Die vier Meter hohe Giraffe mit Kronleuchter auf dem Stand der italienischen Firma Queeboo. 
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Die vier Meter hohe Giraffe mit Kronleuchter auf dem Stand der italienischen Firma Queeboo. 

Konsumgütermesse

Durchgeknallte Designsachen bei der Konsumgütermesse Ambiente in Frankfurt

  • Kathrin Rosendorff
    vonKathrin Rosendorff
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Mehr als 4635 Aussteller aus 93 Ländern präsentieren sich von Freitag bis Dienstag auf der Ambiente in Frankfurt. Es gibt viel Blaues, aber auch viel für den besonderen Geschmack.

Wer hat sonst noch eine Giraffe im Garten stehen? Das ist doch der Kracher.“ Das betont Mirko Micalef, dessen Agentur die italienische Designmarke Qeeboo auf der Konsumgütermesse Ambiente in Frankfurt vertritt. Vor ihm steht am Donnerstag, einen Tag vor dem offiziellen Messebeginn, eine weiße Giraffe aus Fiberglas. Vier Meter ist sie hoch – laut Hersteller entspricht das der Größe einer echten Junggiraffe.

Die „Giraffe in Love“ aus Fiberglas hat einen beleuchteten Kronleuchter im Maul und kostet 25 000 Euro. „Viele bekannte italienische Familien haben so eine Giraffe im Garten“, erzählt Micalef. Angeblich soll auch „Herr Bunga Bunga“ ein stolzer Besitzer sein. Als kleine Lampe für den Nachttisch gibt es die „Giraffe in Love“ auch, dieses Modell kostet 399 Euro.

Die italienische Marke Qeeboo des Designers Stefano Giovannoni, erstmals auf der Frankfurter Messe vertreten, sei in Italien und Frankreich sehr beliebt, sagt Micalef. „Wir wollen sie jetzt auch in Deutschland bekannter machen.“ Er zeigt auf einen Schirmständer, der an den weißen Hai erinnert. „Killer“ heißt er, und es gibt ihn ab 87 Euro.

Nicht bei der Mode auch bei Tellern ist die diesjährige Trendfarbe Blau zu sehen. Wie hier am Stand von Steelite International

Mehr als 4635 Aussteller aus 93 Ländern präsentieren sich von Freitag bis Dienstag auf der Ambiente. Einen Tag vor dem Auftakt wird noch viel gebohrt und aufgestellt. „Jede Stunde kommt ein neuer Stand hinzu“, sagt eine Messe-Mitarbeiterin. Unweit von ihr pausieren ein paar Männer und bereiten sich erst mal mit dem Sandwich-Maker ein frühes Mittagessen zu. Irgendwo läuft zur Motivation ein Song von Justin Timberlake. Eine Inderin mit Mundschutz bügelt.

Die meisten, die hier Mundschutz tragen, sind Asiaten. „Aber den tragen Asiaten seit Jahren. Schon lange vor dem Coronavirus“, betont die Messe-Mitarbeiterin. Auf den Laufbändern, die die vielen Kilometer zwischen den Hallen erleichtern, ist noch nicht viel los. Ein Herr, der besonders schnell vorwärtskommen möchte, nutzt sogar seinen E-Roller auf dem Band. Halle 6 ist die Halle für alles, was Hotels, Cafés und Restaurants so brauchen. „Ein boomender Markt“, sagt Anil Öt, ein Sprecher der Messe. Er steht vor vielen blauen Tellern. „Blau ist auch bei Konsumgütern die Trendfarbe.“

Coronavirus

Laut Messe Frankfurt gibt es 664 chinesische Aussteller, darunter vier aus Wuhan, die sich für die Ambiente angemeldet haben. Die Frage war bis zuletzt unklar, wer von Freitag bis Dienstag an diesen Ständen der Konsumgütermesse stehen würde. Sicher war, dass keine Firmenvertreter aus Wuhan und Hubei, den von den chinesischen Behörden unter Quarantäne gestellten Gebieten, nach Frankfurt reisen können. Es werde noch mehr Desinfektionsmittelspender geben als sonst.

Einen Tag vor Messebeginn äußern sich Aussteller sehr unterschiedlich zum Thema Coronavirus. Ein Herr aus Kassel sagt: „Ich wollte eigentlich meine Kinder auf die Messe mitbringen. Aber ich habe Angst wegen des Virus. Und ich habe auch keinen Desinfektionsmittelspender gefunden.“ Eine dänische Ausstellerin sagt:„Das ist Panikmache. Ich werde keine Atemmaske tragen.“

Kai Klose (Grüne), hessischer Sozialminister, hat vor rassistischem Verhalten gegenüber Menschen mit asiatischem Aussehen gewarnt. „Wir alle sollten ständig kritisch hinterfragen, wie wir anderen begegnen“, sagte Klos. Es gebe keinen Anlass zur Panik wegen des neuartigen Erregers. 

Auch das Thema Nachhaltigkeit spielt bei der Ambiente eine wichtige Rolle. Beim dänischen Label Lind DNA werden aus gebrauchtem Leder (alte Schuhe oder Möbel) Tischsets gemacht. In braun oder auch im angesagten „waldgrün“, für 22 Euro pro Stück. „Wir haben auch ein Brett, das wie Holz aussieht, aber in Wahrheit gepresstes Papier ist“, erzählt Eva Schierff.

Decken aus alten Saris verkauft das niederländische Label Van Verre. „Bis zu zehn Saris verwenden wir für eine Decke“, sagt Mitarbeiterin Rose. Es gibt auch Armbänder aus alten Flip-Flops, die der Chef von Van Verre zufällig in Mali entdeckte. Frauen aus Mali stellen sie her. „Seit sie mit uns arbeiten, können sie vom Verkauf der Armbänder ihren Lebensunterhalt bestreiten“, erzählt Rose. „Uns ist wichtig, dass wir nicht nur gute und schöne Produkte verkaufen, sondern auch, dass die Leute, die sie herstellen, entsprechend entlohnt werden.“

Auf einer Ausstellungsfläche präsentiert eine Designerin Sitzmöbel, die aussehen wie ein Turnbock. Alte Traumata aus dem Schulsport brechen aber nicht aus – man muss nicht drüberspringen, sie sind niedrig genug, um sich draufzusetzen.

„Bei uns gibt es Möbelstücke, die nicht Mainstream, aber instagramtauglich sind“, sagt Susanne Knacke von Kare. „Statt vieler kleiner Accessoires wie früher Windlichter, braucht man heutzutage nur ein auffallendes Statement-Deko“, sagt sie. Das könnte der 2,40 Meter hohe und goldfarbene King Kong sein. Für 4000 Euro kann man den erwerben.

Hm, dann doch vielleicht lieber im Beethovenjahr einen solarbetriebenen Mini-Ludwig-van, der für 23 Euro losdirigiert, aus dem Sortiment von Kikkerland Design, das ein Holländer gegründet hat. Beliebt ist auch der Selfie-Clip für Hunde, mit dem man ein Leckerli ans Smartphone stecken kann, so dass der Hund freudig in die Kamera schaut.

Ansonsten verraten wir Ihnen noch unser persönliches Lieblingsstück auf der Ambiente: Die Wischmop-Überzieher für Hausschuhe. Die gibt es in giftgrün für fünf Euro oder als pinkfarbenes Lama für 16,90 Euro. Damit kann man die Wohnung putzen wie einst Pippi Langstrumpf. Mega.

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