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Auch kleine Buchläden bringen Nachschub direkt zu den Leseratten. Und die können die Lektüre mit in den Park nehmen.

Wirtschaft

Corona-Virus in Frankfurt: Mit Lieferservice aus der Krise

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Buchhändler in Frankfurt bringen ihre Waren zu Kunden. Der Handelsverband fordert staatliche Hilfen.

Um Onlineriesen wie Amazon in diesen Tagen nicht gänzlich das Feld zu überlassen, bieten Buchhandlungen, die wegen Corona von der Schließung im stationären Handel betroffen sind, in Frankfurt und im Rhein-Main-Gebiet Kundinnen und Kunden Lieferdienste an. „Es ist gerade für kleine Geschäfte wichtig, dass sie während der Zeit der Schließung die Bindung an ihre Kunden erhalten und dass sie Umsatz machen“, sagt Joachim Stoll, Vizepräsident des Handelsverbands Hessen-Süd.

Die Ypsilon-Buchhandlung im Frankfurter Nordend gehört zu den Geschäften, die wegen der Corona-Krise am vergangenen Mittwoch schließen mussten, nur das mit dem Geschäft verbundene Ypsilon-Café blieb noch bis Samstagmittag geöffnet. „Wir nehmen per Telefon oder E-Mail Bestellungen entgegen. Da wir viele Stammkunden im Viertel haben, bringen wir die Bestellungen zu Fuß oder per Rad zu ihnen“, sagt Norbert Weidl von der Ypsilon-Buchhandlung. Das Geld für die Ware müsse an der Haustür in Briefumschlägen übergeben werden. Lieferungen in fernere Stadtteile wie etwa Seckbach würden per Post und auf Rechnung geschickt.

Ähnlich verfährt die Karl-Marx-Buchhandlung im Frankfurter Stadtteil Bockenheim. Sie weist, wie viele Geschäfte in der Stadt, auf Zetteln an ihren Schaufensterscheiben auf ihren Lieferservice hin. „Wir werfen Kunden das Buch mit Rechnung in den Briefkasten, um unnötigen Kontakt zu vermeiden“, sagt Markus Zimmermann. Um das Risiko für die Buchhandlung gering zu halten, würden in der Regel nur Stammkunden beliefert, von denen man wisse, dass sie später ihre Rechnungen auch bezahlten.

ANGEBOT

Viele Buchhändler in Frankfurt und Rhein-Main bieten einen Lieferservice an. Einige Beispiele:

Ypsilon-Buchhandlung , Frankfurt, Nordend, www.y-buchladen.de, E-Mail: ypsilonbuchcafe@t-online.de

Karl-Marx-Buchhandlung , Frankfurt, Bockenheim, karl-marx-buchhandlung.de, E-Mail: info@karl-marx-buchhandlung.de

Buchhandlung „Dichtung und Wahrheit“, Wächtersbach, www.mkk-books.de, E-Mail: info@mkk-books.de

Auch die Büchergilde in der Frankfurter Innenstadt versorgt Leserinnen und Leser per Lieferung mit Lesestoff. Wer sich auf Leseabenteuer einlassen will, für den packen die Mitarbeiter „Quarantänepakete“. Kundinnen und Kunden müssen dazu nur ein Stichwort wie etwa „internationale Literatur“ oder „Kinderbücher Alter xy“ angeben, dann werden für sie dem Thema oder der Altersgruppe entsprechend Bücher zusammengestellt.

Für Leser und Leserinnen, die außer Haus arbeiten, bietet die Büchergilde eine Abholstation in einem nahe gelegenen Lebensmittelgeschäft an. „Wir hinterlegen dort die Bücher mit Rechnung. Die Kunden können sie dann abholen, wenn sie dort ihre Lebensmittel kaufen“, sagt Lisa Stöhr.

Alle befragten Frankfurter Buchhandlungen bestätigen, dass der Lieferservice gut angenommen werde, und dies nicht nur, weil Kundinnen und Kunden Lesestoff benötigten. „Uns schlägt eine unglaubliche Welle der Solidarität entgegen“, sagt auch Andrea Euler von der Buchhandlung „Dichtung und Wahrheit“ in der Altstadt von Wächtersbach (Main-Kinzig-Kreis). Stammkundinnen und -kunden legten Blumen und Süßigkeiten vor der geschlossenen Ladentür ab.

Andrea Euler und ihr Partner Stephan Siemon bieten einen Service an, der weit über eine Bücherlieferung hinausgeht. Sie leisten auch kostenlos Nachbarschaftshilfe. Das Buchhändler-Paar bringt Menschen auf Wunsch auch Lebensmittel. Auch vor Corona hatten sie schon einen Bücherlieferservice. „Wir haben Schulen und Anwaltskanzleien beliefert, jetzt sind es auch Privatleute“, sagt Andrea Euler. Einer ihrer Befürchtungen ist, dass der Buchgroßhandel seinen Lieferservice ausdünnt, weil er zu wenig Anfragen von Buchläden hat. Wenn die Lieferkette abreiße, so Euler, würden alle Bemühungen der Buchhändler, trotz der Schließungen Umsatz zu generieren, zunichte gemacht.

Gleichwohl sind die Einnahmen, die die Buchhändler mit ihren Lieferdiensten erzielen, längst nicht so hoch wie vor der Schließung, wie alle Befragten bestätigen.

Um die schweren Umsatzeinbrüche im stationären Handel abzumildern, müssten Bund und Land den kleineren und mittleren Geschäften kurzfristig und unbürokratisch helfen, um Insolvenzen abzuwenden, sagt Joachim Stoll vom Handelsverband und verweist auf einen Vorschlag der Vereinigung der Hessischen Unternehmerverbände (VhU), kleinen und mittleren Betrieben monatlich einen sofortigen Liquiditätszuschuss zu zahlen.

Eine interaktive Karte zeigt, welche lokalen Restaurants und Geschäfte in Frankfurt in der Zeit der Corona-Krise einen Lieferservice anbieten.

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