Vor allem ältere Menschen sind gefährdert und brauchen Unterstützung.
+
Vor allem ältere Menschen sind gefährdert und brauchen Unterstützung.

Coronavirus

Coronavirus: Nachbarn helfen Nachbarn in Frankfurt und Offenbach

  • Agnes Schönberger
    vonAgnes Schönberger
    schließen
  • Friederike Meier
    Friederike Meier
    schließen
  • Stefan Simon
    Stefan Simon
    schließen

Nachbarschaftsinitiativen in Frankfurt und Offenbach wollen Menschen aus Risikogruppen im Alltag unterstützen.

Innerhalb von zwei Tagen haben sich allein in Frankfurt mehr als 1600 Menschen zusammengefunden, die solidarische Nachbarschaftshilfe anbieten möchten. Sie organisieren sich in der Gruppe „Solidarisch trotz Corona – Ffm“ über den Nachrichtendienst „Telegram“. Aus der Gruppe heraus haben sich wiederum mehrere Stadtteilgruppen gebildet. Ziel sei es, Menschen im Alltag zu helfen, die zu den Risikogruppen zählen und daher gefährdet seien, am Coronavirus zu erkranken, erläutert Mitgründerin Zara.

Aber auch Menschen, die sich einsam fühlen, an Depressionen leiden oder häuslicher Gewalt ausgesetzt sind, sollen unterstützt werden, sagt Zara. „Solidarisch heißt, nicht nur Menschen zu helfen, die unter häuslicher Quarantäne stehen.“ Eigentlich hatte Zara „Solidarisch trotz Corona“ für sich und ihre Freunde gegründet. Doch die Idee breitete sich im Internet aus wie ein Lauffeuer. „Die Gruppe wurde geteilt, empfohlen und innerhalb von zwei bis drei Stunden wuchs sie auf 200 Mitglieder an. Wir haben dann die Leute aufgefordert, sich in Stadtteilgruppen zu organisieren.“

In diesen Gruppen erstellten Mitglieder für ihre Nachbarn sogenannte Hausflyer in zwölf Sprachen. Darin bieten sie an, Einkäufe und Besorgungen zu übernehmen oder mit dem Hund rauszugehen.

Informationen

Unter der Internetseitehttps://www.corona-soli-ffm.org steht eine Anleitung zum herunterladen der Nachrichten-App Telegram

Alle 15 Stadtteilgruppen,die jeweils aus drei bis vier Stadtteilen bestehen, sowie die Gruppen Offenbach, Darmstadt und Mainz sind einzeln mit einem Link versehen.

Der Sicherheitsleitfaden, die Hausflyer in allen zwölf Sprachen und Plakate können heruntergeladen und ausgedruckt werden. 

Darüber hinaus hat die Gruppe einen Sicherheitsleitfaden erstellt, für alle, die ihren Mitmenschen Unterstützung anbieten wollen. „Wir haben extra Rücksprache mit Medizinerinnen und Medizinern gehalten, worauf die Leute achten sollen, wenn sie ihre Hilfe anbieten“, sagt Zara. Unter Punkt zwei heißt es zum Beispiel: „Helft wenigen, aber kontinuierlich. Wenn ihr babysitten wollt, sucht euch eine Familie, und helft nur dieser Familie“ oder „Einkauf vor die Tür legen, telefonieren statt treffen, physisch Kontakt mit Menschen aus der Risikogruppe möglichst vermeiden“.

„Es muss sich alles noch etwas finden“, sagt Zara. Denn in den Gruppen seien die Voraussetzungen unterschiedlich groß. So beteiligten sich in den Stadtteilen Gallus, Rödelheim oder Bockenheim das Mehrgenerationenhaus, die AWO oder das Centro Rödelheim. „Wir setzen darauf, dass alle voneinander lernen.“

Auch die Kirchengemeinden wollen helfen. Die Gemeinde Frieden und Versöhnung im Gallus beispielsweise plant, im Laufe der Woche alle älteren Gemeindemitglieder anzurufen. „Wir wollen fragen, wie es ihnen geht, ob sie Hilfe brauchen, aber auch einfach für ein Schwätzchen zur Verfügung stehen“, sagt Arne Knudt, Vorsitzender des Kirchenvorstands. Menschen, die Hilfe benötigen und solche, die helfen wollen, können sich unter 069/ 733 317 bei der Gemeinde melden. Auch die Hilfenetze der Caritas Frankfurt, die auch sonst Seniorinnen und Senioren, Behinderte und Kranke im Alltag unterstützen, engagieren sich in der Corona-Krise. Die Hilfenetze gibt es in verschiedenen Stadtteilen, sie sind unter 069/298 211 93 zu erreichen.

Die Junge Union (JU) Offenbach bietet ab sofort einen kostenlosen Einkaufs- und Lieferservice für ältere und kranke Mitbürger an, die in Zeiten des Coronavirus Hilfe brauchen. Wie die JU-Vorsitzende Kim-Sarah Speer mitteilte, beteiligt sich der Stadtverband an der Aktion „Einkaufshelden“ der JU Deutschland. Registrieren können sich sowohl Helfer als auch Hilfsbedürftige unter www.die-einkaufshelden.de. Der Dienst ist ist kostenfrei.

Speer betonte, man habe auch Freunde und Bekannte außerhalb der JU für das Projekt gewinnen können. „Das sollte man parteipolitisch losgelöst sehen.“ Sie hoffe, dass alle Jugendorganisationen in Rhein-Main in dieser Frage zusammenarbeiten, wie es bereits im Werra-Meißner-Kreis der Fall sei. Dort greifen die Nachwuchsorganisationen von der JU bis zur Linksjugend gemeinsam in der Corona-Krise Erkrankten und Menschen in häuslicher Quarantäne unter die Arme.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare