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Bordelle bezweifeln Sinn der Corona-Abstandsregel

  • Steven Micksch
    vonSteven Micksch
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Verein Doña Carmen fordert ein Ende des Distanzzwangs und grünes Licht für Prostitution. Viele Prostituierte seien besorgt um ihre Zukunft.

Doña Carmen, der Verein für die sozialen und politischen Rechte von Prostituierten, sieht die 1,5-Meter-Abstandsregel nicht als geeignet an, um Schließungen von Bordellen zu rechtfertigen. Die Vorkehrung sei nicht ursächlich für den Rückgang der Infektionszahlen in den vergangenen Wochen, sagte Gerhard Walentowitz vom Vorstand des Vereins bei einer Pressekonferenz. Deshalb sollten die Prostitutionsstätten in Deutschland wieder öffnen dürfen.

In den vergangenen Wochen hätten die Vereinsmitglieder vermehrt Gespräche mit Prostituierten geführt. „Die Frauen sind sehr besorgt um ihre Zukunft“, fasste Walentowitz zusammen. Der Forderung nach der Öffnung der Bordelle lägen aber keine wirtschaftlichen Motive zugrunde, vielmehr habe man sich speziell mit den gesundheitlichen und infektiologischen Gesichtspunkten beschäftigt. „Wir nehmen die Gesundheitsfrage sehr ernst.“

Zahlen genau geprüft

Bei Betrachtungen der Zahlen des Robert-Koch-Instituts haben Walentowitz und die anderen Vereinsmitglieder erkannt, dass der Höhepunkt der gemeldeten Neuinfektionen am 16. März erreicht wurde, danach seien es immer weniger geworden. Der Höhepunkt des Infektionszeitpunktes liege noch weiter zurück.

Nach RKI-Angaben liege die durchschnittliche Inkubationszeit bei fünf bis sechs Tagen; demnach war am 10. und 11. März der Klimax erreicht. „Das war gut zwei Wochen vor dem Inkrafttreten der Abstandsregel“, sagte Walentowitz. Warum die Neuinfektionen fortan zurückgingen, weiß er nicht, aber er ist sich sicher, dass die Abstandsregelung keinen maßgeblichen Anteil daran hatte.

„Wir fordern einen Verzicht auf die gesetzliche Verordnung des Mindestabstands“, sagt er deshalb. Jeder dürfe freiwillig die Regel einhalten, wenn er sie für sinnvoll erachte, aber sie dürfe kein Zwang mehr sein. Das würde den Weg für eine Öffnung der Prostitutionsstätten freimachen. „Dann sollten an die Institutionen individuell angepasste Hygienemaßnahmen vereinbart werden. Gerne im engen Kontakt mit dem Gesundheitsamt“, gesteht Walentowitz zu.

Unabhängig von der aktuellen Corona-Krise fordert Doña Carmen die deutschen Gesundheitsämter auf, die freiwillige und anonyme Gesundheitsberatung in den Ämtern zu stärken und auch wieder die aufsuchende Arbeit in den Einrichtungen aufzunehmen.

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