Coronavirus Sars-CoV-2 und Covid-19 in Frankfurt: Patienten in Warteschleife
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Immer mehr Menschen in Frankfurt wollen sich auf das Coronavirus testen lassen, um ihre Umgebung nicht zu gefährden.

Versorgung

Coronavirus in Frankfurt: Patienten hängen in der Warteschleife fest

  • Jutta Rippegather
    vonJutta Rippegather
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Hausärzte in Frankfurt können mangels Schutzkleidung nicht auf das Coronavirus Sars-CoV-2 und Covid-19 testen. Eine Marburger Praxis richtet ein „Corona-Drive-in“ ein.

  • Coronavirus Sars-CoV-2 und die Krankheit Covid-19 sorgen für große Unsicherheit in der Bevölkerung
  • Viele Patienten wenden sich an ihre Hausärzte
  • Doch die können nicht immer weiterhelfen

Frankfurt – Er wollte ausschließen lassen, dass er sich mit dem neuartigen Coronavirus infiziert hat. „Mir geht es vor allem um den Schutz meiner Kollegen“, sagt der 22-Jährige aus Frankfurt. Er rief seine Hausärztin an, die verwies ihn an das Gesundheitsamt. Das empfahl ihm, sich einen besseren Hausarzt suchen. Dank persönlichen Beziehungen kam es nach ein paar Stunden doch noch zu einem Beratungsgespräch mit dem Gesundheitsamt. Ergebnis: Der 22-Jährige bleibt diese Woche zu Hause. Ein Test, erfuhr er, sei nicht nötig, weil er sich nicht in einem der Risikogebiete aufgehalten hat.

Coronavirus Sars-CoV-2 und Lungenkrankheit Covid-19 in Frankfurt: Mutter in Telefon-Warteschleife

Der Mutter einer nierentransplantierten Tochter erging es ähnlich. „Der Hausarzt sagte, sie machen überhaupt keine Testabstriche, weil ihr Labor die nicht auswerte und weil sie sich außerdem auf Empfehlungen des Robert-Koch-Institutes stützen.“ Man verwies sie auf die Uniklinik, die ihr die Telefonnummer des Gesundheitsamts nannte. Die war automatisch auf die dauerbesetzte Covid-19-Hotline des Landes Hessen umgeleitet. Nach ungefähr 90 Minuten, sagt die Frankfurterin, drang sie endlich durch und weiß jetzt: „Tests werden nur bei Leuten gemacht, die in einem Risikogebiet waren oder Kontakt zu einer nachgewiesen infizierten Person hatten oder Angehörige einer solchen sind. Chronisch krank oder Angehörige eines solchen zu sein, reicht nicht für einen Test.“

Coronavirus Sars-CoV-2 und Lungenkrankheit Covid-19 in Frankfurt: Unsicherheit in der Bevölkerung

Die Unsicherheit in der Bevölkerung ist groß. Bei den Hausärzten stehen die Telefone nicht still. Sie sollen separate Räume für verdächtige Patienten vorhalten, über die sie nicht verfügen. Die Kassenärztliche Vereinigung KV Hessen rät dazu, Verdachtsfälle „mit maximalen Sicherheitsvorkehrungen zu behandeln“, sagt die Frankfurter Hausärztin Martina Schaffner, die am Montag im FR-Interview von ihrem Alltag in Coronazeiten berichtete.

Bereits bei „begründetem Verdacht“ sollten die Ärzte unverzüglich das zuständige Gesundheitsamt einschalten, informiert die KV auf ihrer Homepage. Im Übrigen, sagt Schaffner, habe ihre Praxis mittlerweile die zehn letzten Mundschutzmasken aufgebraucht, die 50 bei einem Malerbedarf bestellten seien noch nicht geliefert. „Jetzt können wir - aus Eigenschutz - Patienten nur noch an das Gesundheitsamt verweisen und selbst keine Abstriche mehr abnehmen.“ Außerdem sei „Seuchenbekämpfung“ primäre Aufgabe des Gesundheitsamts.

Coronavirus Sars-CoV-2 und Lungenkrankheit Covid-19 in Frankfurt: Mangelhafte Informationspolitik

Einen anderen Weg geht die Marburger Hausärztin Ulrike Kretschmann. Gemeinsam mit ihren drei Kollegen hat sie sich am Montag (02.03.2020) auf folgendes Prozedere geeinigt: Begründete Verdachtsfälle fahren nach telefonischer Ankündigung am Hintereingang vor und bleiben im Auto sitzen, während der Arzt den Test macht. Das banne die Ansteckungsgefahr im Wartezimmer. „Und das spart Ressourcen bei der Schutzkleidung“, sagt Kretschmann, die sich das Vorgehen bei den Südkoreanern abgeschaut hat. Dort wurden „Corona-Drive-ins“ eingerichtet. Eine Super-Lösung, so die Ärztin. „Man muss das Rad ja nicht neu erfinden.“

Dass sie und ihre Frankfurter Kollegin die Informationspolitik mangelhaft finden, kann KV-Sprecher Karl Roth nicht nachvollziehen. Eine eigene Hotline für Ärzte gebe es zwar nicht. „Aber natürlich gibt es auch bei uns eine erhöhte Nachfrage rund um das Coronavirus, sowohl von Ärztinnen und Ärzten als auch von Patienten.“ Die Wartezeiten bei der Terminservicestelle 116 117 seien länger als üblich. „Wobei wir die gesetzlich vorgeschriebenen Servicezeiten nach wie vor einhalten können.“ Ein Aufstocken der Belegschaft bei der Dispositionszentrale oder dem Ärztlichen Bereitschaftsdienst sei wegen des hohen Krankenstands nicht möglich. Grund sei der „hohe Krankenstand durch normale saisonale Einflüsse“, etwa Influenza.

Coronavirus Sars-CoV-2 und Lungenkrankheit Covid-19 in Frankfurt: Mangel an Schutzkleidung in den Arztpraxen

Laut Roth berichtet die KV „tagesaktuell“ über neue Entwicklung. Etwa darüber, dass sich beim Thema Schutzkleidung etwas bewegt: Aufgrund des flächendeckenden Mangels in den Arztpraxen wird „auf Landes- und Bundesebene geprüft, ob vorhandene Kontingente zeitnah für die ambulante Versorgung zur Verfügung gestellt werden können“, teilt die KV mit. Darüber hinaus werde derzeit mit den Gesundheitsbehörden geklärt, „wie mit Praxen und Personal zu verfahren ist, die im Rahmen ihres Versorgungsauftrages mit positiv Getesteten in Verbindung standen“. Die KV arbeite eng mit dem hessischen Sozialministerium, den öffentlichen Gesundheitsdienst und allen anderen Stellen zusammen, versichert Roth, „um die aufkommende und wahrscheinlich nicht im Verhältnis stehende Panik nicht weiter anzufachen“. Wichtig sei vor allem, Ruhe zu bewahren. „Natürlich ist das Virus neu und löst Ängste aus.“ Doch das Robert-Koch-Institut schätze die Gefahr einer Ansteckung als „gering bis mäßig“ ein.

Unterdes dankten Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) und Sozialdezernent Kai Klose (Grüne) dem medizinischen Personal und den politisch Verantwortlichen in den betroffenen Kreise in Hessen für ihre „besonnenen Reaktionen und die gute Kooperation“. Der öffentliche Gesundheitsdienst und die Verantwortlichen vor Ort hätten „vorbildlich und zügig gehandelt, um eine weitere Verbreitung des Virus zu verhindern und mögliche Infektionsketten zu unterbrechen“. Das jeweils zuständige Gesundheitsamt entscheide über das Vorgehen entscheidet, weil es am nächsten dran sind: So sei in manchen Fällen häusliche Quarantäne angeordnet, andernorts eine stationäre Versorgung.

Von Jutta Rippegather

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