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Bei über 30 Grad in der Dachgeschosswohnung kommt man ordentlich ins Schwitzen.

Homestory

Dachschaden in Frankfurt

  • Thomas Stillbauer
    vonThomas Stillbauer
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Hitze-Homeoffice in den Zeiten der Corona-Pandemie - womit haben wir Dachgeschossbewohner das nur verdient?

Was haben wir gelacht. Damals. Als das Thermometer daheim in der Dachgeschosswohnung 30 Grad anzeigte, wir aber kalt lächelnd zur Arbeit radelten in die Redaktion, in der es kühler war. Wobei kühler ... na, lassen wir das mal so stehen. Es gab Tage, an denen war es in der Redaktion etwas kühler als daheim unterm Dach. Doch, doch. Einen Tag im August 2018, wenn wir uns recht entsinnen, und einen im April 2019. Oder war es im Mai?

Das ist jetzt aber auch egal, denn jetzt ist Corona, und jetzt ist Zuhausebüro. Im April, Mai, Juni und fast den ganzen Juli hindurch rollten Menschen, die im Dachgeschoss wohnen, deshalb den mentalen Gebetsteppich aus und priesen die höhere Macht, die uns in diesem Jahr einen ganz normalen Sommer bescherte. Tage mit maximal 25 oder 27 Grad im Schatten! Kühle Nächte! Frühjahr und Sommer 2020 hätten uns Menschen beinahe den Glauben ans Klima wieder zurückgeben können, wenn es nicht doch wieder zu trocken gewesen wäre. Übrigens auch ein interessantes Thema: Starkregen im Dachgeschoss.

Aber hier soll es jetzt nur um die Hitze gehen, die uns schließlich doch noch heimsucht. Als Dachmensch verlässt man am frühen Morgen das Bett – am sehr frühen Morgen – und reißt alle Fenster auf. Gießt die Blumen auf dem Balkon. Schickt dabei Beschwörungsformeln und Anfeuerungsrufe in den Himmel („Auf geht’s, Petrus, stürmen und schneien!“, „Frischt auf, wenn ihr Winde seid!“) und hofft auf Durchzug, der die morgendliche Kühle wenigstens bis mittags in der Wohnung verankert.

Mittags kommt nämlich die Sonne ums Haus geschlendert und brüllt das Arbeitszimmer an, das sich bereits hinter zwei Dritteln aller verfügbaren Rollläden verbarrikadiert hat: „Na! Schön heiß heute, was?!“

Feiner Zug, dass ausgerechnet im Corona-Sommer nebenan ein Haus abgerissen und neu gebaut wird. Herrlich, wenn die Arbeiter Steinplatten für die Terrasse sägen. Dann haut der Dachmensch im abgedunkelten Zimmer weiter in die Tasten und freut sich auf den Winter. Was ähnlich bescheuert ist wie der Wunsch, nicht mehr jung, sondern Rentner zu sein. Dachschaden halt.

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