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Der Stadtplan Libeskinds auf dem Opernplatz.

Konzertprojekt

Beethoven in der Feuerwehrwache

Beethoven in der Feuerwehrwache, Händels Wassermusik im Schwimmbad und Mozart in einer Fabrikhalle: Der Architekt Daniel Libeskind setzt 18 Orte in der Stadt mit klassischer Musik in Szene.

Von Nadine Benedix

Das Konzertprojekt „One Day in Life“ will klassische Musik an ungewöhnliche Orte Frankfurter Lebens bringen. An 18 Plätzen der Innenstadt werden am 21. und 22. Mai insgesamt 75 klassische Konzerte zu hören sein. Umgesetzt wird das Projekt von der Alten Oper Frankfurt und dem New Yorker Architekten Daniel Libeskind.

Alles begann mit einer Skizze: Diese ist nun auf dem Opernplatz in Form einer großen, schwarzen Installation zu sehen. Die weißen Striche auf dem plastikähnlichen Baustoff stellen Daniel Libeskinds persönlichen Frankfurter Stadtplan dar. Seine Wahrnehmung der Stadt soll in dem Konzertprojekt musikalisch eingefangen werden.

Insgesamt 18 Orte hat Libeskind ausgewählt. Sie werden musikalisch unter anderem mit Musik von Vivaldi, Beethoven oder Mozart in Szene gesetzt. Zu den Orten gehören etwa das ehemalige Wohnhaus Oskar Schindlers, ein Operationssaal im Krankenhaus, die Küche des Römers oder ein Boxring im Gallusviertel.

Konzept vom Architekten

Auch im Rebstockbad wird es Samstagnacht ein Konzert geben, danach kann man schwimmen gehen. Das letzte Konzert findet im Stadion statt. Alle Konzerte sind mit Dimensionen des menschlichen Lebens, wie Körper, Notwendigkeit, Glaube oder Wille, betitelt.

Das Konzept des Projektes stamme allein von Libeskind, betont der Intendant der Alten Oper, Stephan Pauly. Vor zwei Jahren habe er den Architekten gefragt, ob dieser sich ein Projekt in Zusammenarbeit mit der Alten Oper vorstellen könne. Libeskind hatte unmittelbar eine Idee. „Das Feuer war sofort entfacht: Das ganze Konzept basiert auf meinen Emotionen und ersten Eindrücken. Da gab es keine wissenschaftlichen Überlegungen“, so der Architekt. Frankfurt sei für ihn der perfekte Ort, um sein Projekt umzusetzen. Die Stadt sei modern und verfolge einen mutigen Ansatz, der Tradition mit Neuem verbinde. „Keine andere deutsche Stadt ist so innovativ.“

Für Pauly ist das Projekt ein Ausblick für das klassische Konzert: „Das klassische Konzert wird in Zukunft auch andere Wege gehen.“ Besonders spannend sei es, die Konzerte mit einem „fachfremden“ Blick zu sehen. Fachfremd ist Libeskind jedoch nicht wirklich: Der heutige Baukünstler studierte zuvor Musik und war als Musiker tätig. Auch deshalb war das Großprojekt möglich. „Ich habe so viel Musik in meinem Kopf. Die Stücke, die ausgewählt wurden, sind diejenigen, die mir dort in den Sinn kamen. Sie können die Stimmung der Orte ausdrücken.“

Libeskind versteht sich selbst auch als Künstler: „Architektur wird zu oft als mathematische Ingenieurswissenschaft abgetan.“ Dabei sei sie die Urform der freien Künste. Die Architektur einer Stadt sei immer ein Spiegel ihrer Kultur, genau wie die Musik auch. Das Konzertprojekt, sagt Libeskind, solle genau dies sein: eine Verbindung von Klang und Raum, die das Leben der Stadt spiegele.

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