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Julia Maertz und ihr Mann Christian vom Café und Concept Store oheim liefern mit ihrem Mini seit wenigen tagen ihre selbstgebackenen Kuchen, Quiche, aber auch Gin oder Schokolade aus klenen Manufakturen aus.

Gastronomie in Frankfurt

Frankfurter Gastronomen in Coronakrise: „Man muss zwangsläufig unternehmerisch kreativ sein“

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In Zeiten von Corona haben Frankfurter Gastronomen in wenigen Tagen neue Geschäftsmodelle entwickelt – von Lieferservice bis Webshop. Eine Übersicht.

  • Coronakrise trifft Gastronomen in Frankfurt.
  • Viele Restaurants bieten inzwischen einen Lieferservice an.
  • Viele Gastronomen reagieren kreativ auf die Coronakrise.

Frankfurt - „Wir stehen kurz vorm Ave Maria wegen der Coronakrise. Aber Aufgeben ist nicht. Also haben wir spontan entschlossen, ab sofort auch einen Lieferservice anzubieten“, sagt Armand Shaphasa. Der 32-Jährige ist Koch des kleinen italienischen Bistros „Sosta e Gusta“ in Frankfurt-Bockenheim. Ein Familienunternehmen, das erst im Januar eröffnet hat. An diesem Mittag steht er statt in der Küche vor dem Bistro und verteilt Flyer, auf denen angekündigt wird, dass sie jetzt auch ihre selbst gemachte Pasta und Focaccia nach Hause liefern.

Normalerweise verweilen mittags in der Ladengalerie an der Leipziger Straße die Kunden und essen an den kleinen Tischen. Aber jetzt, wo sie ihren kleinen Gastraum seit vergangenem Samstag wegen der Corona-Pandemie nicht mehr öffnen dürfen und viele Leute von zu Hause aus arbeiten, kämen kaum Gäste, die zum Mitnehmen bestellten. „Der Lieferservice läuft langsam an. Aber zu Hause bleiben, bis die Krise vorbei ist, ist keine Option.“

Restaurants in Frankfurt: Lieferservice wegen Coronakrise

Auch in Frankfurt-Sachsenhausen ist Aufgeben keine Option. Im Kofferraum ihres braunen Hybrid-Minis haben Julia Maertz und ihr Mann Christian am Vormittag in der Oppenheimer Landstraße Kartons und Papiertüten verstaut. Darin selbst gebackene Quiche und Kuchensorten wie Zitronen-Baiser-Tarte, aber auch Kaffeebohnen, Gin und Schokoladen aus kleinen Manufakturen oder auch hübsche Notizbücher. Alles Dinge, die es bislang im „oheim“, das eine Mischung aus Café und Laden ist, seit acht Jahren ausschließlich vor Ort zu kaufen gab. 

„Normalerweise ist an einem sonnigen Tag wie heute unsere Sonnenterrasse voll, und die Leute würden hier gerade frühstücken. Corona gehört nicht zu den sonnigen Momenten. Aber man muss zwangsläufig unternehmerisch kreativ sein, damit es uns auch nach Corona noch gibt“, sagt Julia Maertz. Um sechs Uhr stand die 39-Jährige an diesem Tag schon in der Backstube.

Coronavirus trifft Gastronomen in Frankfurt

Vergangenes Wochenende, nachdem am Freitag verkündet worden war, dass Gastronomiebetriebe am nächsten Mittag wegen der Corona-Pandemie schließen müssen, hätten sie ihr Lieferkonzept innerhalb von zwei Tagen erstellt. „Wir wollen jetzt, wo die Leute nicht mehr zu uns kommen können, zumindest Glücksmomente nach Hause bringen. Und natürlich müssen wir auch ein bisschen Umsatz machen. Denn unsere Grundkosten wie Miete und Strom laufen ja weiter.“

Zum Schutz ihrer Mitarbeiter und Kunden hätten sie sich dagegen entschieden, Kaffee oder Kuchen zum Mitnehmen anzubieten. „Es darf auch keiner etwas bei uns abholen. Wir liefern kontaktlos.“ Ihr Mann fährt, eine der sechs Mitarbeiterinnen klingelt und stellt die Tüte auf der Treppenstufe oder vor der Haustür ab. „Manche Kunden nicken uns aus der Ferne zu oder werfen uns einen Luftkuss zu. Andere bleiben in ihren Wohnungen.“ Bestellt werden kann ausschließlich per Mail, die Rechnung kommt mit der Bestätigungsmail.

Restaurants in Frankfurt: Coronakrise bedeutet Umstellung

„Klar bedeutet die Umstellung einen viel längeren Arbeitstag“, sagt Maertz. Bislang hätten sie bewusst als „stationärer Ort“ keinen Onlineshop gewollt. „Manche Kunden kennen unser Sortiment. Aber damit alle wissen, welches Kuchenstück oder welche Quiche wir am nächsten Tag ausliefern, posten wir jetzt jeden Tag um 13 Uhr eine Liste der wechselnden Tagesangebote auf unseren Storys auf Instagram und Facebook.“ Ein Stück Quiche kostet 4,90 Euro. Ein Stück des Blaubeer-Baiser-Käsetörtchens gibt es für 4,50 Euro. Auch ganze Kuchen oder Champagner kann man dazubestellen.

Kurz bevor sie losfahren wollen, läuft eine junge Frau am „oheim“ vorbei. „Ich würde gerne einen Geburtstagskuchen bestellen, wenn ich schon wegen Corona alleine feiern muss“, sagt sie und lacht. „Schick uns eine Mail, ich suche dir Fotos von Kuchen raus, und wir bringen ihn dir morgen vorbei“, sagt Maertz.

Schutz vor Coronavirus: Restaurants in Frankfurt liefern Essen aus

Armand Shaphasa ist Koch bei Sosta e Gusta, in der Leipziger Straße 5 in Bockenheim. Auch das Familienunternehmen liefert jetzt aus.

Auch Koch Simon Horn, der das Restaurant „Margarete“ in der Braubachstraße zusammen mit Raffaela Schöbel betreibt, hat sich überlegt, wie es weitergeht. „Wir rechnen damit, dass die Coronakrise bis zu vier Monate dauern könnte.“ Der 36-Jährige betont: „Nur auf den Staat zu zählen ist ein komisches Gefühl, Kredite müssen auch zurückgezahlt werden.“ Und schließlich wollten sie ihr 40-köpfiges Team nicht fallenlassen. „Uns war von Anfang an wichtig, dass wir das Essen nicht einfach in die Styroporbox packen und dieses lauwarm beim Kunden ankommt.“ Zusammen mit der Digitalagentur Ena Office entwickelten sie in den vergangenen Wochen ein neues Geschäftsmodell: „Margarete Zuhause“. Denn: „Wir wollen das Restaurantgefühl nach Hause bringen. Wir liefern nicht nur Essen, sondern auch die passenden Blumen für den Tisch, den Wein und die Musik als Spotify-Playlist dazu.“

Das Essen kann man sich seit Donnerstag im neuen Webshop zusammenstellen: Es gibt keine Einzelmenüs, dafür Boxen, aus denen der Gast mindestens fünf Gerichte zusammenstellt.

Los geht es mit der Stammessenbox für 60 Euro, die Dinnerbox kostet 135 Euro. Die Stammessenbox reicht für fünf Personen. „Es kann auch eine Person fünf Tage davon satt werden“, sagt Horn. Das Essen muss nämlich nicht gleich verzehrt werden. „Die Gerichte werden von uns mit vorbereitet, dann in Beutel vakuumiert, der Gast muss den Beutel zu Hause nur noch im Wasserbad erhitzen. Es ist so einfach wie Spaghettikochen.“ Es gibt sogar ein Erklärvideo. „Der Lachs dauert fünf Minuten, die Lammhaxe 15 Minuten. Die Haxe muss noch kurz in den Ofen.“

Lieferservices in Frankfurt trotzen Coronavirus

Sosta e Gusta,Leipziger Straße 5, Montag bis Samstag, 11.30 bis 20 Uhr, Bestellungen unter Telefon 0151 /424 556 65, Lieferung ab 15 Euro in Bockenheim und Umgebung, Selbstabholen möglich, www.sostagusta.de. 

Oheim,Oppenheimer Landstraße 48, Bestellungen bis 20 Uhr am Vortag, dienstags bis sonntags. Keine Selbstabholung. Bestellung ausschließlich per E-Mail an: bestellung@oheim.eu: Tagesauswahl auf den Storys von Instagram und Facebook von Oheim. Fahrten im Rhein-Main-Gebiet. Innerhalb von Frankfurt ist der Mindestbestellwert 10 Euro. Außerhalb liegt dieser bei 25 Euro. 

Margarete Zuhause, Braubachstraße 18. Im Frankfurter Stadtgebiet liefern sie täglich bei Bestellung bis 13 Uhr am nächsten Tag. Es gibt keine Einzel-Gerichte, sondern Boxen mit verschiedenen Gerichten, die bereits vorbereitet sind und zu Hause nur noch im Wasserdampf gekocht werden, los geht es ab 60 Euro. Selbstabholen möglich. Bestellen und bezahlen auf: https://zuhause.margarete-restaurant.de

Gutes Essen in Coronakrise: Frankfurter Restaurants liefern mehr

Das Vevay Café, Kleiner Hirschgraben 10, liefert vegetarische und vegane Gerichte kostenfrei Montag bis Samstag 12 bis 20 Uhr, Bestellungen nur in Frankfurt in allen zentralen Stadtteilen von Bockenheim bis Ostend, Bestellungen: Telefon 069 / 907 586 19,Selbstabholung möglich. www.vevay-cafe.de

Apfelweinwirtschaften:Kanonesteppel, Textorstraße 20. Neben der regulären Karte gibt es weiterhin täglich wechselnde Gerichte. Das Angebot für die nächsten Tage findet man auf der Facebook-Seite des Lokals. Bestellungen: Telefon 0157 / 361 056 59, täglich außer sonntags, 12 bis 15 Uhr und 17 bis 20 Uhr, Selbstabholung möglich. Vorbestellungen erwünscht; Im Homburger Hof, Engelthaler Str. 13, gibt es Essen von der regulären Speisekarte und Apfelwein zum Abholen: Montag bis Freitag von 11.30 bis 14 Uhr und 17 bis 20 Uhr, Samstag und Sonntag von 11.30 bis 20 Uhr. Bestellungen per Telefon: 069 / 954 162 42; Liefer- und Abholservice des Gasthauses Zum Lemp, Berkersheimer Obergasse 12, dienstags bis samstags von 12 bis 21 Uhr, Sonntag von 12 bis 20 Uhr, Telefon: 069 / 954 116 16. 

Corona in Frankfurt: Alle Restaurants sind betroffen

Elaines Deli, Frühstücks-und Brunch-Restaurant, Taunustor 1 bis 3, Bestellungen telefonisch: 069 / 204 345 26 oder über Instagram, 10 bis 16 Uhr täglich. Selbstabholen möglich. 

Auf der Instagram-Seiteder gemeinnützigen Organisation Local Lovers findet man täglich neue Frankfurter Gastronomien und Läden, die jetzt auch liefern: Instagram: local_lovers_. Auch gibt es eine stetig aktualisierte Liste auf der Website des Magazins „Frankfurt du bist so wunderbar“, und zwar unter www.frankfurtdubistsowunderbar.de

Von Kathrin Rosendorff

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