In Fuldatal informieren Aufsteller in türkischer und russischer Sprache über die Verhaltensweise bei Verdacht auf Coronavirus.
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In Fuldatal informieren Aufsteller in türkischer und russischer Sprache über die Verhaltensweise bei Verdacht auf Coronavirus.

Coronavirus

Coronavirus: Infos nur auf Deutsch – Migrantische Community hilft sich selbst

  • Friederike Meier
    vonFriederike Meier
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  • Stefan Simon
    Stefan Simon
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Wer wenig oder kein Deutsch spricht, informiert sich über Schutzmaßnahmen vor dem Coronavirus in den Herkunftsländern. Denn die Informationen der Behörden in Frankfurt sind nur auf Deutsch.

  • Informationen über das Coronavirus in Frankfurt gibt es von den Behörden nur auf Deutsch
  • Viele nicht deutschsprachige Migranten informieren sich deshalb über die Medien ihrer Heimatländer
  • Es herrscht Verunsicherung über die Maßnahmen gegen das Virus in Deutschland

Update vom 16.03.2020, 16.21: Mittlerweile informiert die Stadt Frankfurt Bürgerinnen und Bürger über das neuartige Coronavirus Sars-CoV-2 auch auf Englisch.

Frankfurt - Jeden Tag steigt die Anzahl an Infizierten durch das Coronavirus. Wer sich über Schutz- oder Verhaltensmaßnahmen informieren will, muss bloß googeln und schon tauchen zahlreiche Informationen im Internet auf, ob Links zu Nachrichtenseiten oder zu Internetseiten der Gesundheitsämter. Doch eines haben all diese Seiten gemeinsam: Ihre Informationen zu Corona sind alle auf Deutsch.

Coronavirus: Informationen der Behörden in Frankfurt nur auf Deutsch

Dabei leben allein in Frankfurt und Offenbach über 277 000 Menschen aus über 150 Nationen. Darunter sind neben Geflüchteten auch Menschen, die zwar schon für einen längeren Zeitraum in Deutschland leben, aber die deutsche Sprache nicht oder nur teilweise beherrschen. Doch wie informiert sich die nicht deutschsprachige migrantische Community zu Schutz und Gefahren des Coronavirus?

Coronavirus in Frankfurt: Viele Nachfragen der migrantischen Community

Jumas Medoff, der Vorsitzende der Kommunalen Ausländer- und Ausländerinnenvertretung (KAV) der Stadt Frankfurt, berichtet von vielen Anrufen aus den migrantischen Communities. Verschiedene Kulturvereine und Konsulate meldeten sich bei der KAV und fragten, was sie ihren Mitgliedern sagen sollten.

Coronavirus in Frankfurt: Migrantische Communities verunsichert

„Die Menschen vergleichen die Situation hier mit ihren Heimatländern.“ Besonders Frankfurter*innen aus den asiatischen Communities hätten sich gewundert, dassin Deutschland so wenig Masken getragen würden und große Veranstaltungen lange noch stattgefunden hätten. Als Gesundheitsminister Jens Spahn die Absage von Großveranstaltungen gefordert habe, seien viele verunsichert gewesen, da zeitweise etwa noch geplant gewesen sei, die Luminale ganz normal stattfinden zu lassen. „Wer aus anderen Ländern kein föderales System kennt, wundert sich darüber“, sagt Medoff.

Coronavirus in Frankfurt: Viele Falschmeldungen kursieren

Für die Vereine, die sich an die KAV wenden, sei es weniger ein Problem, dass die offiziellen Informationen auf Deutsch seien, dennviele könnten ohnehin Deutsch und läsen deutsche Zeitung. „Für die Älteren übersetzen die Vereine oft zusätzlich die Informationen.“ Allerdings kursierten in vielen Communities wilde Spekulationen über angebliche Wundermittel. Deshalb wünscht er sich generell mehr Informationen vom Gesundheitsamt: „Es fehlt an qualifizierten Informationen, die wir weiterleiten können.“ Es werde zwar schon informiert, aber „je ausführlicher, desto besser“.

Coronavirus: Sorge über Maßnahmen in Frankfurt bei migrantischer Community 

Ab Montag bleibt die Bücherei zu. Wie das nun wohl mit den überzogenen Ausleihen ist?

Wie sehr Informationen in anderen Sprachen fehlen, zeigen Berichte aus der iranischen, pakistanischen, marokkanischen und armenischen Community. Die Menschen besorgten sich die Informationen aus ihren Heimatländern, sagt Sahar Sanaie, die aus Gesprächen von Nachbarn und Freunden berichtet. „Sie haben zu Hause Satellitenempfang und können dadurch die Nachrichten verfolgen. Dort wird auch über die Situation in Europa berichtet.“Sie seien über das Verhalten der Deutschen überrascht. „Die Hamsterkäufe finden sie sehr seltsam.“ Anderseits würden sie sich über die Lage in Deutschland wundern, weil sie das Land immer als sehr sicher eingestuft hätten.

Darüber hinaus berichten Sanaies Bekannte, dass vor allem ältere Menschen eher zu Hause blieben und sich Einkäufe von ihren Familienmitgliedern bringen ließen. „Sie gehen nicht zu den Stoßzeiten zum Arzt oder meiden die öffentlichen Verkehrsmittel. Aus der Ruhe lassen sie sich dennoch nicht bringen, denn sie machen sich mehr Sorgen über ihre Verwandten in den Herkunftsländern als über sich selbst.“

Coronavirus in Frankfurt: Informationen  in migrantischen Communities vor allem über soziale Medien

Antworten über das Verhalten der eritreischen Community liefert Zerai Kiros Abraham. Er ist Leiter vom Projekt Moses, das Integrationsarbeit für Eritreer leistet. Abrahams Landsleute informieren sich überwiegend über die sozialen Medien. „Sie schauen Videos von einem Arzt aus England an. Sein Spitzname ist ‚Lino‘“, sagt er. Vieles liefe auch über Mund-zu-Mund-Propaganda. Der Verein selbst gebe keine Informationen an die Eritreer heraus. „Wenn wir ihnen sagen, sie sollen aufpassen, bekommen sie Panik und die Leute haben jetzt schon Angst um ihre Situation in Deutschland“, sagt Abraham. Man wolle sie nicht noch mehr verängstigen. „Viele von ihnen leben in Flüchtlingsheimen. Sie wären überfordert, wenn wir uns einmischen.“

Coronavirus: Flüchtlingsheime in Frankfurt in enger Abstimmung mit Gesundheitsamt

In den Flüchtlingsheimen bleiben Abrahams Leute nicht uninformiert. Katrin Wenzel, Leiterin der Stabsstelle für Flüchtlingsmanagement der Stadt Frankfurt, sagt: „Wir sind in enger Abstimmung mit dem Gesundheitsamt und dem Jugend- und Sozialamt, welche Informationen und Maßnahmen in unseren Unterkünften aktuell zu treffen sind.“ Alle relevanten Informationen würden selbstverständlich an die Bewohner gegeben. „Hier ist Transparenz oberstes Gebot.“

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