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Feines Grüngürteltier! So muss das aussehen.

Komische Kunst

Das Frankfurter Grüngürteltier ist wieder sauber

  • Thomas Stillbauer
    vonThomas Stillbauer
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Jetzt rätselt die ganze Stadt, wer die Skulptur von der bunten Farbe befreit hat. Waren es etwa die Heinzelmännchen?

Es kann sein – auch wenn es absurd klingt, aber was ist heute noch normal? – Vielleicht gibt’s in Frankfurt Heinzelmännchen. Oder besonders gewissenhafte Mitarbeiter. Beides wäre sehr schön. Und was das Schönste ist: Das Grüngürteltier zeigt sich wieder in ganzer Schönheit.

Dass es so flott gehen würde, war kaum zu erwarten. Vor sieben Wochen hatten Schurken die Skulptur zum zweiten Mal grell bepinselt – jetzt grüßt sie gereinigt vom Kalbacher Ufer der Robert-Gernhardt-Brücke. Aber wer hat sie saubergemacht?

„Ehrlich gesagt, wir wissen es nicht“, gibt Thomas Hartmanshenn zu, Leiter der städtischen Umweltvorsorge. Dem Mann im Umweltamt war es im Juni zu bunt geworden, weil schon wieder jemand die irrsinnig originelle Idee gehabt hatte, das Fabeltier am Alten Flugplatz zum Farbentier umzugestalten. „Das ist nicht witzig“, urteilte er seinerzeit.

Weil es enorm teuer ist (6800 Euro), die Farbe aus dem fein gemaserten Metall des GGT, wie man unter Freunden sagt, herauszulösen. Und weil das Tier bereits bei der Beseitigung des vorangegangenen (grünen) Farb-Attentats äußerlich Schaden genommen hatte. Zu schweigen von der Seelenqual für unser Lieblings-Mischwesen aus Wutz, Molch und Star, wie es Dichtergott Gernhardt schuf.

So nicht! Das GGT im Juni.

Denkbar, sagt Thomas Hartmanshenn, wäre folgendes Szenario. Ein Kollege aus der tüchtigen Truppe, die die Wege im Grüngürtel in Schuss hält, hat gesagt: Komm her, geh fort – das machen wir jetzt sauber. Nach Recherchen des FR-Reporters, der dort fast täglich vorbeigeht und dem GGT die Nase krault, weil das Glück und Segen bringt, muss es am Freitag passiert sein. Am Donnerstag war das Tier noch bunt. Am Freitag jedoch legte besagter Kollege am Abend das Handwerkszeug nieder, beschied, nun sei Urlaub und ward nicht mehr gesehen, wie sich das für einen anständigen Urlauber gehört.

Das würde also bedeuten: Der kreuzbrave Mann bringt die Welt wieder in Ordnung und zieht sich dann zurück, ohne die verdienten Lorbeeren dafür einzuheimsen. Im Nibelungenlied würde er fortan als tapferer Recke und hervorragender Held besungen.

Wie sagte Hartmanshenn im Juni zum Farbenspiel: „Es ist wie der Wettlauf Hase gegen Igel.“ Das Juli-Rennen hätte somit das Gute gewonnen. Und vielleicht gibt es halt doch Heinzelmännchen.

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