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Crackkonsum im Frankfurter Bahnhofsviertel

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Von: Steven Micksch

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Ein Mann  konsumiert im Frankfurter Bahnhofsviertels auf einem Gehweg seine Crack-Pfeife.
Ein Mann konsumiert im Frankfurter Bahnhofsviertels auf einem Gehweg seine Crack-Pfeife. © Frank Rumpenhorst/dpa (Archiv)

Eine qualitative Studie gibt Einblicke in die Frankfurter Drogenszene. Beim Umgang mit einem Teil der Crack-Abhängigen könnte Cannabis als Ersatzstoff helfen.

Crack ist seit 25 Jahren in Frankfurt präsent, aber seit kurzem so dominant wie nie zuvor. Auslöser für den Crackkonsum kann die bloße Anwesenheit im Bahnhofviertel sein. Und ein legaler Zugang zu Cannabis könnte für einen Teil der Konsumierenden eine Hilfe sein. Das sind die Ergebnisse einer qualitativen Untersuchung, die Bernd Werse, Mitbegründer des Centre for Drug Research an der Goethe-Universität Frankfurt, auf dem Fachkongress zum Thema Crack in Großstädten am Dienstag präsentierte.

Die Daten der Studie wurden zwischen Juli und September 2017 in 30 qualitativen Interviews erhoben. Werse hält die Ergebnisse trotzdem für immer noch relevant. Man habe den harten Kern der Frankfurter Drogenszene befragt.

Die Substanz selbst wird von den Konsumierenden als „Stein“ bezeichnet. Je nach Trip wird von guten oder schlechten Steinen gesprochen, wobei die Einschätzung individuell ist.

Werse hat zwei Typen von Konsummustern herauskristallisiert: Binges, bei denen teilweise mehrtägige Konsumepisoden mit unterschiedlich langen Pausen erfolgen, sowie der regelmäßige Konsum mit eher geringen Mengen. Dabei haben die Menschen regelmäßige Schlafrhythmen und zum Teil selbst auferlegte Konsumregeln. Einige Menschen wechseln zwischen diesen beiden Mustern.

Im Alltag erfüllt das Crack eigentlich keine besondere Funktion. Es gehöre zum Alltag, werde mit der Frankfurter Szene assoziiert oder ist verfügbar und wird deswegen konsumiert. Einige Befragte gaben Leistungssteigerung als Motiv an und verglichen es mit einem Kaffee am Morgen. Auch Prostituierte nutzen es, um von Schmerzen beim Sex abgelenkt zu sein.

Als Trigger für die Einnahme wurde am häufigsten die Anwesenheit im Bahnhofsviertel genannt. Ein Verzicht fiele an anderen Orten leichter. Es gebe aber gewisse Entzugssymptome. Dem entgegen wirke bei einem Drittel der Befragten die Einnahme von Cannabis. Obwohl diese Droge eine komplett gegensätzliche Wirkweise hat, stille sie das Bedürfnis des inhalierbaren „Kicks“. Werse sieht hier Chancen für eine Nutzung als Ersatzstoff.

Fakt ist, dass Crack keine neue Erscheinung ist. Resultate aus der alle zwei Jahre erhobenen MoSyD-Szenestudie in Frankfurt zeigen, dass Crack bereits 2002 mit 79 Prozent stark verbreitet war. In den Folgejahren sank die Nutzung auf Werte rund um die 60 Prozent. Ab 2012 folgte ein rapider Anstieg, der 2020 einen Höchstwert erreichte, als 87 Prozent der Befragten Crack nahmen.

Auch das Durchschnittsalter der Drogenszene hat sich verändert. Lag es 1991 noch bei 27,7 Jahren, waren es 2020 41,3 Jahre. 37 Prozent aus der Szene sind obdachlos, 25 Prozent übernachten in einer Notschlafstelle.

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