1. Startseite
  2. Frankfurt

Das Imperium ist entzückt

Erstellt:

Von: Stefan Behr

Kommentare

 Mitten im Umbau befindet sich der zukünftige Sicherheitssitzungssaal 146 am Justizstandort Frankfurt. Bei einem Presserundgang zusammen mit dem hessischen Finanzminister Boddenberg (CDU) und Justizminister Poseck (CDU) wurde der Baufortschritt erläutert.
16.01.2023, Hessen, Frankfurt/Main: Mitten im Umbau befindet sich der zukünftige Sicherheitssitzungssaal 146 am Justizstandort Frankfurt. Bei einem Presserundgang zusammen mit dem hessischen Finanzminister Boddenberg (CDU) und Justizminister Poseck (CDU) wurde der Baufortschritt erläutert. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ © dpa

Zwei begeisterte Minister versprechen beim Besuch der Baustelle des neuen Premiumsaals des Landgerichts, dass das nur ein Anfang sei

Es ist immer noch so wie vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxie: Wenn der Imperator vorbeischaut, um sich persönlich vor Ort von den Fortschritten beim Bau des Todessterns zu überzeugen, dann ist das auch ein Pflichttermin für die Lokalpresse. Allerdings wäre Hessens Justizminister Roman Poseck (CDU) beim Besuch der Baustelle des Hochsicherheitssaals 164 A am Landgericht ohnehin nicht alleine gewesen, dafür hatte er am Montag ja Finanzminister Michael Boddenberg (auch CDU) mitgebracht.

Noch sieht da alles ein bisschen nach Baustelle aus. Aber im Herbst, verspricht Thomas Platte, Direktor des Landesbetriebs Bau und Immobilien Hessen, entsteht hier eine schöne neue Justizerlebniswelt mit Platz für sieben Richter, acht Ankläger, 30 Angeklagte nebst Verteidigern und rund 100 Zuschauer:innen. Die sollen sogar im Gegensatz zu den momentan genutzten Hochsicherheitssälen hören können, was da vor sich geht, wofür neumodische Gimmicks wie „Akustikplatten“ sorgen sollen. Schusssichere Glasfenster schützen vor eventuellen Rebellen-Angriffen, Luftfilter sorgen für angenehmes Raumklima. Auch die wunderschöne Stuckdecke des alten Saales wird wieder zu sehen sein, die ungenannte Kulturbolschewisten irgendwann in den 50ern hinter einer Abdeckung versteckt hatten. Etwa acht Millionen Euro soll der ganze Spaß kosten, am Ende wird es natürlich deutlich teurer werden.

Dass das kein 'rausgeschmissenes Geld ist, weiß Poseck, der erst vor wenigen Monaten zur dunklen Seite der Macht gewechselt und zuvor hochrespektierter Präsident des Frankfurter Oberlandesgerichts war, aus eigener Erfahrung. Die beiden derzeitigen Hochsicherheitssäle I und II in Gerichtsgebäude E sind lichtlose Mahnmale des Innenbrutalismus und so abschreckend, dass sich offensichtlich auch Reinigungsfachkräfte weigern, sie zu betreten. Im „Vorzeige-Hochsicherheitssaal“ 165 C ist die Akustik lausiger als in der Festhalle. In allen dreien bricht regelmäßig die Elektrik zusammen. Und es riecht ungut.

Anfang 2024 soll Gerichtsgebäude C samt Saal 165 abgerissen und neugebaut werden - der Startschuss für die Gesamtsanierung des maroden Gerichtsviertels. 146 A soll ihn in dieser Zeit ersetzen. Danach sollen die anderen Gerichtsgebäude saniert werden. Die betroffene Belegschaft wird während der Arbeiten in einem für zwölf Jahre angemieteten Interimsgebäude in Niederrad untergebracht. Den Anfang macht die Staatsanwaltschaft, die damit für kommende Razzien beim DFB einen deutlich kürzeren Dienstweg haben wird.

Ein „starker Rechtsstaat“ lebe laut Poseck aber nicht von Räumen allein, und so verweist der Justizminister auf die geplante Aufstockung der hessischen Justiztruppen um 477 Stellen, „ein erheblicher Teil davon in Frankfurt“. Das neue Gerichtsviertel soll also nicht nur viel schöner, sondern auch viel voluminöser werden. Alleine Gerichtsgebäude C wird von 7350 auf 16 000 Quadratmeter Nutzfläche aufgepumpt.

Bis dahin ist noch viel zu tun, nicht nur baulich. Das wird deutlich, als Poseck vor Beginn der Baustellenbesichtigung den zahlreichen Medienmenschen verspricht, dass alles schöner, besser, größer wird. Er tut dies vor einer Tür, über der in verwitterten Lettern die kryptische Botschaft „U OR RAU SCH RGE IC A 146“ steht. Gerichtsarchäologen haben rekonstruiert, dass dort in grauer Vorzeit der Hinweis „Zuhörerraum Schöffengericht A 146“ Besuchenden den rechten Weg wies. Wenn die Arbeiten beendet sind, ist dieser Hinweis hoffentlich gegendert.

16.01.2023, Hessen, Frankfurt/Main: Im Umbau befindet eines der historischen Gerichtsgebäude am Justizstandort Frankfurt. Bei einem Presserundgang zusammen mit dem hessischen Finanzminister Boddenberg (CDU) und Justizminister Poseck (CDU) wurde der Baufortschritt erläutert. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa/Frank Rumpenhorst/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
16.01.2023, Hessen, Frankfurt/Main: Im Umbau befindet eines der historischen Gerichtsgebäude am Justizstandort Frankfurt. Bei einem Presserundgang zusammen mit dem hessischen Finanzminister Boddenberg (CDU) und Justizminister Poseck (CDU) wurde der Baufortschritt erläutert. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa/Frank Rumpenhorst/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ © dpa

Auch interessant

Kommentare