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CSD in Frankfurt: Eine besondere Demo-Strecke

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Von: Steven Micksch

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Im vergangenen Jahr gingen trotz Corona gut 8000 Teilnehmende auf die Demo-Strecke durch die Innenstadt.
Im vergangenen Jahr gingen trotz Corona gut 8000 Teilnehmende auf die Demo-Strecke durch die Innenstadt. © Renate Hoyer

Zum 30. Jubiläum soll der Frankfurter Christopher Street Day größere Dimensionen annehmen. Es gibt nicht nur eine neue Bühne, sondern auch eine deutlich längere Strecke für die Demo. Die zunehmende homophobe Gewalt in Frankfurt macht vielen Sorge.

In diesem Jahr soll der Frankfurter Christopher Street Day (CSD) noch mal eine größere Dimension annehmen als in den Vorjahren. Denn das Event an der Konstablerwache feiert am kommenden Wochenende sein 30-jähriges Bestehen. Nach zwei Corona-Jahren mit wenig Programm und fast nur der obligatorischen Demo am Samstag liegt die Messlatte derweil sicherlich nicht hoch, doch auch zu den Vor-Corona-Jahren will der organisierende Verein CSD Frankfurt eine Steigerung.

„Wir wachsen generell seit Jahren, vor allem bei den Teilnehmerzahlen“, sagt Sebastian Reggentin, Pressesprecher beim Verein CSD Frankfurt. Aber zum Jubiläum sollte bewusst alles größer werden. So wird eine neue Bühne dazu kommen, die Grind-Dance-Stage. Auf dieser legen die Grind-Resident DJs auf. Die Bühne steht am Freitag und Samstag in der Alten Gasse direkt am Regenbogen-Kreisel.

Darüber hinaus wird es wieder die Hauptbühne auf der Konstablerwache und die Kulturbühne auf dem Basar der Vielfalt in der Großen Friedberger Straße geben. Auf Letzterer wird queerer Poetry Slam, Kabarett, Kleinkunst und Karaoke geboten. Auf der Hauptbühne dreht sich viel um Musik, etwa mit Hauptact MiA („Tanz der Moleküle“). Aber auch Tanzeinlagen und die Redebeiträge nach der Demo werden für Gesprächsstoff sorgen.

Apropos Demo. Die startet am Samstag gegen 12.30 Uhr vom Römer aus. Über den Mainkai geht es auf eine große Runde durch die Stadt, was nicht nur der Feier des großen Jubiläums geschuldet ist. „2021 waren bei der Demo etwa 8000 Teilnehmende. Das könnte in diesem Jahr getoppt werden und da braucht es die große Strecke, damit die Ersten nicht schon fertig sind, während der hintere Teil noch nicht mal losgelaufen ist“, sagt Reggentin.

Ebenfalls neu wird in diesem Jahr das Awarness-Team sein. Die Ehrenamtlichen dort ergänzen das Sicherheitskonzept um eine weitere Nuance. An einem zentralen Ort neben der Hauptbühne wird es ein Zelt geben, zudem werden die Teammitglieder in der Masse unterwegs und ansprechbar sein. „Sie stehen denen bei, die sich aus welchen Gründen auch immer unwohl fühlen.“

Programm

Der CSD Frankfurt ist vom 14. bis 17. Juli an der Konstablerwache.

Am Donnerstag ist zunächst ab 18 Uhr das Warm Up mit anschließender Open-Air-Kinovorstellung des Films Charlatan (21.30 Uhr, Eintritt frei).

Am Freitag beginnen die Feierlichkeiten gegen 15 Uhr. Es gibt drei Bühnen: die Hauptbühne an der Konsti, die Kulturbühne in der Großen Friedberger Straße und die Grind-Dance-Stage am Regenbogenkreisel.

Der Basar der Vielfalt ist erneut die Infostraße des CSD und liegt in der Großen Friedberger Straße. Dort präsentieren sich Community-Vereine,

-Gruppen und -Initiativen. Zum Jubiläum ist der Basar extra groß und geht auch auf die Geschichte des CSD Frankfurt ein.

Die vierte Auflage des Dyke*March Frankfurt ist am Freitag um 18.30 Uhr. Vom Römer geht es bis zum Endpunkt in der Klingerstraße. Die Dykes* demonstrieren und zeigen, wie vielfältig die lesbische und queere, frauenliebende und genderqueere Bewegung ist. Angeführt wird der Marsch erneut von den Motorradlesben*.

Am Samstag ist der Höhepunkt sicherlich die große Demonstration durch die Innenstadt. Zuvor gibt es ab 11.30 Uhr die bewährte Kundgebung auf dem Römerberg inklusive dem Hissen der Regenbogenfahne und der Schweigeminute. Etwa 12.30 Uhr geht es dann auf die Demo-Strecke. Ungefähr 16 Uhr endet die Demo dann in der Fahrgasse. Das Fest an der Konsti startet am Samstag ab 14 Uhr.

Der Sonntag beginnt gegen 15 Uhr mit vielfältigem Programm auf der Hauptbühne. Wie gewohnt sendet Radio Sub von Radio X wieder live von der Kulturbühne.

Das ganze Programm auch mit allen Partys in den Frankfurter Clubs gibt es unter www.csd-frankfurt.de im Internet. mic

Über alle Tage zusammen, rechnet der CSD Frankfurt wieder mit 150 000 bis 200 000 Teilnehmenden. Rund 250 000 Euro braucht der Verein jedes Jahr, um das Event auf die Beine zu stellen. 50 000 Euro koste allein das Sicherheitskonzept. Gerade in der Pandemie sei es nicht leicht gewesen, Spenden zu akquirieren. Letztendlich habe die Community aber durch private Zuwendungen in Kombination mit Sponsoren den CSD 2022 realisiert.

Die Stadt gibt diesmal 15 000 Euro dazu, 5000 Euro mehr als sonst. Trotzdem sei die Summe angesichts der Gesamtkosten marginal, weshalb man perspektivisch nochmals mit der Stadt ins Gespräch kommen wolle, so Reggentin.

Dabei soll der CSD keinesfalls als bunte Parade missverstanden werden, wie unter anderem der Frankfurter Marco Linguri in einem Instagram-Video deutlich macht. Der muslimische Trans-Mann weist darauf hin, dass es um eine Demonstration für Menschenrechte geht.

So wird weiterhin die Verankerung der sexuellen Orientierung und geschlechtlichen Identität im Artikel 3 des Grundgesetzes gefordert. Auch das Transsexuellengesetz von 1980 brauche eine menschenrechtsorientierte Reform.

Auch als selbstverständlich angenommene Grundsätze wie Akzeptanz und Antidiskriminierung müssten wieder infrage gestellt werden angesichts sich häufender homophober Angriffe gegen Menschen in Frankfurt. „Die Gewalt nimmt zu“, merkt auch Reggentin in seinem Umfeld. Deshalb fordert der Verein von der Stadt ein überarbeitetes Sicherheitskonzept im Alltag. Die Politik müsse handeln. „Schöne Reden werden immer geschwungen, aber es bessert sich doch nichts.“

Die Polizei solle zudem mehr Präsenz an Orten, wo das Regenbogenleben stattfindet, zeigen und mehr Aufklärung betreiben. „Und sie muss die Taten mit homophobem Hintergrund öffentlich machen.“ Häufig, wie beim Fall Electra Pain im März, geschehe dies erst zu spät im Nachhinein.

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