+
Zusammenhalten: Konfuzius-Institut und andere wollen ihre Unterstützung ausdrücken.

Gesundheit

Coronavirus: Chinesen nicht ausgrenzen – Aktion auf der Zeil in Frankfurt

  • schließen

Das Konfuzius-Institut Frankfurt zeigt sich mit einer Aktion auf der Zeil solidarisch mit Chinesen.

Mit China Hand in Hand“ steht auf einem Banner neben einem Stand auf der Zeil. Das sei ein unpassender Slogan, habe ein Passant angemerkt, sagt Christina Werum-Wang. Eben wegen der Sorge vor der Ansteckung mit dem Coronavirus. Die Geschäftsführerin des Konfuzius-Instituts Frankfurts lässt sich jedoch durch solche Äußerungen nicht beirren. „Wir wollen mit unserer Solidaritätsaktion ein Zeichen setzen und unser Mitgefühl ausdrücken.“ Mit China, aber auch mit den chinesischen Mitbürgern in der Region.

„Wir haben sehr enge Beziehungen mit China“, sagt Norbert Noisser vom Hessischen Wirtschaftsministerium. Für Hessen sei das Land der zweitwichtigste Handelspartner hinter den USA. Rund 900 chinesische Firmen gebe es in Hessen, 15 000 Chinesen lebten etwa im Bundesland, darüber hinaus gebe es diverse Hochschulkooperationen. Und bis zu 800 hessische Firmen seien wiederum in China ansässig. „In Zeiten, wo Partner Probleme haben, wollen wir nicht wegschauen, sondern uns solidarisch zeigen.“

WIRTSCHAFTSSORGEN

Die hessische Wirtschaft beobachtet die Ausbreitung des Coronavirus mit Sorge, schreibt der Hessische Industrie- und Handelskammertag (HIHK). Sollte sich die Situation bis April nicht deutlich entspannen, sehe man signifikant dämpfende Effekte auf die hessische Wirtschaft zukommen. Dann werden die Lager für Zulieferteile vielerorts geleert sein. Mehr als die Hälfte ihres Umsatzes erwirtschaftet die hessische Industrie im Ausland. jkö

Nicht sehr viele Menschen bleiben stehen an dem Stand auf der Zeil, was aber auch an dem kalten regnerischen Wetter liegen mag, vermuten die Organisatoren. Die Reaktionen seien sehr unterschiedlich, berichten die Organisatoren: Einige Angesprochene wollen gar nichts von der Sache hören oder schreckten beim Wort Coronavirus zurück, andere fänden die Aktion eine gute Sache. Die, die sich auf ein Gespräch einließen, seien sehr aufgeschlossen. Öfter komme der Vergleich mit der normalen Grippe, bei der auch nicht so ein Aufheben gemacht werde.

Vertreter der chinesischen Sprachschule Huayin sind ebenfalls dabei. „Im Moment ist die Schule bis auf weiteres geschlossen“, sagt Leiter Jie Zhou. Rund 700 Kinder lernten dort die Sprache und Kultur. Man versuche von hier die Verwandten und Freunde in China zu unterstützen, indem man sie aufmuntere und mit ihnen spreche. Von rassistischen Sprüchen und Beleidigungen der Kinder habe er noch nicht gehört. Ihr sei auch nur ein krasser Fall zu Ohren gekommen, sagt Werum-Wang. Da sei eine Kollegin im Bus beleidigt worden. Auf dem Rosenmontagszug in Mainz, wo das Institut mitlief, habe es eine blöde Bemerkung gegeben.

Aber für viele in der chinesischen Community sei die Situation bedrückend, sagt Werum-Wang. Sie zögen sich aus der Öffentlichkeit zurück, manche gingen gar nicht mehr aus dem Haus, wenn es nicht sein müsse. Das liege zum einen an den vielen Nachrichten, die sie aus der Heimat bekämen, zum Teil auch Fake News. Aber auch soziale Medien verbreiteten Panik, die sich auch auf die Chinesen vor Ort übertrage. Andere wollten keine Angriffsfläche bieten. Das führe leider auch dazu, dass viele Veranstaltungen des Konfuzius-Instituts abgesagt würden. Was schade sei, denn da gehe es ja darum, die Kulturen zusammenzubringen.

Der Stand (Zeil 114, Einmündung Liebfrauenstraße) ist morgen von 13 bis 17 Uhr wieder besetzt. Informationen zum Virus gibt es tagesaktuell auf soziales.hessen.de.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare