+
Eine Ausbreitung des Coronavirus würde sich auch auf die Zahl der Touristen auswirken.  

Tourismus 

Coronavirus dürfte Tourismusboom in Frankfurt bremsen

  • schließen

Die Frankfurter Hoteliers haben 2019 so viele Übernachtungen wie nie verkauft. Doch die Coronakrise könnte sich kräftig auf ihr Geschäft auswirken.

Es sind hervorragende Zahlen, die Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) präsentieren kann. Zum zehnten Mal hinter-einander ist die Zahl der Übernachtungen, die die Frankfurter Beherbergungsbetriebe verkauften, gestiegen. Das Wachstum fiel mit 6,3 Prozent deutlich kräftiger aus, als vor einem Jahr prognostiziert. Erstmals übernachteten mehr als sechs Millionen Gäste in den Frankfurter Hotels und Herbergen. Das habe auch damit zu tun, dass sich das Image Frankfurts stark verbessert habe, sagt Feldmann. Er verwies zudem auf die Rolle der Neuen Altstadt.

Doch das Coronavirus könnte den Tourismusboom in Frankfurt zumindest bremsen. Erstmals seit vielen Jahren prognostiziert Thomas Feda bei der Vorstellung der Gäste- und Übernachtungszahlen kein weiteres Wachstum. „Zehn Millionen Übernachtungen plus X wäre schon ein gutes Ergebnis“, sagt der Geschäftsführer der Tourismus- und Congress-Gesellschaft Frankfurt (TCF). Feldmann spricht von einer bewusst konservativen Schätzung.

Tourismusbilanz

10,78 Millionen Übernachtungen haben die Frankfurter Beherbergungsbetriebe nach Zahlen der Tourismus- und Congress-Gesellschaft im vergangenen Jahr verkauft, so viele wie nie.

6,19 Millionen Gäste übernachteten in den Hotels und Herbergen der Stadt. Auch das ist ein neuer Rekordwert. Im Schnitt blieben sie 1,74 Tage.

Das Inlandsgeschäft wuchs mit einem Anstieg von 7,8 Prozent bei den Übernachtungen besonders stark. Das Auslandgeschäft legte um 4,3 Prozent zu. Wichstigster Quellmarkt sind die USA. Es folgen Großbritannien und China.

Die Zahl der Hotelbetriebe stieg 2019 auf 311, die Bettenzahl auf fast 60 000. Die Bettenauslastung sank auf 49,4 Prozent. Die Zimmerauslastung lag bei 70 Prozent. cm

Feda macht klar, wie groß die Ungewissheit in der Branche angesichts der Nachrichten der vergangenen Wochen ist. Das Zusammentreffen einer Pandemie, von Terror und internationalen Handelsstreitigkeiten sei eine Konstellation, die er noch nicht erlebt habe. Offensichtlich ist auf dem Römerberg und in vielen Geschäften in der Stadt weniger los als sonst. Beziffern ließen sich die Auswirkungen der Krise aber noch nicht. Selbst für Januar gebe es bisher nur Schätzungen. Nach denen seien die Übernachtungszahlen in Frankfurt annähernd auf dem Vorjahrsniveau gewesen. Februar und März würden nun richtungsweisend, sagt Feda.

Dass die Messe Light & Building, die am 8. März beginnen sollte, wegen der Coronakrise auf September verschoben wurde, werde sich natürlich auf die Übernachtungszahlen auswirken. Weitere Verschiebungen oder gar Ausfälle von Messen oder auch Tagungen und Kongressen hätten nach Einschätzung des TCF-Geschäftsführers gravierende Auswirkungen auf den Tourismus in der Stadt. Schließlich generierten Geschäftsreisende etwa zwei Drittel der Übernachtungen. Bei mindestens der Hälfte von diesen handele es sich um Messegäste.

Trotz Baubooms und stark steigender Bettenzahl ist die Auslastung der Hotels in Frankfurt dank der kräftig wachsenden Übernachtungszahlen in den vergangenen Jahren stabil geblieben. Das könnte sich ändern, wenn wegen der Coronakrise weniger Geschäfts- aber auch Privatreisende in die Stadt kommen.

Schon jetzt seien die Hoteliers angesichts der Stornierungen im Zusammenhang mit der verschobenen Messe in heller Aufregung, berichtet Feda. Und schon dieses Jahr könnten fünf neue Hotels mit 1400 Zimmern, bis 2024 sogar 16 Häuser mit 4500 Zimmern auf den Markt kommen. Selbst wenn die Übernachtungszahlen stagnierten, sänke also die Auslastung.

Die Tourismusabgabe, die Privatreisende pro Übernachtung entrichten müssen, hat der Stadt laut Feda im Jahr 2019 etwa 7,26 Millionen Euro eingebracht. Die Linke forderte am Mittwoch mehr Transparenz bei der Verwendung dieser Mittel. Sie kritisierte, dass über diese ein Tourismusbeirat entscheide, an dem die Opposition nicht beteiligt sei.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare