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Damit dürften die Geschäfte der nächsten Wochen gesichert sein.

Betroffener berichtet

Coronavirus im Skiurlaub

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Ein nach dem Skiurlaub positiv auf das Virus Covid-19-Getesteter erzählt.

Den Skiurlaub hätte sich Benjamin H. wohl besser geschenkt. Gemeinsam mit ein paar Freunden war er in der vergangenen Woche für ein paar Tage im Wallis. Zwei Tage nach der Rückkehr klagten fast alle aus der Gruppe über die Symptome des Virus Covid-19. Das Home-Office war für H. beruflich kein Problem, aber der Sohn sollte in der nächsten Woche Abiturarbeiten schreiben. Kurz beriet der Familienrat das Vorgehen. Das Ergebnis: „Es ist meine gesellschaftliche Verpflichtung, das anzuzeigen.“

Also hing er zweieinhalb Stunden in der telefonischen Warteschleife, nur um dann eröffnet zu bekommen, er solle sich anderntags zwischen 9 und 13 Uhr in der Frankfurter Uni-Klinik für einen Test einfinden. Den hat er gemacht und seine Frau gleich mit. Dann begann das Warten auf das Testergebnis. Auch die anderen aus der Reisegruppe warteten. Die Symptome bei ihnen sind unterschiedlich stark ausgeprägt. H. hat es mit am schlimmsten erwischt. Neben üblichen Symptomen eines grippalen Infekts hat der 50-Jährige Muskelkater im ganzen Oberkörper, das kommt wohl von der Lunge. „Dazu fühle ich mich irre schlapp“, sagt H. Nach drei Treppen müsse er sich erst mal ausruhen.

Dann ist das Ergebnis da: H. und seine Frau wurden positiv getestet. Häusliche Quarantäne. Die beiden Kinder haben es bislang nicht. In den eigenen vier Wänden gibt es jetzt Zonen für die beiden Kinder und für die beiden Erwachsenen. Der Sohn ist alles andere als begeistert. Sein Abitur kann er zunächst vergessen, am Montag fährt er mit seiner kleinen Schwester selbst zum Test. Die Einkäufe für die vierköpfige Familie erledigen Freunde und stellen sie vor der Haustür ab. „Da haben wir viel Hilfsbereitschaft erfahren“, zeigt sich H. dankbar.

Mal spazieren gehen

Am Sonntag geht es ihm schon wieder etwas besser, aber um seine Lunge ist er doch etwas in Sorge. Am liebsten würde er sich ein Gerät besorgen lassen, das die Lungensättigung misst, um sicher zu gehen, dass alles in Ordnung ist. Medikamente nimmt H. keine. Der Arzt habe ihm gesagt, er und seine Frau dürften auch mal spazieren gehen.

Manche Dinge gibt es einfach nicht mehr.

„Aber die Nachbarn wissen doch, dass wir in häuslicher Quarantäne sind, was denken die denn, wenn wir jetzt draußen rumlaufen?“ Also hat sich die Familie zum Frischeluftschnappen die heimische Terrasse verordnet. In seinem Heimatort im Hochtaunus war das Virus zuvor noch nicht aufgetreten. „Einmal im Leben Erster gewesen“, scherzt H. mit einem Anflug von Galgenhumor.

Aus der Reisegruppe haben sich nicht alle im Wallis infiziert. Die Männer rätseln, denn kurioserweise hat sich der Reisegefährte, mit dem H. vier Nächte lang ein nicht allzu breites Bett teilte, nicht angesteckt. Als sie sich auf den Weg ins Wallis machten, gab es in Deutschland 27 Infizierte. „Ein paar Tage später wären wir sicherlich nicht mehr gereist“, so H.

Langsam reift in ihm aber auch die Erkenntnis, dass es vielleicht gar nicht so schlecht war, das Virus als einer der Ersten zu bekommen. „Noch funktioniert der Gesundheitsapparat, falls wirklich was Schlimmes ist, und danach bin ich immun und kann mich frei bewegen.“ Nur in Skiurlaub wird H. so schnell wohl nicht mehr fahren.

Von Oliver Teutsch

Einfach mal abwarten und abwägen. Fake News überprüfen, nicht alles teilen. Ein Kommentar von FR-Chefredakteur Thomas Kaspar zu Informationen in Corona-Zeiten.

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