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Susanne Haus in ihrem neuen Büro: Dort wird die neue Präsidentin der Handwerskammer künftig viel Zeit verbringen.
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Susanne Haus in ihrem neuen Büro: Dort wird die neue Präsidentin der Handwerskammer künftig viel Zeit verbringen.

Susanne Haus im Porträt

„Das Handwerk ist meine Leidenschaft“

  • Helen Schindler
    vonHelen Schindler
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Die Maler- und Lackierermeisterin Susanne Haus ist die erste Frau an der Spitze der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main.

In den vergangenen 120 Jahren, seit ihrer Gründung im Jahr 1900, stand stets ein Mann an der Spitze der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main. Doch dann kam Susanne Haus. Mit nur einer Gegenstimme ist die Maler- und Lackierermeisterin und Restauratorin aus Bischofsheim in der vergangenen Woche von der Vollversammlung zur Nachfolgerin von Bernd Ehinger gewählt worden.

Betrachtet man Haus‘ bisheriges Leben, könnte man die Position als Präsidentin wohl als den nächst logischen Schritt auf der Karriereleiter bezeichnen. Doch der 48-Jährigen geht es nicht um die ganz große Karriere. Vielmehr brennt sie einfach für das, was sie tut. „Das Handwerk ist mein Ding, mein Beruf, meine Leidenschaft“, sagt sie.

Und wenn man so will, hat sie nie etwas anderes gekannt: 1933 gründete ihr Großvater einen Malerbetrieb in Bischofsheim, seit den 70ern war der Vater von Susanne Haus dabei. Doch für sie selbst stand nicht zwangsweise fest, in den Familienbetrieb einzusteigen. Sie machte zunächst das Abitur und erwog im Anschluss sogar, ein Studium zu beginnen – bis sie beschloss, dass ihr das doch zu theoretisch sei. Ihre Familie habe sie nie gedrängt, in den Betrieb einzusteigen, und sie bei allem unterstützt. Als sie sich dann aber für eine Lehre zur Malerin und Lackiererin im hauseigenen Betrieb entschied, sei die Freude groß gewesen.

Neben dem Handwerk galt und gilt Susanne Haus’ Interesse der Kunstgeschichte und den Theaterwissenschaften. Doch auch ohne dies zu studieren, schaffte sie es, beides in ihr Leben zu integrieren. Denn der Familienbetrieb „Haus Malermeister und Restauratoren“ in Bischofsheim, den Susanne Haus im Jahr 2005 übernahm, hat einen Schwerpunkt in der Denkmalpflege. „Deshalb ist Kunstgeschichte sehr nah dran an meinem jetzigen Beruf.“ Und ihre Leidenschaft fürs Theater hat sie privat aufgearbeitet, indem sie in ihrer Freizeit viele Jahre lang schauspielerte.

In ihrem Bischofsheimer Betrieb hat Susanne Haus elf Beschäftigte, darunter zwei Frauen. Eine davon ist ihre Führungskraft, der nun die Aufgabe zuteil wird, Haus verstärkt zu vertreten. Besonders stolz berichtet Haus auch von einem ihrer beiden Lehrlinge, der einen Flüchtlingshintergrund hat. Der aus Eritrea stammende Mann ist von der Handwerkskammer vermittelt worden und wird im nächsten Sommer die Gesellenprüfung absolvieren.

Handwerkskammer

Die Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main vertritt 32.600 Unternehmer, rund 143.000 Handwerkerinnen und Handwerker, davon etwa 10.000 Azubis aus den Städten Darmstadt, Frankfurt und Offenbach sowie den Landkreisen Bergstraße, Darmstadt-Dieburg, Groß-Gerau, Hochtaunuskreis, Main-Taunus-Kreis, Offenbach und dem Odenwaldkreis. (hsr)

Ihr Vater hat Haus nicht nur das Handwerk, sondern auch die Begeisterung für das Ehrenamt vorgelebt. „Mein Vater war schon immer schwer aktiv in den diversesten Vereinen und in der Innung.“ Mit dem Einstieg in den Betrieb begann Susanne Haus, ebenfalls zu den Innungsversammlungen zu gehen und so führte eins zum anderen.

Recht früh wurde sie Obermeisterin der Maler- und Lackiererinnung, Vorsitzende des Gesellenprüfungsausschusses, kam in den Vorstand der Kreishandwerkerschaft in Groß-Gerau. Vor 15 Jahren ist sie in die Vollversammlung der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main eingestiegen.

Bei vielen Anlässen ist sie dem damaligen Präsidenten Bernd Ehinger begegnet, der sagte, er hätte sie gerne im Vorstand der Handwerkskammer. „Ich wollte erst nicht so“, sagt Haus lachend. „Ich dachte das, was ich da schon alles so gemacht habe, sei genug.“ Doch Ehinger blieb hartnäckig und „irgendwann konnte ich nicht mehr Nein sagen“. 2015 wurde Haus zur Vizepräsidentin gewählt. „Und als Bernd Ehinger angekündigte, nicht mehr kandidieren zu wollen, fingen sich bei mir die Räder an zu drehen.“ Sie habe zunächst sicherstellen müssen, dass ihr Betrieb reibungslos weiterlaufen könne. Sobald diese Vorbereitung abgeschlossen war, stand der Kandidatur nichts mehr im Wege.

Als das Schwerpunktthema ihrer Präsidentschaft sieht Haus den Campus für berufliche Bildung. Auf diesem Campus, der in Zusammenarbeit mit der Stadt in Frankfurt entstehen soll, sollen das Berufs- und Technologiezentrum und eine Berufsschule gemeinsam entstehen – als „innovatives Lernkonzept“. „Unsere Leidenschaft ist die Nachwuchsförderung, wir brauchen Fachkräfte“, sagt Haus. Die Ausbildungszahlen sind zuletzt gesunken, diesem Negativtrend möchte die Handwerkskammer entgegenwirken.

Doch das Thema, das Haus, die sonst sehr ruhig spricht, aufbrausend werden lässt, ist ein anderes: die Verkehrspolitik. Die Handwerkskammer fordert gemeinsam mit der Industrie- und Handelskammer einen Gesamtverkehrsplan für Frankfurt. „Aber wir werden von der Politik nicht gehört“, empört sich Haus. Die Handwerkskammer nehme den Umweltschutz ernst – Haus ist wichtig, das zu betonen, weil sie das Gefühl habe, das werde in der Debatte oft anders wahrgenommen. Dabei trage das Handwerk nicht zuletzt zum Umweltschutz bei, indem es energetische Gebäudesanierung umsetze.

„Aber hier in der Stadt muss gewährleistet sein, dass die Anlieferung funktioniert. Gipskartonplatten kann man eben nicht mit dem E-Bike transportieren.“ Haus ist sich sicher, dass man einen Konsens finden kann. Aber dafür müssten eben alle Seiten gehört werden „und nicht Dinge einfach auf Teufel komm raus umgesetzt werden“, die an der Realität vorbeigingen. „Das ist ein großes Thema für uns und da geben wir auch nicht auf.“ Das glaubt man Susanne Haus gerne.

„Das hier ist ein Ehrenamt, wo man wirklich etwas bewegen kann. Man muss streitbar sein, man muss kämpfen, man muss stark sein“, sagt sie. Sich als Frau in einer männerdominierten Branche durchzusetzen, ist bestimmt nicht immer ganz einfach, oder? Umgeben von Männern war sie schon immer, groß darüber nachgedacht habe sie aber nie, sagt die frischgebackene Präsidentin. Zwar habe sie es als Frau schwerer gehabt hat, sei nicht immer ernst genommen worden und habe stets ein bisschen mehr zeigen müssen, als ihre männlichen Mitstreiter. Aber darüber beschwert sich Susanne Haus nicht. „Es waren immer Situationen, die ich einfach meistern musste.“ Heute hofft sie, eine Vorbildfunktion für junge Frauen einnehmen zu können: mehr Frauen für Handwerksberufe zu begeistern und mehr Frauen dazu zu bewegen, sich in der Handwerkskammer zu engagieren.

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