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Vorbereitung auf den Schulstart unter Pandemiebedingungen am Gymnasium Riedberg: Schulleiter Helmut Kühnberger bringt Pfeil und ein Stopp-Schild an.

Ferienende

Frankfurts Schulen bereiten sich auf den Regelbetrieb vor

  • Sandra Busch
    vonSandra Busch
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Die Ferien sind vorbei, Corona nicht. Die Schulen bereiten sich auf einen Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen vor. Jede auch ein bisschen anders.

An der Tür zum Klassenzimmer hört die Maskenpflicht auf. Gilt außerhalb des Klassenraums in Hessen die einheitliche Regelung, eine Mund-Nase-Bedeckung zu tragen, so können Schulen selbst entscheiden, wie sie es mit der Maske im Unterricht halten. Und da findet in Frankfurt jede Schule ihre eigene Antwort: Am Adorno-Gymnasium darf die Maske auf dem Sitzplatz abgenommen werden, an der Erich-Kästner-Schule muss keine Maske getragen werden, an der Ernst-Reuter-Schule II sind Masken im Unterricht bis auf Weiteres Pflicht, am Gymnasium Riedberg geht es nur während der Stillarbeitszeiten oben ohne. „Aber wenn jemand wegen der Maske Atemnot hat, dann darf er sie auch sonst mal abziehen“, sagt Helmut Kühnberger, Schulleiter des Gymnasiums Riedberg.

Die Ferien sind vorbei, Corona nicht. Aber anders als vor den Sommerferien werden die Schulen in den Regelbetrieb gehen. Die Stundenpläne sollen wieder erfüllt werden – unter Pandemiebedingungen. Pfeile und Hinweisschilder hat man am Gymnasium Riedberg nach der Grundreinigung wieder neu angebracht, damit in den Gängen nur in eine Richtung gelaufen wird. Unter-, Mittel- und Oberstufe werden in unterschiedlichen Gebäudeteilen unterrichtet. Denn weiterhin gilt: So wenig Kontakte zwischen Lerngruppen wie möglich.

Das funktioniert aber nicht immer: Bei Religion und Ethik etwa oder bei der zweiten Fremdsprache wird es schwierig. „Das ist klassenübergreifend“, sagt Kühnberger. Da müsse gemischt werden. Bei sechs Klassen im Jahrgang sieht Kühnberger aber laut Stundenplan nur die Durchmischung von drei Klassen vor. „Das hat den großen Vorteil, dass bei einem Corona-Fall maximal 90 Schülerinnen und Schüler daheim bleiben müssen.“ Und nicht alle 1400.

Auch in der Oberstufe klappt es im Kurssystem nicht, eine Durchmischung zu verhindern. „Das lässt sich mit den Leistungskursen gar nicht auflösen“, sagt Kühnberger. Da ist dann der ganze Jahrgang von rund 130 Schülern eine Gruppe, „die sich im Notfall abspalten lässt“.

Auch auf den Notfall vorbereitet

Der Notfall – auch auf ihn haben sich die Schulen vorbereitet. „Dann werden wir Videounterricht anbieten“, erklärt Kühnberger. Es gelte, auch dann die Stundentafel so gut wie möglich abzubilden. Dass immer mal wieder Gruppen zu Hause bleiben müssen, damit rechnen alle. Darin sieht auch Kühnberger kein großes Problem. Nur bloß nicht wieder die ganze Schule schließen. Über Monate. „Das will keiner“, betont er. Deswegen gilt auch weiterhin an den Schulen: möglichst Abstand halten, keine Küsschen und Umarmungen.

Benedikt Gehrling sieht dem Schulstart völlig entspannt entgegen. „Wir haben es ja auch vor den Ferien hinbekommen“, sagt der Leiter der Erich-Kästner-Schule, einer Grundschule in Niederursel. Schließlich waren die Grundschüler da auch schon in voller Klassenstärke an die Schule zurückgekehrt.

Und Erfahrung, wie das mit einem Corona-Fall an der Schule ist, hat er auch schon gemacht: Ein Kind war positiv getestet worden, daraufhin musste die Lerngruppe zunächst daheim bleiben. Alle Kinder der Gruppe und das Kollegium wurden getestet – alle waren negativ. Niemand war angesteckt worden. Man will nun auch wieder oft die Fenster offen halten. „Wenn es in den Winter geht, kann aber wieder alles ganz anders sein“, sagt Gehrling.

Auf Lehrer muss der Schulleiter nicht verzichten. Wie viele Schüler aber wegen eines erhöhten Gesundheitsrisikos nicht zum Unterricht erscheinen werden, weiß Gehrling nicht. Aber er hat einen Teil des Stundenkontingents zurückgehalten, damit Lehrkräfte diese Schüler digital versorgen und sie in kleinen Gruppen zwei bis drei Stunden in der Woche in der Schule unterrichten können.

„Möglich machen, was möglich zu machen ist“

Auch Kühnberger weiß nicht, wie viele Schüler zu Hause lernen müssen. Er kann sich eine Videoübertragung des Unterrichts für sie gut vorstellen. Allerdings müssen dafür in der Klasse Eltern und Schüler ab 14 Jahre zustimmen. Und wenn es nicht alle erlauben sollten, „dann werden wir sicher Lösungen finden“.

An der Erich-Kästner-Schule will Gehring „möglich machen, was möglich zu machen ist“. Denn es brauche wieder „ein wenig Normalität“, sagt er. Nicht möglich ist eine normale Einschulungsfeier: Dafür bekommt jede erste Klasse eine eigene. Auch an der KGS Niederrad wird es nur „eine schmale Einschulungsfeier“ in mehreren Etappen für die Fünftklässler geben, sagt Schulleiterin Eva Seifert. Abstände müssen eingehalten, Namen angegeben werden. „Es wird schmucklos und kurz“, sagt sie. „Das tut mir leid, aber wir müssen uns alle anpassen.“

Bei einer möglichen Schulschließung sieht Seifert die KGS Niederrad gut gerüstet. „Wir waren auch das letzte Mal schnell in der Lage, von zu Hause aus zu arbeiten“, sagt sie. „Das Material wurde digitalisiert, es war auch übers Handy abrufbar.“ An der Schule dürfe ohnehin mit Handy gearbeitet werden, an welchem Ort die Schüler dann säßen, sei zweitrangig. „Wir müssen eben mit der außergewöhnlichen Situation zurechtkommen.“

Das gilt auch für die Mensa. „Einen normalen Betrieb wird es nicht geben“, sagt Seifert. Der Caterer soll Lunchpakete machen, die in den Klassenzimmern verteilt werden. Am Gymnasium Riedberg wird die Mensa öffnen. Eingeschränkt. Statt 220 können nur 50 gleichzeitig essen. Doch die Mittagspause ist entzerrt worden, da auch der Unterricht nicht mehr für alle gleichzeitig anfängt: Die Jugendlichen beginnen etwas später. Insgesamt sieht Kühnberger die Schule auf einem guten Weg in den Regelbetrieb. „Aber wir müssen flexibel sein, schauen, ob wir genug getan haben“, sagt er. „Doch das Schuljahr kann jetzt erst einmal kommen.“

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