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Die Läden sind zu, auf dem Markt herrscht reges Treiben.

Coronakrise

Trotz Coronavirus ist das Nordend noch nicht ausgestorben

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Die Coronakrise hat das Nordend in Frankfurt deutlich entschleunigt – aber es lebt noch.

  • Das Frankfurter Nordend hat wegen des Coronavirus weniger Betrieb
  • Eine Apotheke im Nordend sorgt unfreiwillig für Schmunzler
  • Einkaufende sind mit Abstandhalten beschäftigt

Frankfurt - Es ist sehr ruhig am Morgen im Nordend. Gespenstisch ruhig. Die Wasserhäuschen sind noch geschlossen. Andere Läden öffnen heute gar nicht mehr. Vor der Apotheke im unteren Sandweg steht eine kleine Menschenschlange. Die Menschen tragen Gesichtsmasken und warten darauf, dass die jeweils zwei Kunden, die in der Apotheke bedient werden, diese wieder verlassen.

Coronavirus in Frankfurt: Abstand halten im Nordend

Die Supermärkte haben den ersten Hamsteransturm hinter sich, die begehrten Produkte sind weg, zur Kundenberieselung läuft Radio. „Wer steckt hinter der Maske?“, fragt der Radiomoderator. Gute Frage, es könnte jeder sein, der Nachbar vielleicht, aber der Moderator redet nicht von den maskentragenden Kunden, sondern von einer Fernsehsendung namens„The Masked Singer“. Keiner hört ihm zu. Die Kunden sind zu beschäftigt damit, an der Kasse die Distanz zum Nebenmenschen einzuhalten oder einzufordern.

Im Anlagenring ist es kurz ein bisschen lauter. Drei Frauen brüllen auf einen Mann ein. „Das tut man nicht!“, schreit die eine, doch es zeigt sich, dass die Damen keine Hilfe brauchen. Bei dem vermeintlichen Sittenstrolch handelt es sich bloß um einen Ortsunkundigen, der nach dem Weg gefragt hat und den dreien dabei wohl zu nahe gekommen ist.

Coronavirus in Frankfurt: Berger Straße im Nordend leerer als sonst

Die Berger Straße ist zur Mittagszeit leerer als sonst, aber nicht ausgestorben. Die Klamottenläden haben dicht, die Reisebüros sowieso, und wer etwas lesen will, der kann sich den Weg in die Buchhandlung sparen. Aber der öffentliche Bücherschrank ist immer noch gut frequentiert. Fast alle, die ihn nutzen, tragen Handschuhe. 

Dass Läden wie der „Kälteclub Cryosizer“ oder die Schwarzlicht-Minigolfanlage geschlossen haben, kann man wohl als Luxusproblem betrachten. Wenn es aber um die Wurst geht, sind die Leute ganz vernünftig. In der Metzgerei Hoos, sonst ein Hotspot der Nordend-Einkäufer, herrscht ungewohnte Leere. Die Kunden warten auf der Straße, bis sie an der Reihe sind. 

Ein paar Meter weiter, auf dem Spielplatz am Merianplatz, ignorieren ein paar Kinder das Spielplatzverbot, aber ihre Zahl kann man an einer Hand abzählen.

Friseure in Frankfurt dürfen trotz Coronavirus weiterarbeiten

Schönheit hat hingegen auch in Krisenzeiten Konjunktur. Die Friseure arbeiten weiter, in einem Salon tragen Kunden und Dienstleister Gesichtsmasken. Im Nagelstudio schützen sich lediglich die Betreiber mit Masken, aber das tun sie ja auch in virenfreien Zeiten. 

Lediglich in der Augenbrauenzupferei verzichten Zupfer und Gezupfte auf jedwede Vorsichtsmaßnahme, wohl darauf vertrauend, dass es schon nicht ins Auge gehen wird.

Viele Geschäfte informieren ihre Kundschaft mit Schildern über den Stand der Dinge. Bei „Best Worscht“ gibt es ab 18 Uhr nur noch Worscht to go, ins Eiscafé darf auch davor keiner mehr rein – alles nur zum Mitnehmen. 

Coronavirus in Frankfurt: Apothekeim Nordend liefert kleinen Trost

Der Teeladen hat den Betrieb komplett eingestellt. „Wir hoffen, dass wir gemeinsam bald wieder zu normalen Verhältnissen zurückkehren können“, vertröstet ein Schild die Kundschaft. „Kommen Sie gut durch diese harte Zeit“, wünscht das ebenfalls geschlossene Papierhaus per Zettel. 

Nur an einer immerhin geöffneten Apotheke auf der oberen Berger klebt ein Schild, das bislang noch keiner ausgetauscht hat und das in diesen Zeiten wie Hohn klingt. „Aktivität ist keine Frage des Alters“, ist dort zu lesen. „Jetzt haben Sie Zeit für ihre Hobbys: Wandern, Reisen, Museumsbesuche.“ Vor dem Schild stehen ein paar ältere Semester und lachen sich schlapp. Ein kleiner Trost in einer harten Zeit.

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