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Daniel Cohn-Bendit hielt einen langen Vortrag mit dem Titel: „Spurensuche“ am Rednerpult. Foto: Michael Schick
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Daniel Cohn-Bendit hielt einen langen Vortrag mit dem Titel: „Spurensuche“ am Rednerpult.

Gedenken an Novemberpogrome

Daniel Cohn-Bendit: „Die Juden wurden alleine gelassen“

  • Kathrin Rosendorff
    VonKathrin Rosendorff
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Daniel Cohn-Bendit erinnert in der Frankfurter Paulskirche nicht nur an den 9. November 1938, sondern geht auf historische Spurensuche.

Das Erinnern an den 9. November 1938 sei keine Selbstverständlichkeit in der Politik gewesen, betont Bürgermeisterin Nargess Eskandari-Grünberg (Grüne) gleich zu Beginn ihrer Rede in der Paulskirche. 83 Jahre nach den Novemberpogromen in der Nacht, in der auch in Frankfurt Geschäfte und Synagogen brannten. „Es sind die Überlebenden, die das Erinnern am Leben gehalten haben. Den grauen Schleier der Gleichgültigkeit gelüftet haben“, betont sie. Sie spricht aber auch von dem wachsenden Antisemitismus in dieser Zeit. „Gegen Antisemitismus gibt es keinen Impfstoff.“ Sie sehe es als Aufgabe aller an, die Erinnerung aufrecht zu erhalten.

Zum ersten Mal als Vertreter der dritten Generation spricht an diesem Gedenktag Benjamin Graumann, Vorstandsmitglied der Jüdischen Gemeinde. Er sagt, dass es eben diese emotionale gesellschaftliche Debatte über das Gedenken immer noch gibt: „Für wen? Wie lange noch?“ Jetzt seien doch 83 Jahre vergangen. Graumann betont, am 9. November 1938 sei mehr als nur Glas zerbrochen worden, nämlich auch die Seelen der Juden seien zerbrochen worden. Und das Schweigen der Mehrheit der Gesellschaft sei vor allem eine „moralische Bankrott-Erklärung“. Denn ohne dieses Schweigen wären auch die anschließenden Deportationen in Konzentrationslager nicht möglich gewesen. Auch er zeigt sich bestürzt darüber, dass der Antisemitismus zunehme. Und wieder oft geschwiegen werde. Als er sagt: „Die AfD ist keine Alternative für Deutschland, sondern ein Alptraum für Deutschland“, applaudieren die Gäste. Auch der ehemalige Europaabgeordnete Daniel Cohn-Bendit, dessen Eltern vor den Nationalsozialisten nach Frankreich flüchteten, hält eine Rede. Der 76-Jährige spricht nicht nur vom 9. November 1938, sondern geht auf Spurensuche und erwähnt den 9. November 1918, den Tag der Ausrufung der Republik, die spätere Spaltung zwischen SPD und KPD, die den Nationalsozialisten den Weg geebnet habe. Auch erinnert er an das Versagen der Konferenz in Évian-les-Bains am Genfer See im Juli 1938. 32 Staaten hielten ihre Grenzen geschlossen, als Hunderttausende Juden um ihr Leben bangten. „Es gab sogar den Vorschlag, die Juden nach Madagaskar zu schicken.“ Cohn-Bendit betont: „Die Juden wurden alleine gelassen.“ Er erinnert auch an Georg Elser, der im Münchner Bürgerbräukeller einen Bombenanschlag auf Hitler und nahezu die gesamte NS-Führungsspitze plante. Das Attentat am 8. November 1939 scheiterte um 13 Minuten, weil Hitler und sein „Dream Nazi Team“ (Cohn-Bendit) den Saal früher verließen, weil es Nebel gab und sie einen Sonderzug nahmen. Bis in die 1990er sei an Elser kaum erinnert worden.

Dann spricht Cohn-Bendit über den wachsenden Antisemitismus in Pandemiezeiten: „Was haben wir Juden mit dem Coronavirus zu tun?“ In historischen Momenten der Verunsicherung werde gern das „Weltjudentum“ angegriffen. „Wenn wir jetzt nicht aufpassen, sind nicht nur Juden dran, sondern auch die Demokratie geht zu Grunde.“

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