Das Museum Caricatura bezieht in seinem Haus standesgemäß Stellung zu Corona.
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Das Museum Caricatura bezieht in seinem Haus standesgemäß Stellung zu Corona.

Kultur

Frankfurt: Museumsbesucher bleiben aus

  • Claus-Jürgen Göpfert
    vonClaus-Jürgen Göpfert
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Wegen Corona verkaufen Frankfurter Häuser bis zu 80 Prozent weniger Tickets. Es gibt Verluste und Ausstellungsausfälle.

Das Caricatura, Frankfurts Museum für komische Kunst, versucht, die prekäre Situation mit Sarkasmus zu bewältigen. Da erfahren die Besucherinnen und Besucher etwa auf fingierten Hinweisschildern, dass man Desinfektionsmittel nicht spritzen und auch nicht damit duschen sollte. Zwei Monate sind vergangen, seit Frankfurts Museen unter den Einschränkungen der Corona-Pandemie wieder geöffnet haben. Die Erfahrungen sind ernüchternd. „Die Leute haben Angst vor Innenräumen“, urteilt Peter Cachola Schmal, der Direktor des Deutschen Architekturmuseums (DAM). In seinem Haus liegt die Besucherzahl nur bei „einem Drittel des Normalen“, alle Institutionen in Frankfurt verzeichnen mehr oder weniger starke Rückgänge bis zu 80 Prozent.

In dieser dramatischen Lage fordert Frankfurts Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD), dass „die Lockerungen, die für die Gastronomie gelten, auch für die Kultur gelten sollen“. Die „Ungleichbehandlung“ sei „schwierig“. In Hessen gibt es zum Beispiel seit dem 6. Juli für Gäste in Restaurants und Cafés keine Maskenpflicht mehr, die in den Museen dagegen weiter gilt. Auch tritt Hartwig dafür ein, dass der Raum von fünf Quadratmetern, der für jeden Besucher einer Kultureinrichtung gilt, auf drei Quadratmeter reduziert werden soll. Das würde bedeuten, dass wesentlich mehr Menschen als bisher gleichzeitig die Museen betreten könnten.

Ausstellungen

Die Museen in Frankfurt verlängern ihre Ausstellungen. Das Caricatura Museum für Komische Kunst, Weckmarkt 17, zeigt „Beste Bilder“ bis zum 20. September. Das Liebieghaus , Schaumainkai 71, präsentiert „Bunte Götter“ bis 17. Januar 2021. Das Museum für Kommunikation , Schaumainkai 53, bringt „Neuland“ bis zum 18. Oktober und „Raumschiff Wohnzimmer“ über die Mondlandung bis zum 10. Januar 2021. 

Das Städel Museum , Schaumainkai 63, verlängert die Ausstellung „En Passant – Impressionismus in Skulptur“ bis zum 25. Oktober. Das Deutsche Architekturmuseum , Schaumainkai 43, zeigt „Campus Deutsche Bundesbank“ vom 16. Juli bis 18. Oktober und „Zur Zukunft der Städtischen Bühnen“ bis 6. September 2021. Das Museum Angewandte Kunst , Schaumainkai 17, präsentiert „Anette Lenz à propos“ bis 3. Januar 2021. jg

Im Architekturmuseum ist Peter Cachola Schmal davon überzeugt, dass sich die Lage erst dann verbessert, „wenn das persönliche Sicherheitsgefühl der Menschen ein anderes wird“. Das könne zum Beispiel geschehen, wenn nach den Sommerferien keine neue Corona-Welle komme.

Derzeit werden in den Museen viele Besucher schmerzlich vermisst. Franziska von Plocki, die Sprecherin des Städels, zählt auf: „Es fehlen die internationalen Touristen, die Reisegruppen überhaupt und die Schulklassen.“ Insgesamt seien „Scheu, vorsichtiges Annähern und Zurückhaltung“ zu beobachten. Wer aber dann die Schwelle zum Städel überschritten habe, sei „dankbar und glücklich“.

Franziska Nori, die Direktorin des Frankfurter Kunstvereins, beobachtet: „Den Menschen fehlt im Haus die Möglichkeit, zusammenzutreffen.“ Es stehe „die Vorsicht im Vordergrund“. Corinna Engel, die Sprecherin des Museums für Kommunikation, bilanziert nüchtern: „Die Leute haben Angst und kommen nicht.“ Man müsse deshalb den Menschen „das Gefühl vermitteln, dass sie im Museum sicher sind“. Auch Christina Henneke, die Sprecherin des Museums für Moderne Kunst, berichtet von einem „Rückgang der Besucherzahlen, allerdings nicht so dramatisch, wie zu befürchten war“.

Der Rückgang hat in allen Häusern finanzielle Folgen. Am Ende des Jahres werde eine Millionensumme fehlen, schätzt Corinna Engel vom Museum für Kommunikation. Alle Museen helfen sich damit, dass sie Veranstaltungen streichen und Ausstellungen verlängern. Achim Frenz, der Direktor des Caricatura, hat das beliebte „Festival der Komik“ Ende August aus dem Programm genommen. Tausende von Besuchern auf engstem Raum könnten unter Corona-Bedingungen ohnehin nicht verantwortet werden, sagt er. Auch der Auftritt des Caricatura auf der Frankfurter Buchmesse im Oktober ist gestrichen. „Unsere Comic-Verlage kommen auch nicht.“

Das Deutsche Architekturmuseum lässt die beliebte „Lego-Baustelle“ im Sommer ausfallen, auf der aus Herzenslust mit den Steinen gebaut werden konnte: zu gefährlich wegen Corona. Eine Ausstellung mit den Werken junger Architekten aus Dänemark ist ganz gestrichen. Dafür wird die Schau über die Entwicklung der Deutschen Bundesbank, die nächste Woche öffnet, gleich bis Oktober verlängert.

Im Herbst muss dann die Frankfurter Stadtregierung entscheiden, wie in den städtischen Häusern die finanziellen Folgen aufgefangen werden. Vier Wochen nach der Wiedereröffnung der Freibäder in Frankfurt ziehen die Bäderbetriebe eine positive Bilanz.

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