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Darmstädter Modelabel: Mit Nachhaltigkeit „den Ton angeben“

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Von: Helen Schindler

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Inspiration Natur: Das Muster der Pullis soll einen Flusslauf aus der Vogelperspektive zeigen.
Inspiration Natur: Das Muster der Pullis soll einen Flusslauf aus der Vogelperspektive zeigen. © FR

Das neue Stricklabel „Set the Tone“ aus Darmstadt präsentiert seine erste kleine Kollektion aus Merinowolle.

Erst vor wenigen Wochen ist die erste Kollektion des neuen Stricklabels „Set the Tone“ online gegangen. Die Marke ist also noch jung – aber die Personen, die dahinterstecken, sind zumindest teilweise alte Hasen in der Modebranche und kennen sich schon seit Jahrzehnten. Michael Jefferys und Birgit Martin arbeiten seit 30 Jahren zusammen, mit der Jefferys GmbH mit Sitz in Darmstadt designen, entwickeln und produzieren sie Corporate Fashion für Unternehmen.

Für die eigene Marke „Set the Tone“ haben die Geschäftspartner ihre jeweiligen Kinder ins Boot geholt: Birgit Martin ist gemeinsam mit ihrer Tochter Lynn für die Designs zuständig, Michael Jefferys kümmert sich um Marketing und den Kontakt zu Werbung und Vertrieb, während sein Sohn Tim für Technik und Verwaltung zuständig ist. Die Mischung aus Erfahrung und frischem Wind tue der Marke gut, davon sind alle vier überzeugt. „Ich habe zwar viel Erfahrung, aber das bremst auch“, sagt Birgit Martin. „Lynn ist extrem kreativ und hat ganz andere Ansätze.“

Michael Jefferys und Birgit Martin lassen mit der Marke eine uralte Idee wiederaufleben: Bereits vor 25 Jahren haben sie Snowboard-Funktionskleidung aus Tiroler Loden fertigen lassen, die Sache dann aber nicht weiterverfolgt. Auch damals war der Name schon „Set the Tone“. „Wir hatten den Namen noch geschützt und dachten auch diesmal, dass er passt“, sagt Birgit Martin. Und Michael Jefferys ergänzt: „Was Nachhaltigkeit angeht, wollen wir den Ton angeben oder zumindest einen Akzent setzen.“

Modeserie:

Im Juli 2021 fand die erste Frankfurt Fashion Week statt – pandemiebedingt allerdings als rein digitale Veranstaltung.

Im Januar 2022 sollen dann erstmals die Messen Premium, Seek, Neonyt und The Ground sowie die Laufstegpräsentationen in der Mainmetropole ausgerichtet werden. Aber kann Frankfurt Mode?

In unserer Serie stellen wir regelmäßig lokale Designerinnen, Modemacher und Ladenbesitzerinnen vor. Sportmarkengründer, Handtaschendesignerinnen und Schuhmacher sind ebenso dabei wie Fashion-Influencer-innen. (jkö/rose/hsr)

Die erste Kollektion des Stricklabels besteht komplett aus Merinowolle, „das fühlt sich genauso an wie Kaschmir“, sagt Lynn Martin. Gefertigt wird in kleinen, familiengeführten Manufakturen in Umbrien in Italien, mit denen Michael Jefferys und Birgit Martin bereits zuvor eng zusammengearbeitet haben. „Wir haben festgestellt, dass es da ein riesiges Potenzial gibt“, sagt Michael Jefferys. „In Italien ist uns auch die Idee für unsere eigene Marke gekommen. Das ist eine ganz ehrliche Win-win-Situation: Die Manufakturen haben die Möglichkeiten und wir haben die Ideen und können es vermarkten.“

„Ich war sechs Monate vor Ort, um mir die Produktion anzuschauen, das ist alles sehr transparent“, erzählt Lynn Martin, die in Pforzheim Mode studiert. „Das sind kleine Betriebe, das hat mit Massenproduktion nichts zu tun. Alles wird in einem Radius von 70 Kilometern produziert.“ So seien die Familien vor Ort auch offen gewesen für die Vision von „Set the Tone“, alles möglichst nachhaltig herzustellen. Die Merinowolle, die in der Kollektion verwendet wird, ist ZQ-zertifiziert. „Dadurch haben wir die Möglichkeit, die nachhaltigste Wolle zu verwenden“, betont Lynn Martin. Die Zertifizierung extra für Merinowolle garantiert nicht nur ökologische Standards, sondern auch soziale Verantwortung wie eine faire Bezahlung aller Beteiligten und das Wohl der Tiere. „Für uns ist wichtig, dass kein Tier leidet, nur weil wir einen Pulli herstellen“, betont die Designerin.

Neun Artikel umfasst die erste Kollektion mit dem Namen „Blurred Landscapes“, was auf Deutsch so viel wie verschwommene Landschaften bedeutet: Die Sweatshirts und Schals in zwei Farben sowie die Kapuzenpullis in drei Farben sind unisex, also für alle Geschlechter geeignet, dazu kommt ein Longsleeve in zwei Farben für Frauen. Ein Schal kostet 139 Euro, ein Sweatshirt 329 Euro. „Unsere Zielgruppe sind Menschen zwischen 25 und 60 Jahren, die sich das finanziell leisten können und für die Nachhaltigkeit eine Geisteshaltung ist“, sagt Tim Jefferys. „Und die designaffin sind“, ergänzt Birgit Martin. „Denn unsere Teile sind schon Statement Pieces, keine Basics. Wir wollen zeigen, dass Nachhaltigkeit auch mit Design und Individualität vereinbar ist.“ Und auch Michael Jefferys betont: „Die Kaufentscheidung ist das Design, die Werte dahinter sind Selbstverständlichkeit. Das Produkt wird visuell im Vordergrund stehen.“

Inspiriert sei die Kollektion von Gesteinsstrukturen und Flussläufen, sagt Lynn Martin. Das Muster des Pullis beispielsweise sei abgeleitet von der Vogelperspektive auf einen Flusslauf. Die Kollektion setzt auf besondere Oberflächenstrukturen und auffällige Farbkombinationen und ist streng limitiert: Von jedem Schalstyle gibt es nur 100 Stück, von den anderen Modellen nur 60. Aktuell wird die Kollektion nur online im eigenen Shop www.set-the-tone.com verkauft, da sei es eine Herausforderung, dem Kunden und der Kundin das Material anschaulich näherzubringen, sagt Michael Jefferys. Für die Zukunft könnten sie sich Pop-ups oder temporäre Ausstellungen in Innenstadtläden vorstellen.

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