Coronapanik sieht anders aus. Die Sonne scheint, der Kaffee ist warm und die Zeitung frisch gedruckt.
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Coronapanik sieht anders aus. Die Sonne scheint, der Kaffee ist warm und die Zeitung frisch gedruckt.

Geschäfte

Coronavirus: Viele Sorgen, wenig Umsatz für Geschäfte in Frankfurt

  • Oliver Teutsch
    vonOliver Teutsch
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Nicht nur die Touristen bleiben wegen des Coronavirus in Frankfurt lieber zu Hause.

Rakesh Oberoi steht vor seinem Geschäft und schaut sorgenvoll über den Römerberg. Viele Menschen sind nicht zu sehen. „Ich habe immer gesagt, der Römer schläft nie“, so Oberoi. Doch jetzt wird er eines Besseren belehrt. „Die Menschen haben Angst“, glaubt der Unternehmer. Oberoi hat einen Souvenirladen in der Ostzeile des Römerbergs. „Wir sind zu 90 Prozent von Touristen abhängig.“ Eben um diese 90 Prozent sei der Umsatz in den vergangenen Tagen eingebrochen. Sonst habe er an einem Samstag 2000 bis 3000 Euro Umsatz, jetzt seien es noch 200 bis 300 Euro. Seine bis zu sechs Angestellten, die im Laden arbeiten, kann er aktuell nicht beschäftigen, der Unternehmer muss über Kurzarbeit nachdenken. Oberoi deutet Richtung Paulsplatz. „Dort steht sonst alles voll mit Reisebussen.“

Es ist in der ganzen Stadt deutlich weniger los als sonst und das, obwohl die ersten Sonnenstrahlen seit Tagen viele nach draußen locken. Das Main-Café hat geöffnet. Auch dort, wo sich sonst bei den ersten Sonnenstrahlen des Jahres viele Menschen treffen, ist wenig los. Auf der anderen Seite des Schaumainkais kommt eine Frau die Treppen des Städel-Museums runter. „Das Städel hat auf“, sagt die Frau und ist selbst etwas verwundert. Die Schirn habe nämlich zu. Das Städel hat in der Tat auf. „Wir sind kein städtisches Museum“, erklärt eine Mitarbeiterin an der Kasse. Doch gelohnt habe das Öffnen nicht. Etwa ein Prozent der sonstigen Besucherschar sei gekommen. Am Sonntag verkündete dann fast folgerichtig auch das Städel, zunächst bis zum 10. April zu schließen.

Aber um Abstand wird gebeten.

Aber die Kleinmarkthalle hat auf. Die Schlange für die Schreiber-Wurst ist nicht kürzer als sonst auch. Die Verkäuferin einer benachbarten Metzgerei sagt jedoch: „Es ist ein bisschen weniger los als sonst, aber nicht viel.“ Auch die Weinterrasse der Kleinmarkthalle ist geöffnet. Der Zugang wird allerdings von Mitarbeitern reglementiert. „Eine Auflage der Stadt, die Terrasse darf nicht zu voll werden“, so ein Mitarbeiter. Auch Gläser dürften keine mit nach draußen genommen werden. Viele stehen aber ohnehin lieber vor der Kleinmarkthalle in der Sonne.

Auch auf dem Wochenmarkt an der Konstablerwache lassen sich viele ihren Wochenendschoppen im Freien nicht nehmen. Hinter einem Apfelweinstand, fernab anderer Besucher, trinkt ein älterer Herr in schicken blauen Einweghandschuhen alleine seinen Sauergespritzten. Auf Nachfrage verrät er, dass er gerade aus dem österreichischen Skiort Ischgl zurück sei. Symptome des grassierenden Virus habe er keine, aber eigentlich müsste er in häuslicher Quarantäne weilen und hat wohl keine Lust dazu. Natürlich ist auch an den Stehtischen auf dem Wochenmarkt überall Corona das Thema. Ein Herr stöhnt, er würde im Minutentakt Coronawitze auf sein Smartphone bekommen. In Frankreich würden Rotwein und Kondome knapp, in Deutschland Toilettenpapier. Jeder bewältigt die Krise anders.

Sogar am Obst- und Gemüsestand.

Dabei ist wahrlich nicht jedem zum Lachen zumute. Auch der Einzelhandel auf der Zeil leidet. Im Karstadt ist kaum ein Kunde zu sehen. Die Rolltreppen laufen leer vor sich hin. Ein sehr ungewöhnliches Bild für einen Samstagnachmittag. Eine Verkäuferin der Parfümerie-Abteilung sagt: „Es ist so viel los, wie sonst an einem Montag oder Dienstag.“ Sie sei gerade in der Pause gewesen. „Nicht mal bei McDonald ist was los“, sagt sie.

Auch in Restaurants und Kneipen ist deutlich weniger los. In der Pilskneipe Doctor Flotte in Bockenheim sinnieren ein paar Stammgäste, wie lange sie überhaupt noch kommen dürften. „In Berlin haben sie die Kneipen schon dichtgemacht“, unkt einer. Als der Besitzer eines italienischen Restaurants die Kneipe betritt, raunt jemand: „Keine Coronawitze.“ Das Lachen ist nicht nur Rakesh Oberoi vergangen.

Von Oliver Teutsch

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