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Karin Beuslein verlässt die Galerie „Das Bilderhaus“.
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Karin Beuslein verlässt die Galerie „Das Bilderhaus“.

„Das Bilderhaus“ Frankfurt

Kleine Formate zum Abschied

  • Claus-Jürgen Göpfert
    vonClaus-Jürgen Göpfert
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Nach 41 Jahren verabschiedet sich die Galeristin Karin Beuslein mit einer bilanzierenden Ausstellung aus der aktiven Tätigkeit. Ihre Galerie „Das Bilderhaus“ wird es weiter geben.

In all den Jahren hat Karin Beuslein nie viel Aufhebens um ihre Person gemacht. Sie stellte stets die Künstlerinnen und Künstler in die erste Reihe und blieb selbst eher im Hintergrund. Auch spektakuläre Inszenierungen und reißerische Titel für ihre Ausstellungen waren ihre Sache nicht. So heißt denn die jüngste Schau mit großem Understatement schlicht „Kleine Formate“. Und markiert doch einen Einschnitt. Denn nach 41 Jahren in der Kunstvermittlung legt die Galeristin ihr „Bilderhaus“ an der Hermannstraße in Frankfurt am Main jetzt in andere Hände und zieht sich zum Jahresende aus der aktiven Tätigkeit zurück.

Eigentlich wollte sich die 80-jährige mit einer großen Schau in der Ausstellungshalle 1 a in Sachsenhausen von ihrem Publikum verabschieden. Diesen Plan durchkreuzte die Corona-Pandemie. So gerät jetzt der Gang durch die von ihr verantwortete Ausstellung im „Bilderhaus“ mit ihren 54 Werken zur Bilanz eines Lebenswerks. Und auch sie sind nicht mehr physisch, sondern im Internet zu sehen. „Ich habe mich immer auf Malerei und Grafik konzentriert“, sagt die gebürtige Wiesbadenerin. Und spricht dann ein Urteil gelassen aus: „Auf gute Kunst.“ An den Wänden der Galerie sind noch einmal Arbeiten von den Frauen und Männern versammelt, auf die sie zum Teil über Jahrzehnte gesetzt hat. Rolf Kissel etwa, der Maler, Bildhauer und Lichtkünstler, lange in der Friedensbewegung engagiert, der heute mit 91 Jahren zurückgezogen in Frankfurt lebt. Der Maler und Zeichner Eckhard Gehrmann, auch er Absolvent der Städelschule, Nikolaus Jungwirth, der 2018 verstorbene Kunstkritiker, selbst Künstler und Satiriker. Helmut Göbel, der Mann, der mit selbst gewonnenen Erdfarben arbeitet.

Weltweit als Kunstvermittlerin tätig

Vor allem aber die Frauen sind es, die Beuslein unterstützt und gefördert hat. „Ganz wichtig war Renate Sautermeister, die hat mich wiederum auf andere aufmerksam gemacht.“ Die surrealen und abstrakten Welten der Malerin waren oft im „Bilderhaus“ zu sehen. Da sind jetzt aber auch die Zeichnerinnen Leonore Poth, Hetty Krist und Martina Kügler wieder versammelt. Und natürlich die große Fotografin Inge Werth, die als Chronistin der 68er-Revolte berühmt wurde und zu der Beuslein noch immer Kontakt hält, sie lebt 89-jährig in Frankfurt.

Mit dem politischen und kulturellen Aufbruch von 1968 ist ein wichtiges Stichwort gefallen. Denn diese Zeit prägte das Leben von Karin Beuslein, die inzwischen selbst 80 Jahre alt ist. „1968 hat nachgewirkt“, in diesem Satz fasst sie alles zusammen. Sie spricht nicht gerne über sich selbst. Als Studentin in Berlin war Beuslein Teil der Demonstrationen. Als am 2. Juni 1967 der wehrlose Demonstrant Benno Ohnesorg von Polizeiobermeister Karl-Heinz Kurras erschossen wurde, war das für die 27-Jährige ein Impuls, ihr Leben zu verändern. Sie brach nach Afrika auf, unterrichtete als Lehrerin über Jahre in Tansania, dessen Staatspräsident Julius Nyerere „mit sozialistischem Anspruch“ angetreten war. Doch die Pädagogin bemerkte ernüchtert: „Es war nur ein Neokapitalismus.“ Sie kehrte zurück nach Frankfurt und brachte dabei das Gemälde eines grünen Panthers mit, eine Arbeit der Tingatinga-Malerei, die sie in Deutschland bekannt machte. Das Bild gab 1976 einer Galerie an der Hermannstraße den Namen, in deren Team sie mitarbeitete. 2009 hat sie sich dann dort mit dem „Bilderhaus“ selbstständig gemacht.

Doch Beuslein blieb zugleich weltweit als Kunstvermittlerin tätig. Sie unterrichtete Malerei und Aktzeichnung, lehrte in Peru und Spanien, bereiste Südamerika, Russland, Persien, Vietnam und viele andere Länder auf den Spuren der Kunst. Das „Bilderhaus“ wird vom 1. Januar 2021 an von Jutta Uhlendorf-Baier geführt. Beuslein aber will wieder reisen. Sobald das im Kampf mit der Corona-Pandemie wieder möglich sein wird. Die uralten Kulturen von Tadschikistan und Usbekistan haben es ihr angetan. Etwas Neues beginnt.

„Kleine Formate“ in der Galerie „Das Bilderhaus“, Hermannstraße 41, Frankfurt, Telefon: 069/59 72 854, im Internet unter www.das-bilderhaus.de abrufbar.

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