Schutzkleidung ist nach wie vor Pflicht auf der Isolierstation für Coronavirus-Behandlungen.
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Corona

Frankfurt: Chef der Uniklinik sieht Hessen gut vorbereitet für eine mögliche zweite Welle

  • Jutta Rippegather
    vonJutta Rippegather
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Der Direktor der Frankfurter Uniklinik, Jürgen Graf, spricht im Interview über Besuchsverbote, eine mögliche zweite Corona-Welle und eine Versorgung, die noch weit vom Normalbetrieb entfernt ist.

Die Zahlen der Neuinfektionen in Hessen sind stark zurückgegangen. Menschen und Organisationen richten sich auf ein Leben mit dem Virus ein. Zeit für eine Zwischenbilanz mit dem Ärztlichen Direktor der Frankfurter Universitätsklinik, der den Corona-Planungsstab des Landes Hessen leitet.

Herr Professor Graf, die Hessen machen sich zunehmend locker. Die Frankfurter Uniklinik auch?

Auch bei uns hat es in den vergangenen drei Wochen Veränderungen gegeben. Aber es gibt einige Regeln, die wir tapfer aufrechterhalten. Zum Beispiel tragen die Kollegen alle chirurgischen Mund-Nasen-Schutz. Elektive Eingriffe sind wieder möglich. Das heißt, wir haben wieder deutlich mehr Patienten. Die Bettenzahl ist aber immer noch reduziert. Vom Normalbetrieb sind wir noch weit entfernt.

Wenn alle locker sind: Wie lassen sich strenge Regeln noch durchsetzen – etwa die vom Land verordneten Besuchsbeschränkungen für Patienten?

Es braucht tatsächlich etwas Beharrlichkeit. Man muss immer wieder darauf hinweisen, dass die Entwicklungen der vergangenen Wochen oder die jüngsten Ausbruchsgeschehen in Deutschland zeigen, dass das richtige Verhalten maßgeblich ist für den Schutz der Beschäftigten und Patienten. Für eine Einrichtung wie der unsrigen heißt das: möglichst wenig Berührung mit einem potenziellen Träger des Erregers. Wir wollen die Menschen, die zu uns kommen, behandeln. Doch jede zusätzliche Person ist ein zusätzliches Risiko.

Bayern erlaubt einen Besucher für eine Stunde pro Tag. Was spricht dagegen?

Für uns Krankenhäuser ist das sehr schwierig zu organisieren und zu kontrollieren. Die Landesregierung hält die Besuchsbeschränkungen bislang bis zum 16. August aufrecht. Wir hätten aus Gründen der Patienten- und Mitarbeitersicherheit nichts dagegen, wenn sich daran nichts ändert.

Wie gewährleisten Sie, dass neue Patienten nicht das Virus in die Uniklinik einschleppen?

Wer über die Notaufnahme kommt, wird dort getestet und bleibt so lange in einem Übergangsbereich, bis das Ergebnis fest steht. Je nachdem, wie es ausfällt, wird er dann im normalen Bereich behandelt oder in dem für Covid-Patienten. Bei einer planbaren Intervention erfolgt in der Regel zwei Tage zuvor ein Abstrich. Der Patient sollte sich dann unter Quarantänebedingungen aufhalten.

Zur Person

Jürgen Graf ist seit Juli 2016 Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des Universitätsklinikums Frankfurt. Zuvor leitete er den Medizinischen Dienst der Deutschen Lufthansa in Frankfurt. Graf ist Facharzt für Anästhesiologie und Intensivmedizin. 

Was empfinden Sie persönlich, wenn Sie sehen, dass die Kinder wieder in die Schule gehen, die Biergärten voll sind?

Ich bin ein bisschen skeptisch. Im Moment haben wir jahreszeitlich eine sehr günstige Situation. Die Lockerungen verursachen scheinbar wenig Schaden. Aber die Ausbrüche beispielsweise in der Nahrungsmittelproduktion zeigen, dass die Aggressivität des Virus nicht abgenommen hat. Der Sommer wird an uns vorbeigleiten, wir versuchen immer mehr, das normale Leben zu entwickeln. Dann kommt der Herbst, es wird kälter, das heißt nach dem gegenwärtigen Stand des Wissens, es steigt wieder die Gefahr der Infektion und Übertragung des Virus. Da könnten wir schnell in eine Zeit wie im März zurückgeworfen werden.

Rechnen Sie mit einer zweiten Welle für Herbst?

Die meisten Virologen und Epidemiologen warnen zumindest davor. Insofern richten wir unsere Organisation so aus, dass eine zweite Welle entstehen könnte.

Was hat die Uniklinik aus der ersten Welle gelernt?

Wir haben sehr viel gelernt. Wir haben ja teilweise im Tagestakt neue Informationen vom Robert Koch-Institut erhalten. Da sind wir sehr schnell geworden in der Umsetzung, in deren Kontrolle und Kommunikation. Wir haben gelernt, dass die Notfallversorgung auch unter strengen Infektionsbedingungen aufrechterhalten werden kann.

Das heißt: Hessen ist gut auf eine mögliche zweite Welle vorbereitet?

Man darf nicht unterschätzen, dass auch so ein Virus eine Entwicklung vollzieht und manchmal seine biologischen Eigenschaften ändert. Das könnte neue Herausforderungen bringen. Organisatorisch haben wir ein herausragendes Netzwerk geschaffen aus Krankenhäusern, niedergelassenen Ärzten, öffentlichem Gesundheitsdienst und Rettungsdienst. Das wird helfen, eine zweite Welle noch souveräner als die erste zu bewältigen.

Jutta Rippegather

Hessens Einrichtungen setzen die Corona-Lockerungen unterschiedlich um. Sie dürfen das. In der Uniklinik Frankfurt bleiben Besuche wegen des Coronavirus auch weiterhin untersagt.

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