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Das English Theatre Frankfurt kämpft um seinen Standort

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Von: Andreas Hartmann

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Ende des Jahres läuft der Mietvertrag für das English Theatre in der Gallusanlage 7 in Frankfurt aus. Bild: Christoph Boeckheler
Ende des Jahres läuft der Mietvertrag für das English Theatre in der Gallusanlage 7 in Frankfurt aus. © Christoph Boeckheler

Ende dieses Jahres läuft der Mietvertrag für das größte englischsprachige Theater auf dem Kontinent aus – noch ist unklar, wie es dann weitergeht

Für das Rhein-Main-Gebiet ist das English Theatre im Keller des Bürohauses „Gallileo“ in der Gallusanlage 7 ein sogenannter Leuchtturm, ein Projekt mit solcher Strahlkraft, dass damit auch international für den Standort geworben wird. Das größte englischsprachige Theater auf dem Kontinent sei bisher gut durch die beiden Corona-Jahre gekommen, berichtet Intendant Daniel Nicolai. Doch sein Haus, das von einem gemeinnützigen Verein getragen wird, ist bedroht.

Nicolai weist seit langem darauf hin, dass zum Ende dieses Jahres der Mietvertrag für das Theater ausläuft. Die Commerzbank, bisher großzügige Hauptsponsorin, hat das Gebäude 2018 an einen internationalen Immobilienfonds aus Singapur, Capitaland, verkauft und ist selbst nur noch Mieterin. Ihr Vertrag mit Capitaland läuft Ende 2023 aus.

Vor einigen Tagen kam, so berichtet Nicolai, nun die Aufforderung der Commerzbank an ihre Untermieter, das Theater zum Jahresende 2022 zu räumen. „Da wird mit uns umgegangen, als seien wir ein Kiosk an der Ecke“, sagt er. Alternative Standorte in Frankfurt und Umgebung gibt es aktuell nicht, alle Pläne zerschlugen sich bisher. Schlimmstenfalls könnten hier also im Dezember die Lichter ausgehen, ein herber Verlust für die Region. „Wir können ja nicht in ein Zirkuszelt ziehen oder Theater auf dem Bahnhofsvorplatz machen“, sagt Intendant Nicolai.

Dennoch ist er guten Mutes. „Viele Leute kennen das Haus nur durch unser Theater. Capitaland hat sicher kein Interesse, das zu zerstören“, hofft er. „Sie haben uns auch schon signalisiert, dass sie eine kulturelle Nutzung durch uns begrüßen würden.“ Zwar werde der Immobilienfonds künftig wohl eine Miete verlangen (die Commerzbank hatte die Räume kostenlos zur Verfügung gestellt), aber das sei wohl zu stemmen, sagt Nicolai.

Nun habe die Commerzbank zugesagt, dass sich alle drei Beteiligten zusammensetzen und über eine Verlängerung des Mietvertrags sprechen wollen. „Die beste Lösung für uns wäre, wenn wir hierbleiben könnten“, sagt Nicolai. „Ich hoffe sehr, dass sich das noch entspannt.“

Alles hängt nun aber erst einmal an einer vorläufigen Verlängerung mindestens bis zum Sommer 2023. Ein Mietvertrag mit Capitaland könnte wohl erst zum 1. Januar 2024 geschlossen werden. „Wir können diese Zeit aber nicht woanders überbrücken“, betont er. Das Theater hat jedenfalls schon die neue Saison geplant, die Anfang September beginnt. Jetzt müssen sehr bald die Verträge zu den Produktionen geschlossen werden – auch schon für das Programm des kommenden Frühjahres.

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