Feldbetten stehen in einer Turnhalle bereit für die Ankunft der Reisenden aus China. Boris Roessler/dpa
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Feldbetten stehen in einer Turnhalle bereit für die Ankunft der Reisenden aus China.

Verdachtsfälle

Coronavirus in Frankfurt: Quarantäne nach Rückkehr aus China

  • Jutta Rippegather
    vonJutta Rippegather
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Am Frankfurter Flughafen ist alles auf die Deutschen vorbereitet, die wegen Corona aus China ausgeflogen werden. Es gibt ein spezielles Gesundheitszentrum, Verdachtsfälle werden gleich an die Uniklinik geschickt.

Sechs Reihen Feldbetten. Auf jedem liegt ein Kopfkissen und eine Decke. Eine mobile Wand trennt den Ruhebereich von den Tischen. Die sind mit Steckdosen ausgestattet. Bis die Rückkehrer aus China kommen, soll es auch WLAN geben. Daneben acht Untersuchungskabinen mit jeweils einer Liege und einem kleinen Schreibtisch. An der Decke darüber ein Basketballkorb.

Wo Fraport-Mitarbeiter normalerweise Sport betreiben, haben Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) Frankfurt das Medical Assessment Center (MAC) am Flughafen eingerichtet. „Erhöhte Betriebsbereitschaft“ heißt das im Behördendeutsch. Denn die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat das neue Coronavirus als weltweiten Notfall eingestuft, sagt Kai Klose (Grüne), Hessens Sozialminister. Alle Mitgliedsländer seien aufgefordert, die empfohlenen Anstrengungen gegen eine weitere Ausbreitung nochmals zu verstärken.

Klose hat die „erhöhte Betriebsbereitschaft“ angeordnet, die das Anheben der Kapazitäten beinhaltet. Mindestens sechs Wochen muss der Fraport-Betriebssport andernorts stattfinden, bleibt das MAC im Sofort-bereit-Modus. Als Erstes werden hier die Passagiere des Flugzeugs erwartet, die die Bundesregierung aus China zurückholt. Nach ihrer Ankunft werden sie vom Flughafenvorfeld hierhergebracht, untersucht, befragt, ob sie Kontakt zu Erkrankten hatten, bekommen zu essen und zu trinken. Wer sich nach all dem Stress ausruhen möchte, kann eine der Liegen nutzen, sagt René Gottschalk, Chef des Frankfurter Gesundheitsamts, der beim Empfang der für Samstag nachmittag erwarteten Menschen dabei sein wird. Alle sind gesund, versichert Gottschalk. Eine Infektion während des Flugs sei unmöglich. Begleitet werde der Flug von Ärzten, sollten sie an einem der rund 100 Menschen Symptome entdecken, würde derjenige sofort von den anderen separiert. Verdachtsfälle kommen nicht in das MAC, sagt er. Sie würden sofort an die Frankfurter Uniklinik mit ihrer Sonderisolierstation transportiert.

2003 Sars, drei Jahre später das Lassa-Fieber: Die Arbeitsabläufe sind erprobt, verlässlich und funktionieren, versichern die Verantwortlichen. Das DRK sei für die gesamte Logistik verantwortlich, das Gesundheitsamt übernimmt den medizinischen Part, und auch Fraport trage dazu bei, dass die Rückkehrer sich in den zwei bis vier Stunden, in denen sie in Frankfurt bleiben, wohlfühlen. Anschließend, hat der Bund bestimmt, werden sie per Bus weiter in die Kaserne nach Germersheim in Rheinland-Pfalz gebracht. Zwei Wochen werden sie dort in Quarantäne untergebracht. Dazu, sagt Gottschalk, hätten sie sich schon vor dem Abflug in China verpflichtet.

Wie viele Menschen genau kommen und wie alt sie sind, werden die Frankfurter erst wissen, wenn das Flugzeug auf dem Rückweg ist. Dann haben sie immer noch Zeit, um noch mehr Babynahrung zu kaufen, Windeln oder Kinderspielzeug.

Gottschalk betont noch einmal, dass dies für ihn und sein Team ein ganz normales Geschäft ist. „Das ist keine Sonderlage, das ist für uns Routine.“ Dass die WHO den weltweiten Notfall ausrufe, habe lediglich organisatorische Konsequenzen. Normalerweise brauche das MAC zwei bis drei Stunden. Jetzt sei es sofort einsatzbereit.

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