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Nichts los im My Zeil in Frankfurt.

Coronakrise

Geschäfte in Frankfurt schließen, Dienstleister öffnen weiter - aber was zählt als Dienstleistung?

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Ob Zeil, Töngesgasse oder Leipziger Straße: Frankfurts Läden bleiben wegen des Coronavirus dicht. Dienstleister warten vergeblich auf Kundschaft.

  • Geschäfte in Frankfurt schließen wegen des Coronavirus - Gastronomie und Dienstleister öffnen weiterhin
  • Unklar ist, wer alles unter den Begriff „Dienstleister“ fällt
  • Das Ordnungsamt hat noch nicht über mögliche Strafen bei Öffnung trotz des Verbots entschieden

Frankfurt - Die Stimmung auf der Frankfurter Hauptwache wirkt an diesem Mittwoch ein bisschen gespenstisch. Ein junger Mann fährt auf einem Skateboard über den Platz und filmt die menschenleere Szenerie. 

Auf der Zeil ist die Klarinette eines Straßenmusikers weithin hörbar. Viel Laufkundschaft hat der Musiker nicht, aber auch keine Anlieger, die er stören könnte, denn die meisten Geschäfte haben geschlossen oder wie der Kaufhof nur unterirdisch geöffnet. Vom Erdgeschoss bis zur obersten Etage ist das Kaufhaus zu, die Lebensmittelabteilung im Untergeschoss ist offen, aber nur über die B-Ebene der Hauptwache zu erreichen.

Gastronomie im My Zeil wartet wegen des Coronavirus vergeblich auf Kundschaft

Auch im My Zeil   spielt sich das Leben vor allem im Untergeschoss ab, wo es einen Supermarkt, eine Bäckerei und eine Drogerie gibt. Auf der Restaurantebene Foodtopia im vierten Stock hingegen herrscht gähnende Leere. Im „Poke you“, einem beliebten Restaurant, ist um die Mittagszeit kein einziger Gast. „Sonst steht die Schlange um diese Zeit bis zur Rolltreppe“, sagt ein Mitarbeiter. 

Auch Dienstleister, die geöffnet haben, warten vergeblich auf Kunden. Ein Schlüsseldienst im zweiten Stock eines Einkaufszentrums lebt nun mal von Laufkundschaft. Wobei noch nicht ganz klar ist, wer sich überhaupt Dienstleister nennen und öffnen darf. 

Coronavirus in Frankfurt: „Notdienst“ beim Optiker

Ein Brillenfachgeschäft im Erdgeschoss bietet einen „Notdienst“ an. Bestellte Brillen können abgeholt werden, Sehtests werden angeboten. „Ob wir offen haben dürfen, steht noch ein bisschen in den Sternen“, verrät eine Mitarbeiterin.

Im MyZeil ist es ruhig, aber der Frisör arbeitet weiter.

In der Töngesgasse  wird die Verwirrung noch größer. Samen-Andreas hat zunächst mal geöffnet. „Wir dürfen, wir haben Gemüsesamen und Frühkartoffeln“, sagt Chef Nils Andreas. Im Laden ist auch einiges los, der Frühling ruft, der Garten will bestellt werden. „Das Telefon steht bei uns nicht mehr still, weil die Leute wissen wollen, ob auf ist“, sagt Andreas. 

Bei Waffen-Dotzert ist zu. Der Braun-Service-Point unweit davon „ist vorerst noch geöffnet“, verrät ein Schild im Schaufenster. Messerschleifen als Dienstleistung geht nicht, Scherköpfe wechseln schon?

Coronavirus in Frankfurt: Ordnungsamt hat noch nicht über Sanktionen entschieden

Im Ordnungsamt  der Stadt Frankfur t gibt es dazu auch noch keine Aussage. „Wir haben noch keine Auflistung, was ein Dienstleister ist und was nicht“, sagt Ralph Rohr. Viele Dinge seien noch im Fluss und die Definition gar nicht so einfach. „Ich kann mein Gewerbe nennen, wie ich will, da gibt es keine Vorschriften“, sagt Rohr und gesteht, dass die Kontrollen für die Stadtpolizei dadurch nicht einfacher würden. Ohnehin gebe es jetzt „keine Corona-Streife“. Die normalen Streifen sollen „im Rahmen der Möglichkeiten“ überprüfen, ob fragliche Geschäfte geschlossen sind und Spielplätze gemieden werden. 

Ohnehin sei aber noch nicht über eine mögliche Sanktionierung entschieden, und das Ordnungsamt wolle in der derzeitigen Situation auch nicht „eskalieren“. Der Fahrer einer Polizeistreife auf der Zeil, der an diesem Mittag mit seinem Streifenwagen kaum auf Hindernisse trifft, gibt an, nicht danach zu schauen, ob Läden offen oder geschlossen sind.

Geschäfte in Frankfurt wissen nicht, wie lang sie wegen des Coronavirus schließen

Der Hugendubel  im Steinweg hat geschlossen. Wie viele andere Geschäfte verweist das Bücherhaus auf sein Onlineangebot. Ein älterer Herr mit Einkaufstüte schaut in das verwaiste Buchkaufhaus und sieht sich dann auf der Straße um: „Es ist ja wie ausgestorben, die Stadt kennt man so gar nicht.“ Unklar ist, wie lange das so bleiben wird. Dazu machen die Geschäftsinhaber auf ihren Zetteln gar keine oder unterschiedliche Angaben.

In Bockenheim hat das Fahrradgeschäft „Per Pedale“ eine Mischform gewählt. Das Fachgeschäft hat geschlossen, die Werkstatt im Hinterhaus hingegen geöffnet. Allerdings gebe es bis zum 31. März keinen freien Termin mehr, betont Werkstattmitarbeiter Alex. Der Ton der Kunden sei ziemlich rau geworden. „Viele wollen ihr Fahrrad am liebsten sofort wiederhaben.“ 

Coronavirus in Frankfurt: „Fahrradberatung am Telefon hat nicht viel Sinn“

Öffentliche Verkehrsmittel werden derzeit wohl gemieden, wo es geht. Auch wenn das Geschäft geschlossen hat, sind die Mitarbeiter vor Ort und können angerufen werden. „Aber eine Fahrradberatung am Telefon hat ja nicht viel Sinn“, sagt ein Mitarbeiter am Telefon. Es gehe eher um Zubehör, das Kunden vielleicht benötigten. Schlösser würden beispielsweise verkauft; wenn der Kunde mit Karte zahle, werde man das Geschäft an der Tür abwickeln.

In der Leipziger Straße ist es ruhiger, wenn auch nicht total still. Wenige Menschen stehen beim Obst- und Gemüsestand, die Gemüsehändler schreien nicht wie sonst ihre Angebote raus. Viele Läden wie das Elektrofachgeschäft, das sonst immer so volle Zalando-Outlet oder das beliebte Krimskrams-Geschäft Tiger sind zu. Auch der Woolworth ist dicht. 

Reinigung in Frankfurt will Kleidung vor dem Coronavirus schützen

Vor dem Fischrestaurant stehen drei Leute, sie essen im Freien. Der Florist darf keine Kunden mehr in den Laden lassen, Bestellungen können jedoch noch draußen abgeholt werden. Die Frisöre, die auf der Liste der systemrelevanten Geschäfte stehen, sind unterschiedlich bewaffnet; in einem Salon tragen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Schutzmasken, jeder in einer anderen Farbe. 

Auf der Adalbertstraße hat ein Copy-Shop nur noch für „wichtige und nicht aufschiebbare Druck- und Kopieraufträge wie Abschlussarbeiten“ für ein paar Stunden geöffnet. Rein und selbst kopieren darf man aber nicht mehr, ein Tisch in der Eingangstür trennt Mitarbeiter von Kunden. Eine Reinigung wenige Minuten von der Leipziger Straße entfernt hat einen gelben Zettel an die Glasscheibe geklebt. Darauf steht das doch eher wenig seriös klingende Versprechen: „Wir schützen ihre Kleidung vor dem Coronavirus.“

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