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In den Impfzentren, wie hier in Offenbach, wird erst mal niemand mehr mit Astrazeneca geimpft. Foto: Renate Hoyer
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In den Impfzentren, wie hier in Offenbach, wird erst mal niemand mehr mit Astrazeneca geimpft.

Corona-Impf-Strategie

Impfstopp mit Astrazeneca in Frankfurt: Terminabsagen und Ungewissheit im Impfzentrum

  • Sandra Busch
    VonSandra Busch
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Der vorläufige Verzicht auf Astrazeneca zieht eine lange Schlange und Terminabsagen nach sich im Impfzentrum der Frankfurter Messe.

  • Impfungen gelten als das wirksamste Mittel gegen das Coronavirus.
  • Das Chaos uum den Astrazeneca-Wirkstoff betrifft auch Frankfurter Impfzentren.
  • Der Stopp der Impfungen mit Astra gilt mindestens bis zum 18. März 2021.

Frankfurt - Eine lange Schlange erwartete den 36-jährigen Frankfurter am späten Montagnachmittag, als er im Impfzentrum an der Festhalle ankam. Mehrfach wand sie sich im Eingangsbereich, „man wusste gar nicht, wo der Anfang und das Ende ist“. Er, der in einer Gemeinschaftsunterkunft für Geflüchtete arbeitet, sollte an diesem Tag mit Astrazeneca geimpft werden. Doch kurz vorher war die Meldung gekommen, dass Deutschland die Impfungen mit diesem Wirkstoff aussetze. „Vor Ort wusste niemand so recht, was passieren wird“, erzählt er.

Impfstopp mit Astrazeneca: Verunsicherung und Warten im Impfzentrum

Kurz habe er überlegt, ob er wieder umdrehen solle. „Aber man hat ja so lange auf den Termin gewartet“, sagt der 36-Jährige. Es gab auch keine Anweisung, dass Leute, die mit Astrazeneca geimpft werden sollten, wieder gehen müssten. „Und es wurde erzählt, dass man nun mit Biontech geimpft werde.“ Also blieb er. Irgendwann wurde Wasser an die Wartenden verteilt. „Für die Älteren war das schon anstrengend, es gab keine Sitzgelegenheiten.“ Nach drei Stunden hatte er seine Impfung. Mit Biontech. „Ich hab‘ mich gefühlt, als hätte ich irgendwas gewonnen“, sagt er.

Als um halb vier die Meldung kam, dass Deutschland die Impfungen mit Astrazeneca auf Empfehlung des Paul-Ehrlich-Instituts wegen möglicher Nebenwirkungen aussetzt, führte das im Impfzentrum in der Tat für alle zu Wartezeiten. „Wir mussten uns damit erst einmal auseinandersetzen“, sagt Udo Gösch vom Frankfurter Gesundheitsamt. Wie im Impfzentrum vorgegangen werden soll, ob die Leute, die mit Astrazeneca geimpft werden sollten, nach Hause geschickt werden. „Das hat eine Stunde lang zum Aussetzen aller Impfungen geführt“, sagt Gösch. Aus der Not heraus habe man den 200 Leuten, die an diesem Tag noch mit Astrazeneca geimpft werden sollten, Biontech verabreicht. Doch das gehe nun nicht tagelang, dafür sei zu wenig Impfstoff da.

Impftermine

Alle Termine für eine Astrazeneca-Impfung müssen bis Donnerstag, 18. März, entfallen. Die Stadt bittet die Betroffenen, nicht zum vereinbarten Termin ins Impfzentrum zu kommen.

Betroffen sind vor allem die Angehörigen bestimmter Berufsgruppen: Personal von Arztpraxen, Erzieher:innen, Lehrkräfte, Rettungsdienstpersonal, Polizei- und Ordnungskräfte. Wann eine erneute Anmeldung möglich ist, will die Stadt verkünden, sobald es bekannt ist. sabu

Bis einschließlich 18. März sind derzeit alle Impfungen mit Astrazeneca ausgesetzt, alle Impftermine abgesagt. In Frankfurt werden 2500 Personen am Tag geimpft, bisher 500 davon mit dem Vakzin des schwedisch-britischen Herstellers. Bislang waren das nur Erstimpfungen. Vor vier Wochen sei erstmals Astrazeneca in Frankfurt eingesetzt worden, sagt Gösch, die Zweitimpfung wird zehn bis zwölf Wochen danach empfohlen. „Dafür steht bisher noch niemand auf dem Plan“ – und niemand könne derzeit eine Antwort darauf geben, wie mit den Zweitimpfungen umgegangen werde. Es seien nun aber noch mehrere Wochen Zeit, um zu sehen, „ob es auch andere Lösungen gibt“.

Astrazeneca-Impfstoff für priorisierte Berufsgruppen

Andere Lösungen als etwa Astrazeneca als Zweitimpfung zu verabreichen. In Großbritannien läuft gerade eine Studie zur Kombination mit anderen Impfstoffen. Gösch hält es für „biologisch plausibel“, dass sich Impfstoffe kombinieren lassen. Ob mit einem mRNA-oder einem Vektorimpfstoff: Im Körper werde „immer ein Protein gebildet, und es gibt immer eine gute Immunreaktion“. Aber ob sich Impfstoffe kombinieren ließen, „muss durch eine Studie belegt sein, nicht durch biologische Plausibilität“.

Bisher haben vor allem Berufsgruppen Astrazeneca bekommen, die privilegiert geimpft werden. „Mit dem medizinischen Personal sind wir dabei fast durch“, sagt Gösch. Jetzt seien vor allem Erzieher:innen, Grundschullehrer:innen, Rettungsdienstpersonal, Polizei- und Ordnungskräfte an der Reihe. Von den 500 Personen, die täglich mit Astrazeneca geimpft worden seien, „entfallen mindestens 80 Prozent auf diese Berufsgruppen“, sagt Gösch.

Impftermin mit Astrazeneca bleibt vorerst bestehen

Wer einen Termin nach dem 18. März zur Impfung mit Astrazeneca hat – der Impfstoff ist auf der Terminbestätigung vermerkt –, behält diesen. Vorerst. „Solange wir kein grünes Licht vom Paul-Ehrlich-Institut bekommen, impfen wir aber nicht mehr damit“, sagt Gösch. Zunächst müsse überprüft werden, ob die gemeldeten Thrombosen der Hirnvenen im zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung stünden. „Das Risiko muss wissenschaftlich fundiert eingeschätzt werden.“

Gösch hält etwa ein Risiko für 1:500 000 gegenüber der ungeimpften Bevölkerung für vertretbar. Schließlich gebe es auch mit Covid-19-Infektion ein Risiko, und „wir haben auch in anderen Situationen des Lebens ein statistisch bezifferbares Risiko“. Beim Autofahren etwa oder beim Fliegen. Sollte es aber wieder grünes Licht für den Einsatz von Astrazeneca geben, dann stellt sich für Gösch die Frage, „wie angekratzt das Image des Impfstoffs ist“. Und wie viele Leute dann ihren Impftermin absagen, wie viele ihn verfallen lassen. (Sandra Busch)

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