Auf dem Römerberg haben sich Kinder und Erwachsene versammelt. Sie fordern bessere Konzepte für Bildung und Betreuung.
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Auf dem Römerberg in Frankfurt haben sich Kinder und Erwachsene versammelt. Sie fordern bessere Konzepte für Bildung und Betreuung.

Coronavirus

Frankfurt: Eltern unzufrieden mit Corona-Vorkehrungen

  • Clemens Dörrenberg
    vonClemens Dörrenberg
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Eltern und Kinder fordern auf einer Kundgebung auf dem Römerberg in Frankfurt von der Bildungspolitik klare Konzepte für eine mögliche zweite Corona-Welle.

  • Eltern fordern Konzepte für bessere Bildung und Betreeung
  • Kundgebung auf dem Römberberg in Frankfurt
  • Politik soll durchdachten und transparenten Plan für eventuelle zweite Corona*-Welle entwickeln

Frankfurt - Seifenblasen steigen am Samstagmittag (04.07.2020) auf dem Römerberg in die Höhe. Zu einer kurzen Kundgebung der Bürgerinitiative „Familien in der Krise“ haben sich Erwachsene und Kinder vor dem Rathaus versammelt. Unter dem Motto „Bessere Konzepte für Bildung und Betreuung – damit Eltern und Kinder bei einer zweiten Welle und im Herbst nicht wieder im Regen stehen“ haben die Initiatorinnen und Initiatoren zu der Kundgebung im Zusammenhang mit dem Coronavirus aufgerufen.

Sie fordern von der Politik einen „durchdachten, transparenten Plan für eine eventuelle zweite Infektionswelle“, „klare Konzepte für Onlineunterricht“ sowie „flächendeckende Tests in Bildungseinrichtungen“. In sechs weiteren deutschen Städten waren von der Initiative für Samstag Proteste geplant, darunter in Darmstadt, München und Oldenburg.

Frankfurt: Konzept für zweite Corona-Welle - Schulschließungen  als „Ultima Ratio“

Am Römer in Frankfurt vertreiben sich Mädchen und Jungen neben Malen mit Kreide die Zeit, indem sie Seifenblasen in die Luft pusten. Ihre Eltern halten Schilder hoch mit Aufschriften wie „Kinder brauchen Kinder“, „Lobby für Familien“ und „Weil Eltern keine Lehrer sind“. Mehrmals habe sie mit ihrer Bürgerinitiative bereits demonstriert, berichtet Diane Siegloch, Sprecherin von „Familien in der Krise“. Die 40-jährige Wiesbadenerin sagt: „Wir wollen am Anfang der Sommerferien in Hessen ein Zeichen setzen, denn noch lange ist nichts in Ordnung.“

Auf „rund 100“ schätzt sie die Zahl der Teilnehmenden des Protests in Frankfurt. Beim Blick über den Römerberg scheinen es etwas weniger zu sein. Dass Schulen und Kindergärten als Erstes schließen würden, wenn vermehrte Fälle des Coronavirus – wie zuletzt in Gütersloh – auftreten würden, kann die Mutter dreier Kinder nicht nachvollziehen. Schulschließungen gelten für die Initiative als „Ultima Ratio“ und „letzte Lösung“. Mit Politikerinnen und Politikern stünden die Aktivistinnen und Aktivisten in Kontakt, um „zusammen richtige Konzepte“ zu entwickeln. Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) sagt in seiner Ansprache: „Familien müssen Gehör finden, Eltern und Kinder fühlen sich hintenangestellt.“ Sie müssten eingebunden werden, „wenn man das Gefühl hat, es geht noch mal los“.

Frankfurt: Kundgebung auf dem Römerberg - „Wir haben gesehen, wie Kinder leiden“

Am Zaun des Gerechtigkeitsbrunnens hängt ein Schild, auf dem zu lesen ist: „Schniefnasen? Standard ab Oktober“. Daneben steht Familie Bisping-Rother, die aus Eckenheim zu der Demonstration gekommen ist. Anna Bisping, die ihren einjährigen Sohn Eddie auf dem Arm trägt, sagt: „Wir stehen auch für die vielen hier, die nicht die Kapazitäten haben herzukommen und die richtig leiden.“ Auf dem Stück Pappkarton, das sie sich vor die Brust gehängt hat, steht geschrieben: „Immer auf die Kleinen ist zum Weinen“. Momentan hätte die Familie Zeit und könne „Aktivismus“ zeigen, in Vorbereitung auf den Herbst, wenn eine zweite Corona-Welle drohe. „Rund um das Thema Schniefnase und Kinderkrankheiten“ wünscht sich die 37-Jährige „klare Konzepte“ von der Politik.

Olaf Rother sagt: „Wir haben gesehen, wie Kinder leiden und wie schlecht es ihnen ging.“ Tochter Tilda habe während des Lockdowns „Wutausbrüche“ gehabt, „Haare und Klamotten zerkaut“, weil sie ihre Spielkameraden nicht hätte sehen dürfen. Die Vierjährige hangelt sich am Justitiabrunnen entlang. „Langweilig“ sei ihr, sagt sie. Ihr Vater stellt ihr „Kuchen, Eis oder Waffel“ in Aussicht. Auch einen Besuch des Doms soll es noch geben.

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