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Im Foodcourt von MyZeil ist kaum was los – wie hier bei Chipotle.

Coronakrise

Coronavirus sorgt für leere Restaurants in Frankfurt

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Restaurants in Frankfurt haben trotz der Coronakrise geöffnet - mit eingeschränkten Öffnungszeiten. Doch die Gäste bleiben aus. Gastronomen wünschen sich deshalb, dass der Staat alle Gaststätten schließt und für Kosten zahlt.

  • Wegen des Coronavirus haben Restaurants in Frankfurt kürzere Öffnungszeiten, aber werden nicht geschlossen
  • Die Gäste bleiben dennoch aus
  • Gastronomen fordern eine Kostenübernahme vom Staat

Frankfurt - Nur noch bis 18 Uhr dürfen Gastronomiebetriebe in Hessen seit diesem Mittwoch wegen des Coronavirus geöffnet haben. Aber schon mittags ist fast gar nichts los in der Frankfurter Gastro-Welt. In der Pizzeria Da Cimino in Bockenheim, wo an jedem anderen Tag zu jeder Tageszeit kaum ein Platz leer bleibt und die Leute notorisch Schlange stehen, sitzen fünf Leute weit voneinander entfernt. 

Auch to go wird kaum etwas abgeholt. Die Pizzabäcker stehen ziemlich ratlos da mit verschränkten Armen, statt Teig zu kneten. Egal an welchem Café oder Restaurant man vorbeiläuft – man kann die Gäste an einer Hand abzählen.

Coronavirus in Frankfurt: Restaurants fokussieren Lieferbetrieb

Bei der Kette Stadtsalat auf der Bockenheimer Landstraße im Westend kann man ab sofort nicht mehr die Bowls und Salate vor Ort essen. Man soll auch nicht direkt an der Theke zum Mitnehmen bestellen, sondern muss dies vorab online auf der Homepage machen. Oder sich eben direkt beliefern lassen. 

All das steht schon, bevor man das Lokal betritt, auf einem großen Aufsteller. „Unsere Fahrer/-innen müssen mindestens 1,5 Meter Abstand bei der Übergabe der Lieferungen einhalten. Vorzugsweise stellen wir die Lieferung vor der Wohnungstür ab.“

Coronavirus in Frankfurt: Einige Restaurants haben schon geschlossen

Einige Restaurants und Cafés haben, wie der Tibeter Lhamo Bistro auf der Leipziger Straße oder die Streuselbar auf der Freßgass, sogar ganz geschlossen. Auch die Chinaski Tagesbar unweit der Alten Oper, wo es sonst Frühstück bis Abendessen gibt, ist bereits seit Dienstag zu. Wie lange, ist nicht absehbar.

Das koreanische Restaurant Misho in der Adalbertstraße bietet Essen nur zum Mitnehmen.

Betreiber Julian Smith sagt: „Dafür gab es zwei Gründe, und wir haben das auch ausgiebig mit unseren Mitarbeitern besprochen. Einmal habe ich eine moralische Verantwortung, ich will meine Mitarbeiter und Gäste vor dem Coronavirus schützen. Zum anderen lohnt es sich wirtschaftlich nicht mehr zu öffnen, weil wir in den letzten Tagen schon kaum noch Gäste hatten. Zum Frühstück kam schon niemand mehr, weil die umliegenden Gäste aus den Banken schon alle Homeoffice machen.“ 

Coronavirus in Frankfurt: Gastronomen fordern Schließungen

Hat er über einen Lieferservice nachgedacht? „Lieferservice beziehungsweise to go ist eine Option, die wir gegenwärtig erörtern. Dann aber nur für einen sehr kleinen Teil unseres Angebots.“ 

Julian Smith plädiert allerdings dafür, dass das Land Hessen alle Gastronomiebetriebe jetzt komplett schließen lässt wie eben bereits die Klamottenläden oder Fitnessstudios. „Wir sollten alle zu Hause bleiben, damit das nicht wie in Spanien oder Italien ganz aus dem Ruder läuft.“ 

Restaurants in Frankfurt: Kredite wegen des Coronavirus bringen nichts

Die Kredite, die das Land Hessen den Gastronomen anbiete, seien keine Lösung. „Selbst wenn ich zusätzliche Kredite erst in fünf Jahren abzahlen muss, ist das eine Belastung.“ Würde sich die Krise über Monate hinziehen, würden er und andere Gastronomen irgendwann eben auch ihre Mitarbeiter entlassen müssen. 

Er und andere Kollegen haben die Online-Petition „Covid-19: Finanzielle Soforthilfe für Gastronomen und Hotels“ unterschrieben, die an die Bundesregierung gerichtet ist. Dort steht unter anderem: „Was wir jetzt brauchen, um weitermachen zu können, sind sofortige und 100-prozentige Kostenübernahmen aller Bruttogehälter (Vollzeit und Teilzeit). Sowie Fortzahlungen ausgefallener Arbeitsstunden für unsere Minijobber und studentischen Aushilfen.“ Smith hat 40 Mitarbeiter, darunter auch eben einige Minijobber.

Nur noch zum Mitnehmen ist auch bei Stadtsalat möglich.

Coronavirus in Frankfurt: Restaurant plant Rezept-Videos für Gäste

James Ardinast, der zusammen mit seinem Bruder David in Frankfurt die Restaurants Stanley Diamond, die Bar Shuka und das Café Bomba betreibt, hat diese Petition unterschrieben. James Ardinast ist zudem im Vorstand der Initiative Gastronomie Frankfurt. Auch er betont: „Wir fordern vom Land Hessen ein komplettes Shutdown der Gastronomien. Und dass Betriebskosten und die Personalkosten vom Staat übernommen werden.“ Ardinast sagt: „Wir haben noch nicht alle unsere Betriebe geschlossen, weil wir fürchten, dass wir dann von finanziellen Schutzmaßnahmen ausgenommen wären.“ 

Ardinast berichtet, dass er bereits böse Nachrichten von Leuten bekommen habe, weil sie noch das Restaurant Bar Shuka und das Café Bomba in der Corona-Krise geöffnet hätten. „Gestern hatten wir vielleicht zehn Gäste in der Bar Shuka über den Tag verteilt. Also diesen Mindestabstand von 1,5 Meter einzuhalten ist nicht das Problem.“ 

Coronavirus in Frankfurt: Gäste klauen Klopapier aus Restaurants

Sie planen für ihre Gäste Videos kostenfrei mit Rezepten für zu Hause zu erstellen. „Wie gerade die momentane Entwicklung der Corona-Pandemie ist, gehe ich davon aus, dass Ende der Woche auch in Hessen die Gastronomien komplett schließen müssen.“

Das glaubt auch Cagdas Telli von Fridas Café auf der Leipziger Straße. So lange sei Hygiene noch wichtiger als sonst: „Wir lassen jetzt stündlich die Toiletten und Türklinken putzen.“ Ihnen sei in den letzten Tagen Toilettenpapier und Seife von Gästen gestohlen worden. Ein zusätzliches Geschäftsmodell hat sich Matilda’s Kitchen im Westend überlegt. Dort gibt es seit Mittwoch neben Kuchen und Quiche auch Nudeln und Toilettenpapier zu erwerben.

Von Kathrin Rosendorff

Der Kreis-Caterer „Taunus Menü Service“ erleidet durch das Coronavirus 52 Prozent Umsatzverlust. Aber er sieht sich bereit für den Katastrophenfall*.

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