“

Diese Fälle zeigen, was die Erhöhung des Mindestlohns für die betroffenen Menschen bedeuten kann. Doch nicht nur auf sie werde sich ein steigender Mindestlohn positiv auswirken, sagt der Regionalleiter Rhein-Main der IG BAU, Hans-Joachim Rosenbaum: „Diese Erhöhung kann unsere ganze Wirtschaft positiv beeinflussen. Denn diese Menschen können meist nichts zurücklegen und geben ihr Geld deshalb aus.“ Die Erhöhung des Mindestlohns bewirke eine Kaufkraftsteigerung von zehn Milliarden Euro, sagt Rosenbaum und beruft sich auf Zahlen des Pestel-Instituts. „Damit haben wir zeitgleich ein Konjunkturprogramm.“

Als „Gamechanger“ bezeichnet der Geschäftsführer der Gewerkschaft NGG Rhein-Main, Peter-Martin Cox, die geplante Erhöhung des Mindestlohns: „Sie wird dem Fachkräftemangel entgegen wirken und hat auch bei der Verhandlung von Tarifverträgen im Gaststättengewerbe geholfen.“ Trotzdem sieht er weiterhin Bedarf: „Es muss zukünftig noch mehr getan werden.“

Das Gleiche beschreibt auch Rosenbaum: „Wir haben in unserem Land eine soziale Schieflage und der Mindestlohn hilft, diese zu mindern. Zwölf Euro die Stunde sind zwar besser als vorher, aber damit kann man natürlich trotzdem noch keine großen Sprünge machen. Denn es reicht nicht, um eine auskömmliche Rente zu erzielen oder um in einer Stadt wie Frankfurt wohnen und leben zu können.“ (Kim Brückmann)

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