+
Mit Masken schützen sich zwei Passagiere auf ihrem Weg durchs Terminal.

Reisen

Coronavirus: Geplatzte Urlaubsträume

  • schließen

Vielen Reisenden wird am Flughafen wegen des Coronavirus der Abflug verwehrt, andere haben Existenzangst.

  • Für viele Menschen kann der Urlaub wegen Corona nicht stattfinden 
  • Der Frankfurter Flughafen ist teils wie leer gefegt
  • Reiseveranstalter plagen Existenzsorgen

Wenigstens bei Qatar Air ist an diesem Samstag noch was los. Vor dem Check-in im Terminal 1C am Flughafen hat sich eine kleine Schlange gebildet, in der auch zwei junge Pärchen aus Paderborn warten. Die Laune könnte aber besser sein. „Wir fliegen wahrscheinlich nirgendwo hin“, beantwortet einer der Männer die Frage nach dem Reiseziel. Geplant war, über Doha nach Bangkok zu fliegen und dann drei Wochen durch Thailand zu reisen. Sechs Monate im Voraus war der Urlaub geplant. Jetzt will sich das Quartett aber erst mal beraten lassen. „Es kann gut sein, dass wir von Doha gar nicht mehr weiter kommen“, befürchtet der junge Mann. In den Emiraten stranden möchte aber niemand aus der Reisegruppe.

Ansonsten herrscht gähnende Leere im Flughafen. Viele Flüge sind schon gecancelt, im Laufe des Nachmittags kommen immer mehr dazu, weil viele Länder ihre Grenzen dichtmachen. Im Reisecenter im ersten Stock von Terminal 1C ist weit und breit kein Kunde zu sehen. Die Mitarbeiterin eines Last-Minute-Anbieters wirkt leicht konsterniert, sie hat viel mit Stornos zu tun. „Man möchte am liebsten weglaufen“, gesteht sie. Die Türkei habe jetzt auch dichtgemacht. An der Angebotswand hinter ihr werden aber noch Flugreisen in die Türkei beworben. Für den Hinweis ist sie dankbar. „Die nehme ich gleich ab. Und sehen Sie noch irgendwo Tunesien? Die können auch runter.“ Die Angebotswand hinter ihr gleicht jetzt einem Flickenteppich.

Mitarbeiter auf dem Frankfurter Flughafen unter sich

Das hat bisher nur ein isländischer Vulkan geschafft.

Reisen in die USA werden natürlich auch keine mehr angeboten, aber Flüge dorthin gibt es noch. Ein Condor-Flug nach Seattle geht in einer Stunde, doch am Schalter der Airline sind die Mitarbeiter unter sich. „Sind alle schon am Gate, es waren nicht viele“, sagt ein Mitarbeiter. Fliegen dürften ohnehin nur US-Amerikaner und Menschen mit Green Card.

Doch während es für viele Menschen nur um einen geplatzten Urlaubstraum geht, bringt die Coronakrise andere in Existenznot. Die Besitzerin eines Ladens für Reisebedarf hat alle Zeit der Welt, ihr Sortiment zu sichten. Mindestens 50 Prozent Umsatzeinbuße habe sie. In den meisten Läden wollen die Mitarbeiter gar nichts sagen, die Stimmung ist angespannt, da haben lästige Fragen der Presse gerade noch gefehlt. „Sie sehen doch, dass hier nichts los ist“, sagt die Verkäuferin einer exklusiven Boutique, die mit großer Akribie ihre Auslage abstaubt. Auch die Mitarbeiterin einer Wechselstube hat Langeweile. Sie dürfe eigentlich nichts sagen, aber reden will sie. Ihr Mann habe einen Arzttermin haben wollen und sei auf Mai vertröstet worden.

Haben die Medien die Coronakrise aufgebauscht? 

Viele haben Gesprächsbedarf. Auch ein Fraport-Mitarbeiter will mal was los werden. „Die Medien haben das alles aufgebauscht“, findet er. Zeit zum Philosophieren hat er genug, an der Sicherheitskontrolle im Terminal 1B, wo sich die Reisenden sonst die Beine in den Bauch stehen und warten, ist das Security-Personal unter sich. Der Condor-Flug nach Seattle sei schon in der Luft, verrät der Fraport-Mitarbeiter. Über eine halbe Stunde vor der Zeit.

Masken gibt es nun in allen Formen und Farben.

In der S-Bahnstation am Flughafen sitzt ein Pärchen, das auch gerne abgehoben wäre. Nach Fuerteventura auf die Kanaren sollte es gehen. „Wir hatten das Gepäck schon aufgegeben und saßen bereits am Gate“, sagt die junge Frau. Doch dann sei die Durchsage gekommen, dass Spanien seine Grenzen geschlossen habe. Im Reisecenter werden viele weitere Angebotszettel von der Wand verschwinden. Die verhinderten Spanienreisenden mussten dann erst mal nach ihrem Gepäck fahnden. Niemand wusste so recht, wo das rauskommt. „Wenigstens haben wir was im Duty-free gekauft“, scherzt die junge Frau.

Touristen fehlen vor Ort

Kathrin und Manuel hatten mehr Glück. Ihre gebräunte Haut verrät es. Sie kommen gerade aus einem dreiwöchigen Vietnamurlaub zurück. Am Vorabend seien bereits zwei Flüge nach Frankfurt gestrichen worden. „Aber wir hatten Glück und ein gutes Timing“, sagt Manuel. In Vietnam sei es recht ruhig gewesen. „Die Chinesen haben gefehlt, weil sie nicht reisen dürfen“, erklärt Kathrin. Die Deutschen werden in Vietnam wohl jetzt auch erst mal fehlen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare